TKG: „Hagia Sophia Entscheidung ist mir unserem Gewissen und Religionsverständnis nicht zu vereinbaren“

Wien (OTS) - Die weltberühmte Hagia Sophia in Istanbul wird künftig nur als Moschee genutzt und heute am 24.Juli findet der erste muslimisches Freitagsgebet statt.

Ein souveräner Staat wie die Türkei kann alle inneren und äußeren Angelegenheiten selbst entscheiden. Es existieren aber auch ungeschriebene Gesetze die im 21. Jahrhundert noch mer an Bedeutung gewinnen wird. Infolgedessen ist es für uns als Anhänger und Unterstützer der modernen Türkei, mit unserem Gewissen und Religionsverständnis nicht zu vereinbaren, dass man das Hagia Sophia Kirchen-Moschee-Museum im 21. Jahrhundert, wo man eigentlich viel mehr christlich-muslimische Brückenbauprojekte bräuchte und dringend sucht, durch das Missbrauchen und Politisieren der Religion wieder in eine Moschee umwandelt wird. Wir erheben hier Einspruch, weil das Hagia Sophia Museum Jahrzehnte lang für Völkerverständigung und religiöse Toleranz der modernen Türkei stand.

1935 wurde die Hagia Sophia unter Mustafa Kemal Atatürk, dem Gründer der säkularen Republik Türkei, zu einem Museum („Ayasofya Müzesi“) umfunktioniert, das jährlich Hunderttausende Besucher anzieht. Das zeigt auch die Toleranz und Großzügigkeit Atatürks und des türkischen Volkes. Wir sind stolz darauf, mit der Hagia Sophia eine christlich-orthodoxe und islamische Vergangenheit zu haben.

Was sagt der Koran?

In der Sure Hac – Vers 40 im Koran heißt es, dass es verboten ist, alte Gotteshäuser in Moscheen umzuwandeln. Der Schutz der Gotteshäuser ist eine internationale Verantwortung für die Menschheit.

Die Begründung für die in Sure Hac – Vers 40 verkündete Erlaubnis, trägt einen deutlichen Internationalen Charakter, der an die Menschheit gerichtet ist: nämlich "den Schutz von Klöstern, Kirchen, Synagogen und Moscheen, in denen der Name Gottes oft genannt wird“. Mit diesen Worten bestätigt der Koran, dass die Moschee nicht der einzige Platz ist, der im Namen des einen Gottes gewählt wird. Wir verstehen das so, dass der Sure Hac – Vers 40 uns zu verstehen gibt, dass allen religiösen Gemeinschaften die Unversehrtheit ihrer Gotteshäuser zusteht. Das Museum, Hagia Sophia, jetzt im 21. Jahrhundert in eine Mosche zurück zu wandeln ist infolgedessen nicht unterstützbar.

Mit der Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee verliere die Türkei ihre Funktion als Brückenbauerin zwischen Ost und West, zwischen Orient und Okzident, zwischen Süd und Nord. Die Mehrheit der türkischen Bürgerinnen und Bürger wolle diese Umwandlung nicht. Die kolportierten Zahlen, dass 70 Prozent der Türkinnen und Türken die Umwandlung unterstützen, seien manipulierte Propagandaberichte, mit denen die Menschen in der Türkei und in der Emigration unter Druck gesetzt werden sollen. Mit der Umwandlung der Hagia Sophia werde in der Symbolpolitik ein falsches Signal an alle Muslime und Christen sowie die gesamte Welt vermittelt.

TKG Obmann Birol Kilic: "Wir wollen im 21. Jahrhundert Frieden und keinen Hass oder Vorurteile. Im Herzen haben wir bei jedem Besuch der Hagia Sophia etwas gelernt: Wir sind alle Brüder und Schwestern, wir können voneinander vieles lernen und wünschen uns Friede daheim und Friede in der Welt. Wir brauchen daheim und in der Welt mehr Feuerlöscher als Brandstifter bzw. Brandbeschleuniger."

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