- 24.09.2020, 12:08:46
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Volkspartei im Landtag: „Wir müssen die Schieflage am Arbeitsmarkt beseitigen!“
Hohe Arbeitslosigkeit trotz freier Stellen – ÖVP-Abgeordnete fordern im Landtag effektives und rasches Vermitteln zwischen Dienstnehmer und Dienstgeber und bringen acht Anträge ein.
Utl.: Hohe Arbeitslosigkeit trotz freier Stellen – ÖVP-Abgeordnete
fordern im Landtag effektives und rasches Vermitteln zwischen
Dienstnehmer und Dienstgeber und bringen acht Anträge ein. =
Klagenfurt (OTS) - „Der Arbeitsmarkt entscheidet maßgeblich über die
Zukunft unseres Lebens- und Wirtschaftsraum Kärnten“, stellt
ÖVP-Clubobmann Markus Malle am Beginn der aktuellen Stunde in der
heutigen Landtagssitzung klar. Zwar gebe es im August eine leichte
Erholung, es brauen sich aber dunkle Wolken am Horizont zusammen.
Und: „Es herrscht eine Schieflage am Arbeitsmarkt“, sagt Malle. „Auf
der einen Seite haben wir mit zuletzt 20.780 Personen viele
Arbeitslose, auf der anderen suchen Arbeitgeber händeringend nach
geeignetem Personal.“ Diese Schieflage gelte es zu beseitigen, und
das sei Aufgabe des AMS. Malle: „Das Arbeitsmarkt-Service muss zu
einer Institution umgebaut werden, die den Namen auch verdient:
nämlich Service – sowohl für Dienstgeber als auch für Dienstnehmer.
Die Probleme sind augenscheinlich: Nur etwa die Hälfte der freien
Stellen werden dem AMS gemeldet, eine Vermittlung findet nur auf
Basis der bisherigen Job-Geschichte statt und Schulungen treffen
häufig weder auf die Talente der Arbeitslosen noch den Bedarf der
Wirtschaft. Malle fordert deshalb einen „verpflichtenden
Talente-Check für alle Arbeitslosen“ und eine Erhebung der bei
Unternehmen gefragten Fertigkeiten gleichermaßen. „Das ist aber
derzeit nicht möglich“, zeigt Malle auf, „weil es die
Betriebssoftware des AMS nicht zulässt, sie stammt nämlich aus dem
Jahr 1995.“ Eine Erneuerung sei dringend notwendig.
Auf den steigenden Fachkräftemangel in Kärnten macht
ÖVP-Wirtschaftssprecher Christian Benger aufmerksam. „In Kärnten gibt
es Arbeit, aber immer weniger Menschen, die diese Arbeit mangels
Qualifikation leisten können“, sagt Benger. Allein durch die
Bevölkerungsentwicklung würden Kärnten in zehn Jahren mehr als 30.000
Menschen im Erwerbsalter fehlen. Benger zieht einen Vergleich: „Das
bedeutet statistisch, dass im gesamten Bezirk Feldkirchen niemand
mehr arbeiten geht.“
Für Benger ist deshalb klar: „Wir müssen die Menschen wieder in
Beschäftigung bringen!“ Das Sozialsystem dürfe nicht den Arbeitsmarkt
sprengen und für einen Dominoeffekt wegen falsch verstandener
Transferleistung sorgen. Vielmehr sei es nötig, positive Anreize zu
schaffen – etwa durch eine degressive Staffelung des
Arbeitslosengeldes. Benger erklärt: „Wer seinen Job verliert, erhält
in der ersten Zeit mehr als die derzeit 55 Prozent Netto-Lohnersatz,
danach sinkt die Unterstützung und zwar so, dass er über drei Jahre
in Summe gleich viel erhält wie jetzt.“ Damit sei den Menschen
geholfen, die jetzt ihren Arbeitsplatz verlieren und gleichzeitig
beseitige man mittelfristig negative Beschäftigungsanreize.
Gleichzeitig – so ist Benger überzeugt – muss man die Menschen für
den Bedarf der Arbeitswelt ausbilden. „Es gibt Chancen in der
Digitalisierung in allen Branchen und auch in innovativen Green
Jobs“, so Benger. „Wir müssen die größte Qualifizierungsoffensive
starten, die Kärnten je gesehen hat.“ Die Arbeitsstiftung des Bundes
sei hier ein wichtiger Hebel. „In den nächsten zwei Jahren stehen dem
Kärntner AMS 40 Millionen zusätzlich für Maßnahmen zur Verfügung.“
Wirtschaftslandesrat Sebastian Schuschnig mahnt: „Es kann nicht darum
gehen, Menschen mit allen Mitteln in Branchen zu halten, von denen
die Wirtschaft sagt, dass es sie in der Zukunft in dieser Form nicht
mehr geben wird.“ Überzeugt ist Schuschnig, dass neue Technologien
ein Turbo für das Land sein können – zum Beispiel Wasserstoff.
„Europaweit sollen bis 2030 140.000 Arbeitsplätze in diesem Segment
entstehen“, sagt Schuschnig. „Die Chance von Wasserstoff müssen wir
auch in Kärnten nutzen!“
Außerdem zeigt sich Schuschnig sicher, dass man jetzt kräftig
investieren müsse, um die Wirtschaft anzukurbeln und damit auch Jobs
zu sichern. „Die beste Arbeitsmarktpolitik ist eine gute
Wirtschaftspolitik“, stellt Schuschnig klar. Denn Wirtschaft und
Arbeitsmarkt seien untrennbar miteinander verbunden. „Nur wer die
Wirtschaft stärkt, sichert Jobs.“ Schuschnig verweist darauf, dass
mit der Investitionsprämie 70 Millionen Euro an Bundesmittel nach
Kärnten geholt werden und, dass das Land Infrastrukturinvestitionen
vorgezogen hat.
Auf die Lebens- und Arbeitsrealitäten der Menschen macht
ÖVP-Sozialsprecherin Silvia Häusl-Benz aufmerksam.
„Betreuungspflichten sind wesentlicher Bestandteil der Lebenswelt der
Menschen, Betreuungsmöglichkeiten müssen auch wesentlicher
Bestandteil der Arbeitswelt werden“, fordert sie. Häusl-Benz macht
sich für eine verstärkte Unterstützung für Betriebstageseltern und
auch die Einrichtung von Infrastruktur in Betrieben stark. „Frauen
sind von der aktuellen Arbeitslosigkeit besonders betroffen“, erklärt
sie. Das Land müsse einen weiteren wichtigen Schritt zur
Vereinbarkeit von Beruf und Familie machen. Häusl-Benz: „Flexible
Betreuung im Betrieb oder in unmittelbarer Nähe sind ein wesentlicher
Schlüssel.“
Um wichtige Impulse für den Kärntner Arbeitsmarkt zu schaffen,
bringen die Abgeordneten der Volkspartei heute acht Anträge in den
Landtag ein.
Die Anträge der ÖVP im Kärntner Landtag:
1. Corona-Arbeitsstiftung in Kärnten forcieren
2. Arbeitsstiftung für Pflege und Soziales gründen
3. Neuausrichtung Territorialer Beschäftigungspakt (TEP)
4. Betriebsansiedlungen auf Arbeitskräftepotenzial ausrichten
5. Betriebstageseltern forcieren
6. Degressives Arbeitslosengeld
7. Einführung von Talentechecks für alle Arbeitssuchenden
8. Modernisierung der AMS-Software
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