ORF zum Welttag der Gebärdensprache 2020: Dokupremiere „Seeing Voices“

Am 22. September um 23.10 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Anlässlich des International Day of Sign Languages, Welttag der Gebärdensprache, am 23. September präsentiert der ORF am Dienstag, dem 22. September 2020, um 23.10 Uhr in ORF 2 die Premiere des Dokumentarfilms „Seeing Voices“. Das vom ORF im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens kofinanzierte Projekt des in Krakau geborenen und in Wien lebenden Regisseurs Dariusz Kowalski porträtiert einfühlsam Mitglieder der Wiener Gehörlosen-Community in ihrem Alltag. Um mit seinen Protagonistinnen und Protagonisten direkt in Kontakt treten zu können, hat der Filmemacher selbst ein Jahr lang die Gebärdensprache erlernt. „Seeing Voices“ taucht ein in die Welt dieser faszinierenden Form der Kommunikation – ein Paralleluniversum voller Ausdruckskraft, das den meisten Hörenden unerschlossen bleibt. Die Protagonisten Ayse, Helene und die gehörlosen Mitglieder der Familie Hager vermissen weder Musik noch das Zwitschern der Vögel, schließlich haben sie es nie gehört, sehr wohl aber das Recht auf ihre Muttersprache. Diesen schmalen Grat zwischen der hörenden und der gehörlosen Welt meistern sie alle auf völlig unterschiedliche Weise – aber keineswegs leise. „Seeing Voices“ ist ein Film über die Beziehung von Identität und Sprache, das Recht auf Chancengleichheit und die Wertschätzung der Gebärdensprache.

Am Montag, dem 21. September, um 21.55 Uhr in ORF 1 thematisiert auch eine Folge der Kultserie „Grey’s Anatomy“ die Gebärdensprache. „Darf ich bitten?“ heißt die Episode, in der eine gehörlose Diagnostik-Expertin der University of California das Team des Grey Sloan Memorial Hospitals in einem schwierigen medizinischen Fall unterstützt. Die Ärztin verständigt sich über eine Dolmetscherin per Videochat, die ihre Gebärden übersetzt. Außerdem zeigt ORF 1 am Sonntag, dem 27. September, um 7.55 Uhr eine Folge des „Helmi-Kinder-Verkehrs-Club“ über das „Busfahren für Fortgeschrittene“ in Gebärdensprache.

In „Studio 2“ sind zum Thema Gebärdensprache am Dienstag, dem 22. September, um 17.30 Uhr in ORF 2 Michael Posch von der Untertitelung und am Mittwoch, dem 23. September, Gebärdendolmetscherin Barbara Gerstbach live zu Gast.

Auf der Videoplattform ORF-TVthek (TVthek.ORF.at) werden die Live-Streams und Video-on-Demand-Angebote der Sendungen „ZIB1“, „Wetter“, „konkret“ und „Bürgeranwalt“ sowie Parlamentsübertragungen regelmäßig mit Österreichischer Gebärdensprache (ÖGS) angeboten. Auch zahlreiche Pressekonferenzen der Bundesregierung zur Coronavirus-Krise stehen im Rahmen des Live-Spezial-Services der ORF-TVthek mit ÖGS zur Verfügung.

Mehr zum Inhalt von „Seeing Voices“:

Das junge Elternpaar Hager sitzt mit seinem Baby bei einer medizinischen Untersuchung. Das Hörvermögen von Emil wird getestet. Das Ergebnis ist negativ. Die Eltern sind gefasst. Sie sind selbst beide gehörlos. Die ältere Tochter kann normal hören. Ein Miteinander und eine Verbindung zweier Welten – der Hörenden und der Gehörlosen – ist vorgezeichnet. Ob und wie das auch in der Gesellschaft funktionieren kann, das versucht der Dokumentarfilm von Darius Kowalski aufzuzeigen.

Die 24-jährige Ayse hat keineswegs nur gute Erfahrungen gemacht. Lehrer wurden handgreiflich und haben ihr Selbstbewusstsein sozusagen „weggeschlagen“, wenn Ayse sie nicht richtig verstand. Die Gebärdensprache war verpönt und wurde in ihrer Schule verboten. Nun ist Ayse voll Scham und Angst, nicht gut genug kommunizieren zu können, wenn sie ihr Praktikum beginnt. In einer Jugendgruppe lernt sie langsam, sich selbst zu akzeptieren. Und siehe da, ihre neuen Kolleginnen lassen sich begeistert ein paar Gebärden vorführen – und haben Respekt vor Ayses Sprache.

Helene Jarmer (45) verlor nach einem Unfall mit zwei Jahren ihr Gehör. Sie erinnert sich nur noch dunkel an die Orgelmusik in der Kirche. Im Parlament setzt sie sich als Abgeordnete für mehr Beachtung der Bedürfnisse von Gehörlosen ein. Die Akademikerin kämpft für die gesellschaftliche Einsicht, dass Gehörlose nicht dumm, sondern in ihren Bildungschancen stark benachteiligt sind. Mit ihrer hörenden Tochter gebärdet sie – diese wächst also „zweisprachig“ auf, ein Startvorteil, wie für andere Kinder auch.

So sieht es auch Familie Hager. Selbst wenn Emil schließlich ein Cochlea-Implantat erhält, mit dem er hören kann, so lange er es trägt, wollen seine Eltern, dass er seine Identität als Gehörloser nie verleugnen muss.

Dariusz Kowalski verzichtet in seinem Film auf gesprochenen Kommentar. Stattdessen setzt er Ausdruckskraft und Magie der in atemberaubender Geschwindigkeit „gesprochenen“ Gebärden in Szene und verdeutlicht damit die ganz eigene Kultur der Gehörlosen, deren Welt sich eben visuell und nicht akustisch erschließt. Alle Gebärden werden untertitelt, ebenso wie alle Stimmen und Geräusche. Ein Plädoyer für gegenseitiges Verstehen beider Welten und Kulturen.

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