Erneuter Anschlag auf Grazer Synagoge

Fenster des Gotteshauses mit Steinen durchschlagen

Graz (OTS) - Innerhalb weniger Tage ist die Synagoge der Jüdischen Gemeinde Graz erneut Ziel eines Anschlages geworden. Dabei wurde ein großflächiges Fenster an der Nordseite des Gebäudes vollkommen durchschlagen, weitere wurden beschädigt. Es entstand erheblicher Sachschaden.

Ein bisher unbekannter Täter schleuderte in der Nacht von Freitag auf Samstag, gegen 23:30 Uhr, Zementbrocken gegen das Gotteshaus und flüchtete danach mit einem Fahrrad. Das Landesamt für Terrorismusbekämpfung und Verfassungsschutz ermittelt.

Erst in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag war die Jüdische Gemeinde Ziel eines Vandalenaktes geworden, bei dem der historische Sichtziegelgürtel an der Ostmauer der Synagoge sowie das jüdische Gemeindehaus großflächig mit propalästinensischen Parolen beschmiert worden waren. Schon bei diesem Vorfall waren Steine in den Hof der Gebäude geschleudert und ein ausgestreckter Zeigefinger, ein Erkennungszeichen des IS, in die Kamera gezeigt worden.

Der Präsident der Jüdischen Gemeinde Graz erklärte in einem Pressestatement, der Anschlag stelle einen Tiefpunkt in der Geschichte der Grazer Juden nach 1945 dar. Fenster einer Synagoge seien in Graz zuletzt im Zuge des Novemberpogroms 1938 zu Bruch gebracht worden. Eine derartige Tat habe es in Österreich in den letzten Jahrzehnten nicht gegeben. Es sei eine rote Linie überschritten worden, die den Blick auf die Zukunft verstärkt trübe. Er appelliere an die Politik und vor allem an die Zivilgesellschaft, wirksam gegen Antisemitismus vorzugehen und es nicht bei frommen Lippenbekenntnissen zu belassen. Alle seien gegen Antisemitismus. Wenn es aber darum gehe, diesem im Alltag klare Schranken zu setzen und Solidarität zu zeigen, dann sei konsequentes Handeln oft kaum zu erkennen. Dies gelte insbesondere für den israelbezogenen Antisemitismus, der sich überall ein Stelldichein gebe.

Bei der Schwere antisemitischer Vorfälle liegt die Stadt Graz im laufenden Jahr österreichweit an vorderer Stelle. Bereits im Februar dieses Jahres hatte die antisemitisch motivierte Misshandlung eines Jugendlichen im In- und Ausland für ungewollte Aufmerksamkeit gesorgt.

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