Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz kontra Artenschutz?

Waldviertler Seeadler-Brutgebiete durch die Windkraft bedroht

Groß Siegharts (OTS) - Die Umweltagentur der Europäischen Union (EEA) setzt Österreich beim Zustand geschützter Tier- und Pflanzenarten (Species Conservation Status) an die vorletzte Stelle aller Mitgliedsländer. 83 Prozent der bewerteten Arten befinden sich in einem mangelhaften bzw. schlechten Zustand, bei der Ausweisung von Schutzgebieten besteht für Österreich ebenfalls dringender Handlungsbedarf.

Als Reaktion auf dieses vernichtende Zeugnis kündigt Umweltministerin Leonore Gewessler baldige Maßnahmen gegen das Artensterben an, plant aber gleichzeitig, mit Hilfe des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes (EAG) den zügigen Ausbau der Windkraft in Österreich zu forcieren – ohne die katastrophalen und nachhaltigen Folgen für die heimische Vogel- und Fledermausfauna zu bedenken.

Denn die im Regierungsprogramm für das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz getroffene Vereinbarung, wonach der Ausbau nur unter Beachtung strenger Kriterien in Bezug auf Ökologie und Naturverträglichkeit erfolgen soll, gilt im derzeitigen Gesetzesentwurf zwar für die Wasserkraft, nicht jedoch für die Windkraft. Diese ist, gemeinsam mit der Photovoltaik, von der Erfüllung strenger ökologischer Kriterien als Voraussetzung für die Zuteilung von Förderungen ausgenommen. Wird diese Ausnahme Gesetz, so hätte das weitere fatale Auswirkungen auf den Natur- und Artenschutz.

Bereits seit geraumer Zeit planen Windkraftfirmen die Errichtung mehrerer Windindustriezonen in den Wäldern des Waldviertels und somit direkt in den Brut- und Nahrungsgebieten streng geschützter Vogel- und Fledermausarten. Umweltschützer laufen deshalb seit Jahren Sturm gegen die Zerstörung dieser letzten Rückzugsgebiete, und gegen die Methoden der Betreiber, mittels geschönter Gutachten den Artenreichtum in diesen Wäldern „als unbedeutend“ abzutun und somit die internationalen Vereinbarungen zum Schutz der dort lebenden Arten zu umgehen. Mit dem durch die grüne Umweltministerin ausgestellten Freibrief per Gesetz stünde der großflächigen Naturzerstörung nichts mehr im Wege, und die vollmundigen Ankündigungen zur Verbesserung der Artenschutzmaßnahmen blieben leere Worthülsen.Gerade das Waldviertel gilt wegen seiner Abgeschiedenheit als Hoffnungsgebiet für die Ansiedlung gefährdeter Tierarten wie etwa des Seeadlers, dessen Bestand 2020 im Waldviertel auf 12 Brutpaare angestiegen ist, während im Osten Österreichs alleine 2019 zehn Seeadler durch Windkraftanlagen getötet wurden. Die letzten Naturregionen Österreichs für Windkraftwerke zu opfern leistet mit Sicherheit keinen Beitrag gegen den Klimawandel, sehr wohl aber zum weiteren Rückgang der Biodiversität.

Nicht weniger, sondern mehr und strengere Artenschutzauflagen müssen deshalb zukünftig vor allem für die Windkraft gelten, meint Univ.-Prof. Manfred Maier, Obmann der Umweltorganisation "Pro Thayatal" und fordert, dass das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz in diesem Sinne korrigiert wird. Sonst landet Österreich im nächsten Artenschutz-Bericht der EEA hinter Kroatien an letzter Stelle – und das ausgerechnet dank jener Partei, die von zahlreichen Bürgern wegen ihres Eintretens für den Natur- und Artenschutz gewählt wurde.

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Univ. Prof. Dr. Manfred Maier
Umweltorganisation Pro Thayatal
0664-3081884 / manfred.maier@meduniwien.ac.at

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