Namenlos aber nicht vergessen – Der Friedhof der Namenlosen

Wien (OTS) - Es gibt sie noch: Ganz besondere Orte in Wien, die ihre ganz eigene Geschichte erzählen. So zum Beispiel im Hafen Wien, einem Unternehmen der Wien Holding. Hier findet man ein ganz besonderes Stück Stadtgeschichte: den Friedhof der Namenlosen.

Im Alberner Hafen, dort, wo das Hafengelände schon wieder in den Auwald übergeht, findet man Wiens kleinsten und ungewöhnlichsten Friedhof. Ein schaurig schöner Ort, wie es ihn nirgendwo sonst auf der Welt gibt. Am Friedhof der Namenlosen fanden die meist anonymen Opfer der Donau von 1840 bis zum Jahr 1940 ihre letzte Ruhe. Von vielen weiß man weder den Namen, noch wie sie gestorben sind. Bei anderen wurde die Identität nachträglich geklärt. Normalerweise wird den Toten, die hier begraben sind, jeden ersten Sonntag nach Allerheiligen im Rahmen einer Gedenkfeier gedacht. Corona bedingt kann heuer leider keine Kranzlegung stattfinden. BesucherInnen können der Toten dennoch gedenken, in der Ruhe des Friedhofs.

Letzte Ruhestätte für Opfer der Donau

Der Friedhof der Namenlosen ist die weltweit wohl einzige Begräbnisstätte, die ausschließlich den Opfern eines Flusses vorbehalten ist. Bis zum Jahr 1939 fing ein Wasserwirbel neben morschem Treibholz auch an die 600 Leichen ein. Ermordete, Unfallopfer, SelbstmörderInnen, Opfer ungeklärter Kriminalfälle – meist unbekannte Tote aus der Donau, die hier angeschwemmt und gleich begraben wurden.

Die frühesten Gräber fielen durch Überschwemmungen immer wieder der Natur zum Opfer, daher wurde der Friedhof der Namenlosen im Jahr 1900 an seinen heutigen Standort verlegt, jenseits des Schutzdammes. Die Grabstätten hier sind einfache, schmucklose Erdhügel, ohne Umrandung und ohne Grabstein. Geschmückt sind sie nur mit schlichten schmiedeeisernen Kreuzen – die einzigen Zeugen, die noch an die Opfer des Flusses erinnern. An manchen Gräbern findet sich noch ein Schild, auf dem „Namenlos“, „Unbekannt“, „Männlich“, „Weiblich“ oder ein Datum steht. Im Zeitraum 1900 bis 1940 wurden am Friedhof rund 100 Wasserleichen beerdigt. Nur ein Teil davon konnten identifiziert werden.

Im Jahr 1935 erhielt der Friedhof der Namenlosen bei den Arbeiten zur Verstärkung des Schutzdammes eine steinerne Umfassungsmauer und eine Kapelle, die so genannte Auferstehungskapelle, in der auch heute noch regelmäßig Messen stattfinden.

Als dann im Jahr 1939 der Hafen Albern mit seinen Getreidesilos gebaut wurde, änderten sich durch die Hafenregulierung auch die Strömungsverhältnisse im Donaustrom. Seither werden keine Leichen mehr an dieser Stelle angeschwemmt. Falls doch, dann werden diese Toten auf dem Wiener Zentralfriedhof beerdigt. Auf dem Friedhof der Namenlosen fand nach offiziellen Quellen die letzte Beerdigung im Jahr 1940 statt. Der stillgelegte Friedhof der Namenlosen wird heute vom Hafen Wien sowie der Stadt Wien erhalten.

Vom Totengräber Josef Fuchs

Mit der Geschichte und der Erhaltung des Friedhofs der Namenlosen ist ein Mann untrennbar verbunden: Der ehrenamtliche Totengräber Josef Fuchs. Er lebte von 1906 bis 1996 und hat den Friedhof mit großer Sorgfalt betreut. Er hat auch dafür gesorgt, dass ganz im Widerspruch zum Namen des Friedhofs viele der Toten nicht ganz namenlos geblieben sind. Mithilfe von Abgängigkeitsanzeigen des Gemeindeamts Albern, die auch Personenbeschreibungen enthielten, konnte er viele Opfer identifizieren. Noch heute kümmert sich die Familie Fuchs ehrenamtlich um den Friedhof.

Friedhof der Namenlosen direkt zugänglich

Damit der Friedhof der Namenlosen nicht in Vergessenheit gerät, wurde im Jahr 2019 im Zuge der Umsetzung eines neuen Verkehrskonzepts im Hafen Albern auch der Zugang zum Friedhof adaptiert und neu ausgeschildert. Seitdem ist der Friedhof erstmals über einen gesicherten Fußweg direkt für BesucherInnen zugänglich. Der Fußweg beginnt bei der öffentlichen Haltestelle, der Endstation der Buslinien 76A sowie 76B, und führt auf einer Länge von ca. 600 m direkt zum Friedhof.

Im Zuge der Arbeiten wurde auch die Auferstehungskapelle am Friedhofsgelände renoviert. Die Kapellen-Wände, das Altarbild und die Wände der Sakristei wurden restauriert. Damit wurde sichergestellt, dass die Menschen, die hier begraben wurden, nicht in Vergessenheit geraten. Denn hier erzählt jedes Grab seine ganz eigene Geschichte und zeugt von einem Schicksal, dass in den Fluten der Donau ihr Ende fand.

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