Der „Salzburger Stier 2021“ geht an Thomas Stipsits

Wien (OTS) - ACHTUNG: SPERRFRIST FÜR ALLE MEDIEN (FERNSEHEN, RADIO, INTERNET, SOCIAL MEDIA, TELETEXT UND PRINT) BIS MITTWOCH, 11. NOVEMBER 2020, 05.00 UHR BEACHTEN!

Die Gewinner des „Salzburger Stier 2021“ stehen fest:
Österreichischer Preisträger ist der Kabarettist und Schauspieler Thomas Stipsits, für Deutschland wird der Stand-Up-Künstler, Bühnenliterat und Kabarettist Moritz Neumeier ausgezeichnet und für die Schweiz die Slam-Poetin Lara Stoll. Der „Ehrenstier“ als Auszeichnung fürs Lebenswerk geht an den Schweizer Kabarettisten Joachim Rittmeyer. Der renommierte Radio-Preis für deutschsprachiges Kabarett wird beim großen „Stier“-Event von 7. bis 8. Mai 2021 im „Tollhaus“ in Karlsruhe überreicht. Gastgeber ist der SWR in Zusammenarbeit mit den öffentlich-rechtlichen Radiosendern von ARD, ORF, SFR und RAI Südtirol. Der „Salzburger Stier“ ist mit je 6000 Euro dotiert und wird bereits zum 40. Mal verliehen.

Der „Salzburger Stier 2021“ für Österreich geht an den 37-jährigen Kabarettisten, Schauspieler und Autor Thomas Stipsits. Obwohl Stipsits das Publikum buchstäblich im Sturm eroberte, blieb er bescheiden und zitierte in den ersten Jahren auf der Bühne gern Josef Hader: „Als junger Kabarettist hast Du beim ersten Verkehrsunfall mehr Zuschauer als beim ersten Soloprogramm“. Mittlerweile hat er fünf Soloprogramme, zwei satirische Kleinkunststücke und eine Werkschau hinter sich gebracht. Stipsits ist Steirer mit familiären Wurzeln im burgenländischen Stinatz. Eine Herkunft, die zur Satire verpflichtet: stammt doch der österreichische Altmeister des Kabaretts, Lukas Resetarits, ebenfalls aus dieser burgenlandkroatischen Gemeinde im Südosten Österreichs. Eine Gegend, die sowohl von der kroatischen Kultur als auch von starken Traditionen bestimmt ist. Stipsits ist ein Geschichtenerzähler der neuen Generation: Er entwickelt sehr komplex konstruierte Handlungsabläufe, die von persönlichen Erfahrungen geprägt sind und gleichzeitig der Tradition des „Schmähführens“ eine zeitgemäße Dimension verleihen. Als bekennender Freund von Massenszenen entwickelt er in seinen Programmen sehr einprägsame Charaktere, die gleichsam das Sittenbild des österreichischen Mikrokosmos widerspiegeln. Scheinbar harmlose Zeitgenossen, deren emotionale Basisausstattung auf naive Weise Charme, Niedertracht und Unbedarftheit vereint. Diese spezifische Gemengelage versteht der Kabarettist mit viel Witz und Geschick auf der Bühne umzusetzen. In den vergangenen Jahren hat sich Stipsits als vielseitig begabter Künstler erwiesen. Er wirkte in Filmen wie „Baumschlager“ oder „Love Machine“ ebenso mit, wie im ORF-Tatort oder in der ORF-Serie „Vorstadtweiber“. Gemeinsam mit dem Schauspieler Manuel Rubey entwickelte Stipsits die beiden Stücke „Triest“ und „Gott und Söhne“, die im gleichen Maße von anspruchsvoller Handlung, Massenszenen und satirischen Elementen geprägt sind. Sein erster Krimi „Kopftuchmafia“, der das dramatische Ende einer Hochzeit in Stinatz zum Inhalt hat, ist bisher 50.000 Mal verkauft worden. Und im Spätherbst 2020 erscheint bereits sein zweiter Stinatz-Krimi namens „Uhudler Verschwörung“. In seiner aktuellen Werkschau „Stinatzer Delikatessen“ hat sich Thomas Stipsits nicht nur mit dem Alltag in der kleinen burgenlandkroatischen Gemeinde beschäftigt, sondern auch mit der jüngeren Popgeschichte. Seine Vorliebe für dieses Genre und seine parodistische Begabung bescheren dem aktuellen Programm eine Reihe sehr bemerkenswerter Musik-Medleys.

