Südwind ruft Österreich am Nationalfeiertag zu Verantwortung für die Welt auf!

Ab Montag liegt es an Österreich sich aktiv für das verbindliche UN-Abkommen zu Wirtschaft und Menschenrechten einzusetzen

Genf/Wien (OTS) - Die seit 2015 laufenden Verhandlungen zu einem UN-Abkommen zu Wirtschaft und Menschenrechte starten wieder in Genf beim UN-Menschenrechtsrat. Österreich ist nicht nur Mitglied des UN-Menschenrechtsrates, sondern stellt derzeit sogar die Präsidentin und trägt daher eine besondere Verantwortung sich in der 6. Verhandlungsrunde der Arbeitsgruppe in Genf konstruktiv einzubringen.

Südwind unterstützt dafür die österreichische Treaty Alliance und ihre neue Kampagne „Menschenrechte brauchen Gesetze“ und nimmt auch an den Genfer Verhandlungen vor Ort teil. „Gravierende Menschenrechtsverletzungen wie Kinderarbeit, Zwangsarbeit und die Verfolgung von GewerkschafterInnen stehen auch im Jahr 2020 noch immer an der Tagesordnung.“, erklärt Stefan Grasgruber-Kerl, Südwind-Vertreter bei den UN-Verhandlungen in Genf.

So belegt eine Studie im Auftrag des US-Arbeitsministeriums vom 20.10.2020, dass rund 1,5 Millionen Kinder unter ausbeuterischen Bedingungen auf Kakaoplantagen in Westafrika arbeiten, obwohl Schokoladenhersteller wie Mars und Nestlé bereits 2001 versprachen, die schlimmsten Formen der Kinderarbeit bis 2005 zu beenden. Das Ziel wurde in der Zwischenzeit mehrfach revidiert. „Nötig wäre ein ambitioniertes Lieferkettengesetz, das Unternehmen haftbar macht, wenn sie eine Mitverantwortung für ausbeuterische Kinderarbeit tragen.“ fordert Gudrun Glocker, Kampagnenleiterin der Südwind Kampagne #GoEathical - Essen und die Welt verändern.

Der Rohstoffabbau für die Elektronikindustrie nahm in Covid19-Krisenzeiten nicht ab, ganz im Gegenteil wurden ArbeiterInnen weiterhin in die engen Stollen geschickt, wo der Coronavirus schnell viele Menschen infizieren kann. „In vielen Fällen sind die ArbeiterInnen MigrantInnen, die den Virus in ländliche Regionen ohne adäquate medizinische Infrastruktur tragen. Proteste dagegen werden oft durch Polizei und Militär brutal unterdrückt und jene Menschen, die ihre eigene Lebensumgebung vor der Ausbeutung durch Bergbauunternehmen schützen wollen, sehen sich in Zeiten der Pandemie sogar größeren Gefahren als sonst schon ausgesetzt.“ schildert Matthias Haberl, Leiter der Südwind-Kampagne Make ICT Fair.

Zulieferbetriebe führender Modeketten etwa in Indien haben die vorübergehende Schließung von Fabriken aufgrund der Corona-Krise als Anlass genommen, ausstehende Löhne einzubehalten und nur mehr jene Fabriken wieder zu eröffnen, wo Arbeiterinnen und Arbeiter nicht gewerkschaftlich organisiert sind. „Die zahlreichen Fälle, die die Clean Clothes Kampagne begleitet, offenbaren, wie wenig Unternehmen die Arbeits- und Menschenrechte respektieren und wie mangelhaft der Schutz dieser Rechte vonseiten der Regierungen betrieben wird.“ beklagt Gertrude Klaffenböck, Koordinatorin der Clean Clothes Kampagne.

“Das UN-Abkommen wird ein wichtiger Meilenstein, um diese Menschenrechtsverletzungen in Lieferketten zu beenden und bestrafen zu können. Österreich und die EU sollten sich daher aktiv beteiligen und das Abkommen unterstützen. Es liegt an Außenminister Schallenberg und der österreichischen Delegation die Rechte von Menschen und Umwelt in globalen Lieferketten unserer alltäglichen Produkte vor Profitinteressen der Konzerne zu stellen.“, appelliert Grasgruber-Kerl.

Rückfragen & Kontakt:

Stefan Grasgruber-Kerl
Kampagnenleiter und Südwind-Vertreter bei der UN in Genf
+43 699 100 400 79, stefan.grasgruber-kerl@suedwind.at

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