Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 5. Juli 2020. Von ALEX GRUBER. "Problem liegt auch an der Basis".

Innsbruck (OTS) - Mit dem Bundesliga-Abstieg der WSG Tirol stellt sich einmal mehr die Frage, was im „heiligen Land“ für kontinuierlichen Erstliga-Fußball seit vielen Jahren fehlt.

Die neue Saison begann mit dem pikanten Eintrag auf der offiziellen Facebook-Seite des FC Wacker: Der Gratulation an die WSG zum Aufstieg wurde ein schelmischer Nebensatz („Bundesliga kann nicht jeder“) hinterhergeschickt. Nach dem gestrigen Schlusspfiff stand fest, dass die WSG noch nicht Bundesliga kann und jetzt in Liga zwei ein großer Umbruch bevorstehen wird. Der FC Wacker Innsbruck will indes um eine Hamburger Unternehmer-Familie wieder den Turbo zurück Richtung Bundesliga zünden. Und mit einem schmucken Trainingszentrum, das in Mieming in Planung ist, wollen die Schwarzgrünen auch von der Basis aus langfristig durchstarten.
Die Akademie befindet sich ja seit dem folgenschweren FC-Tirol-Konkurs (2002) beim Tiroler Fußball-Verband, ein von der Politik angedachter Schulterschluss zwischen den beiden Großvereinen war nicht machbar. Dabei hätten viele Ur-Wattener ihre WSG sowieso lieber zuhause im Gernot-Langes-Stadion gesehen, das Tivoli (nur zwei Heimsiege bei insgesamt nur sechs vollen Saisonerfolgen in 32 Runden) geriet schon vor Corona zu einer geisterhaften Stätte, die man jetzt wieder verlassen wird. Es gab nach dem Aufstieg aus Liga zwei bei der WSG (zu) viele Spieler unter Vertrag, für die die Bundesliga eine Nummer zu groß war. Das routinierte Quartett (Soares, Maierhofer, Koch, Petsos), das im Winter verpflichtet wurde, reichte für den Turnaround auch wegen vieler Verletzungen in der Quali-Runde (nur ein Sieg und magere sieben Punkte in zehn Spielen) nicht mehr aus.
Dass es nach dem FC Wacker 2019 ein Jahr später wieder einen Absteiger aus Tirol gibt, sollte zumindest dem neutralen Branchenfreund einen Stich ins Herz versetzen. Zweitliga-Derbys sind nur Schonkost, das Bauchweh ums Leder bleibt.

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