Moritz Neumeier, Poetry-Slammer, Stand-Up-Comedian und Kabarettist, spricht gern über das Leben, die eigene Ehe, Kinder, das ständige Scheitern an selbstgesetzten Ansprüchen. Er tut dies mit provozierendem Humor, das Lachen bleibt einem zuweilen im Halse stecken. Wie leben wir eigentlich zusammen? Die Frage zieht sich durch – und das Politische ist immer nur einen Gedankensprung entfernt. 1988 geboren und gemeinsam mit sieben Geschwistern in Schleswig-Holstein aufgewachsen, nahm Neumeier seit 2008 an Poetry-Slams in Deutschland, Österreich und der Schweiz teil. 2012 hatte sein Bühnenprogramm „Satire macht frei“ Premiere. Sein wöchentlicher Videoblog „Auf eine Zigarette mit Moritz Neumeier“, seit der 100. Folge und auf Wunsch seiner Frau unter dem Namen „Auf einen Kaffee mit Moritz Neumeier“, wurde unter anderem von ZEITonline und FUNK, dem jungen Medienangebot von ARD und ZDF, präsentiert. In ihm redet Neumeier vorrangig über gesellschaftliche Themen wie Fremdenhass und Sexismus. Seit 2017 präsentiert er zudem gemeinsam mit Till Reiners den Satire-Podcast „Talk ohne Gast“. Respekt- und tabulos, unbeeindruckt von den Fragen des guten Geschmacks, talken und scherzen sich die beiden durch alle Themen ihres Lebens, der Politik und Gesellschaft. Neumeier scheut sich nicht, auch Themen aufzugreifen, die nicht lustig sind, wie etwa die Benachteiligung von Frauen. Dass er es mit den Grenzen politischer Korrektheit nicht immer genau nimmt, gehört dazu. Es macht einfach Spaß, ihm zuzuhören, wie er zu weit geht. Denn Moritz Neumeier ist ehrlich. Und lustig. Jedenfalls meistens. Nur manchmal tut es weh. Wie das Leben eben. Was die Stand-Up-Comedy vor allem im angloamerikanischen Raum schon seit Jahrzehnten ausmacht, bringt Neumeier in die deutsche Kabarett-Szene ein: eine selbstverständliche Mischung von Privatem und Persönlichem, gepaart mit politischen Unkorrektheiten und einem unverkrampften Umgang mit heiklen Themen. Er hat eine entwaffnende Art, sie anzusprechen und beim Namen zu nennen. Für Probleme, die er aufs Korn nimmt, bietet er keine Lösungen an. Aber wie er sie präsentiert, hintersinnig, provokant, zum Nachdenken herausfordernd – das ist von ungeheurer Lässigkeit, die alles andere als eine bloße Attitüde des deutschen Preisträgers des „Salzburger Stieres 2021“ ist.

Lara Stoll gilt als die Punkerin der Schweizer Poetry-Slam-Szene. Diesen Ruf genießt sie, weil sie es liebt, auf der Bühne laut und anarchistisch zu sein. Ihre Texte sind oft ein einziges, kunstvoll gebautes Crescendo. Doch dann, plötzlich und unerwartet, zeigt die Exzentrikerin ihre Zerbrechlichkeit. Diese spannungsvolle Mischung macht die 1987 in Schaffhausen geborene Stoll zu einer unverwechselbaren Figur auf den deutschsprachigen Bühnen. Dass sie neben ihren Bühnen-Programmen auch mit Filmen und Musik von sich reden macht, rundet das Bild dieser vielfach begabten Künstlerin ab. Stoll zog es schon früh auf die Bühne und so wurde sie 2006 Poetry-Slam-Schweizermeisterin in der Kategorie U20. Im gleichen Jahr bestätigte sie diesen Erfolg mit dem Gewinn der Deutschsprachigen Meisterschaft in derselben Kategorie. 2010 gewann sie die Slam-Poetry-Schweizermeisterschaft und die ersten Slam-Europameisterschaften. Nachdem sie als Slam-Poetin alles erreicht hatte und erfolgreich mit ihrem ersten Bühnen-Solo „Hanni, Nanni & ich“ auf Tournee war, absolvierte sie von 2011 bis 2015 ein Filmstudium an der Zürcher Hochschule der Künste. Mit dem Kollektiv „Bild mit Ton“ produziert sie seit 2013 experimentelle Videos und Kinofilme, 2015 gründete sie die Punkband „Pfffff“, aus der später das Synth-Pop-Techno-Projekt „Stefanie Stauffacher“ entstand. Aktuell spielt Lara Stoll in der TV-Krimi-Komödie „Advent, Advent!“ eine Hauptrolle. Stoll bleibt sich selbst immer und überall treu und setzt dem Publikum schonungslos vor, was ihre schräge Fantasie ihr zuträgt. Ihre Geschichten beginnen oft im Alltäglichen, Privaten und Banalen. Sie wartet vergeblich auf den Pizza-Lieferdienst oder kämpft mit dem Staubsauger, der nicht mehr in den Schrank passen will. Alles keine Tragödien, eigentlich, doch dann nimmt Lara Stolls Performance Fahrt auf, sie beginnt zu zetern, zu schäumen und zu poltern und schon driften ihre Alltagsgeschichten ab ins Apokalyptische oder werden einfach nur wunderbar grotesk. Auf dem Höhepunkt der Eskalation hilft oft der Griff zur Gitarre oder zu irgendeinem absurden Requisit. An diesen schrägen Blödeleien hat Lara Stoll eine ungeniert kindliche Freude – schließlich weiß sie genau, wann der Moment da ist, um wieder ernst zu werden. Nach ihren Bühnen-Programmen „Krisengebiet“ und „Krisengebiet 2 – Electric Boogaloo“ trägt ihr jüngstes und viertes Solo-Programm den scheinbar ungetrübten Titel „Gipfel der Freude“. Als hätte sie geahnt, dass sie dafür und für ihr bisheriges Schaffen den „Salzburger Stier 2021“ für die Schweiz gewinnt.

