Erntearbeiter*innen: Opfer von Ausbeutung und Menschenhandel

Corona hat die Risiken für migrantische Arbeitskräfte erhöht

  • Die Risiken haben sich durch die globale wirtschaftliche Rezession erhöht. Hinzu kommt, dass die reguläre Arbeitsmigration durch Reisebeschränkungen und Grenzschließungen eingeschränkt ist und gesetzliche Arbeitsstandards wegen der Corona-Maßnahmen nur begrenzt kontrolliert werden
    Nadja Schuster, Gender-Referentin (VIDC)
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  • Für migrantische Erntearbeiter*innen ist, wie in vielen anderen Bereichen prekärer Beschäftigung, das Risiko deutlich höher
    Nadja Schuster, Gender-Referentin (VIDC)
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Wien (OTS) - Die Corona-Pandemie hat nicht nur menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in der Erntearbeit sichtbarer gemacht, sie hat auch die Gefahr der Ausbeutung und des Menschenhandels erhöht. „Die Risiken haben sich durch die globale wirtschaftliche Rezession erhöht. Hinzu kommt, dass die reguläre Arbeitsmigration durch Reisebeschränkungen und Grenzschließungen eingeschränkt ist und gesetzliche Arbeitsstandards wegen der Corona-Maßnahmen nur begrenzt kontrolliert werden“, analysiert Nadja Schuster, Gender-Referentin des VIDC (Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation).

Ein starkes Abhängigkeitsverhältnis, befristete Arbeitsverträge und die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, halten Erntearbeiter*innen davon ab, ausbeuterische Arbeitsverhältnisse zu melden. „Für migrantische Erntearbeiter*innen ist, wie in vielen anderen Bereichen prekärer Beschäftigung, das Risiko deutlich höher“, so Schuster. Sie würden meist nicht über die nötigen Sprachkenntnisse und Unterstützungsnetzwerke verfügen. Das Wissen über die rechtliche Situation und verfügbare soziale Dienstleistungen fehle ebenfalls. Die meisten Erntehelfer*innen kommen aus den ost- und südosteuropäischen Mitgliedstaaten der EU wie beispielsweise Rumänien, Bulgarien und der Slowakei. Manche kommen aber auch aus Drittstaaten wie der Ukraine oder Albanien. In ihren Herkunftsländern finden sie entweder keine Beschäftigung oder erhalten noch deutlich weniger Lohn als in Österreich.

Im Rahmen der Konferenz “Menschenhandel im Zeichen von Corona” der österreichischen Task Force zur Bekämpfung des Menschenhandels findet ein von VIDC und IOM (Internationale Organisation für Migration) organisierter Workshop zu "Arbeitsbedingungen in der Ernte – Zunahme von Ausbeutung und Menschenhandel im Zeichen von Corona?” statt. Unter der Moderation von Nadja Schuster (VIDC) diskutieren Alexander Spiegelfeld (IOM), Heimo Gleich (Landarbeiterkammer Niederösterreich) und Elisa Kahlhammer (Sezonieri - Kampagne für die Rechte von Erntearbeiter*innen), wie der Zugang zu Arbeits- und Sozialrechten von migrantischen Erntearbeiter*innen verbessert werden kann. Die Konferenz findet am 14.10. und der Workshop am 15.10.2020 online statt.

Nähere Informationen und Anmeldung: schuster@vidc.org , www.vidc.org

Rückfragen & Kontakt:

VIDC (Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation)
Nadja Schuster, Tel. 01 7133594 80, schuster@vidc.org

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