GLOBAL 2000: Kommissionsvorschlag macht Pestizide gefährlicher für Bienen

Imkerverbände fordern Notbremse von BM Elisabeth Köstinger

Wien (OTS) - In einem dringenden offenen Brief fordern heute Imkerverbände und Nichtregierungsorganisationen wie GLOBAL 2000 Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger auf, gegen einen Vorschlag der Europäischen Kommission zu stimmen, der die Zulassung von bienengefährlichen Pestiziden zukünftig erleichtern und das Bienensterben in Europa verschärfen könnte. Diese für den Bienenschutz richtungsweisende Entscheidung soll in einer geschlossenen Sitzung am 8. Oktober in Brüssel fallen.

Hinter verschlossenen Türen

Findet der Vorschlag der Kommission (Generaldirektion SANTE) eine Mehrheit unter den Mitgliedstaaten, dann könnte zukünftig im Zulassungsverfahren für Pestizide ein deutlich höheres Niveau an Bienensterben akzeptiert werden, als dies bisher der Fall war. „Angesichts des Rückgangs an Biodiversität ist dieser Vorschlag der Kommission skandalös. Er ist ein Zugeständnis an jene Mitgliedstaaten, die den 2013 unter großem Beifall von Wissenschaft und Umweltschützern präsentierten „EFSA-Bienenleitfaden“ konsequent blockiert hatten“, erklärt Christian Boigenzahn, Geschäftsführer der Biene Österreich. Helmut Burtscher-Schaden, Umweltchemiker bei GLOBAL 2000 und Initiator der Europäischen Bürgerinitiative „Bienen und Bauern retten“ ergänzt: „Der nun präsentierte Alternativvorschlag war hinter verschlossenen Türen, ohne Einbeziehung der EFSA-Gremien und ohne Beteiligung unabhängiger WissenschaftlerInnen, entwickelt worden. Er trägt die Handschrift der Pestizidindustrie. Österreich darf dem nicht zustimmen.“

Während die Bienenrichtlinie von 2013 Verluste bei Honigbienen in einer Größenordnung von bis zu sieben Prozent als „natürlich“ und daher zulässig betrachtet, könnten im neuen System, das von den Pestizidunternehmen mitentwickelt wurde, Verluste bis zu 20% als natürlich erachtet und daher toleriert werden. Diesem Ansatz fehlt jede wissenschaftliche Grundlage, er ist für den Bienenschutz völlig ungeeignet. Wildbienen, die in der Regel wesentlich empfindlicher als Honigbienen sind, und andere Insekten werden vorerst überhaupt nicht berücksichtigt.

Mit ihrem Schreiben an Ministerin Elisabeth Köstinger läuten die österreichischen Imkerverbände die Alarmglocken. Unterstützt von den fünf mitunterzeichnenden Umwelt- und Naturschutzorganisationen appellieren sie an die Ministerin, angesichts des schlechten Zustands der Biodiversität und des fortschreitenden Rückgangs an Bestäubern, jeder weiteren Verschlechterung des Bienenschutzes eine klare Absage zu erteilen. Dies fordert auch die neue Biodiversitätsstrategie der EU.

Die „Biene Österreich“ ist die Dachorganisation des Österreichischen Imkerbunds und Erwerbsimkerbunds. Unterstützt wird ihre Initiative von der ARGE Schöpfungsverantwortung, BirdLife, GLOBAL 2000, Greenpeace, dem Naturschutzbund sowie der Europäischen Bürgerinitiative „Bienen und Bauern retten“.

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Mag. Lydia Matzka-Saboi, GLOBAL 2000 Pressesprecherin, +43 699 14 2000 26, lydia.matzka@global2000.at
DI Dr. Helmut Burtscher-Schaden, GLOBAL 2000 Umweltchemiker, +43 699 14 2000 34, helmut.burtscher@global2000.at

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