„Ehrenstier“ an Joachim Rittmeyer

Der „Ehrenstier“ - er wird in unregelmäßigen Abständen vergeben und gilt als Auszeichnung für das Lebenswerk – geht 2021 an den Großmeister der skurrilen Rituale und wunderlichen Denkmanöver, den Schweizer Kabarettisten Joachim Rittmeyer. Der 1951 in St. Gallen geborene Rittmeyer wird verehrt für seinen ebenso subversiven wie liebenswürdigen Humor, sein virtuoses Spiel mit Schweizer Macken und Dialekten, seine Musikalität und seinen Mut zur kompromisslosen Entschleunigung. Nach seiner Erstausbildung als Lehrer und zwei Jahren Journalismus brachte Joachim Rittmeyer 23-jährig sein erstes Solo-Programm „Lachen und Pfützen“ zur Uraufführung. Es folgten, meistens im 2-Jahres-Rhythmus, 20 weitere Solo-Programme. Sein Genre ist das detailgenaue Figuren-Kabarett. Mit verblüffender Leichtigkeit wechselt er auf der Bühne von einer Rolle in die andere. Was all seine Figuren verbindet, ist die Gewissheit, dass ein einfaches Ja oder Nein keine Antwort ist, egal auf welche Frage. Rittmeyers Figuren können nicht anders, als in den absonderlichsten Volten und Variationen über Hartschaumzehenspreizer, Katzenkratzschutzkragen oder die Trennstäbe an der Kasse im Supermarkt zu philosophieren. Parallel zu seinem aktuellen Solo-Programm „Neue Geheimnische“ spielt Joachim Rittmeyer zurzeit zusammen mit Patrick Frey die Duo-Komödie „Der letzte Piepser“, in der die beiden Fast-Siebziger mit viel Selbstironie ein mögliches Sterben auf der Bühne inszenieren.

Der „Salzburger Stier“ ist mit jeweils 6000 Euro dotiert und wird seit 1982 jedes Jahr an Kabarettistinnen und Kabarettisten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz verliehen - 2021 bereits zum 40. Mal. Er ist nicht nur einer der begehrtesten Kabarettpreise, sondern auch die größte Radio-Koproduktion im Bereich Unterhaltung. Nicht weniger als zehn Radiostationen arbeiten für den „Salzburger Stier“ eng zusammen: ORF, SFR, sechs ARD-Sender sowie der Deutschlandfunk und RAI Südtirol.

Den Auftakt des Kabarettforums „Salzburger Stier 2021“ im Karlsruher „Tollhaus“ werden am 7. Mai 2021 die Stierpreisträgern/innen des Jahres 2020 bestreiten – Florian Scheuba, Sarah Bosetti und Renato Kaiser – und Ehrenstier-Preisträger Joachim Rittmeyer. Die Preisverleihung findet am Samstag, den 8. Mai 2021 statt. An diesem Abend unterhalten die „Stier“-Preisträgerinnen 2021 mit Auszügen aus ihren aktuellen Programmen. Ö1 überträgt den Eröffnungsabend live ab 20.00 Uhr, ausführliche Porträts der Ausgezeichneten sind ab 16. Mai 2021 im Kleinkunstmagazin „Contra“ zu hören - immer sonntags um 19.05 Uhr in Ö1. Weitere Informationen sind abrufbar unter https://oe1.orf.at/salzburgerstier und www.salzburgerstier.org.

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