Über 1.500 Beschwerden wegen Berichten über Terrorattentat in Wien

Wien (OTS) - Vergangene Woche sind beim Presserat mehr als 1.500 Beschwerden aufgrund der Berichterstattung zum Terroranschlag vom 02.11.2020 in Wien eingelangt. In der Geschichte des Österreichischen Presserats gab es zu keinem anderen Thema eine derart hohe Anzahl an Beschwerden. „Ein absoluter Negativrekord“, sagt Geschäftsführer Alexander Warzilek.

Die zahlreichen Beschwerden beziehen sich u.a. auf folgende Punkte:

  • Veröffentlichung von Video- und Bildmaterial, auf dem zu sehen ist, wie ein Opfer erschossen bzw. ein Polizist niedergeschossen wird. Diese Beschwerden stellen den Großteil der Meldungen dar und betreffen die Medienhäuser von „oe24“ und „Kronen Zeitung“.
  • Veröffentlichung von Bildern, auf denen Blutlachen am Tatort zu sehen sind.
  • Verbreitung von Gerüchten und falschen Informationen.
  • Gefährdung des laufenden Polizeieinsatzes durch rasches Hochladen von Video- und Bildmaterial.
  • Veröffentlichung von Bildern, auf denen flüchtende Passanten zu sehen sind.
  • Identifizierende Berichte und Bildveröffentlichungen vom Attentäter, u.a. ein Bild von ihm, auf dem er mit Waffen posiert.
  • Identifizierende Bildveröffentlichungen von Polizistinnen und Polizisten.
  • Bildveröffentlichungen von jungen Männern mit entblößtem Oberkörper bei der Polizeikontrolle.

Alle diese Meldungen werden dem zuständigen Senat 2 vorgelegt. Andrea Komar, die Vorsitzende dieses Senats, hat dafür eine Sondersitzung für den 19.11. einberufen. In der Sitzung wird darüber entschieden, ob bzw. in welchen Fällen ein Verfahren eingeleitet wird. „Wir rechnen dann Mitte Dezember mit einer Entscheidung“, sagt Andreas Koller, Sprecher des Senats 2. „Die große Anzahl der Beschwerden zu der schrecklichen Terrorattacke zeigt jedenfalls auch, wie groß das Bedürfnis nach medienethischen Standards in der Berichterstattung ist“, so Koller weiter.

Selbständiges Verfahren aufgrund von Mitteilungen mehrerer Leserinnen und Leser

Der Presserat ist ein Verein, der sich für verantwortungsvollen Journalismus einsetzt und dem die wichtigsten Journalisten- und Verlegerverbände Österreichs angehören. Die Mitglieder der Senate des Presserats sind weisungsfrei und unabhängig. Im vorliegenden Fall führt der Senat 2 des Presserats aufgrund von Mitteilungen mehrerer Leserinnen und Leser ein Verfahren durch (selbständiges Verfahren aufgrund von Mitteilungen). In diesem Verfahren äußert der Senat seine Meinung, ob eine Veröffentlichung den Grundsätzen der Medienethik entspricht. Die Medieninhaberinnen haben die Möglichkeit, an dem Verfahren teilzunehmen.

Rückfragen & Kontakt:

Andreas Koller, Sprecher des Senats 2, Tel.: 01-53153-830

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