Baubeginn der Shoah-Namensmauern-Gedenkstätte im Ostarrichipark

Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka: „Wer sich der Geschichte nicht stellt, den stellt die Geschichte“

Wien (OTS) - Anlässlich des Baubeginns der Shoah-Namensmauern-Gedenkstätte fanden sich am heutigen Montag Vertreterinnen und Vertreter aus Bundes- und Landespolitik sowie des Nationalfonds und der Israelitischen Kultusgemeinde Wien auf dem Areal des Wiener Ostarrichiparks vor der Österreichischen Nationalbank ein. Darunter Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka, Kanzleramtsministerin Karoline Edtstadler, die Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler, die Generalsekretärin des Nationalfonds Hannah Lessing und der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Oskar Deutsch. In Ihren Ansprachen wiesen sie unter anderem auf die historische Verantwortung Österreichs an der Shoah hin und bekräftigten einmal mehr, wie wichtig das Gedenken an die Opfer und eine aktive Erinnerungspolitik seien.

„Als mich Kurt Tutter im März 2018 gefragt hat, habe ich den Ehrenschutz für die Shoah-Namensmauern-Gedenkstätte aus tiefster Überzeugung und einer klaren Haltung heraus übernommen: Wer sich der Geschichte nicht stellt, den stellt die Geschichte. Diese Gedenkmauer gibt den 64.259 jüdischen Kindern, Frauen und Männern, die in Österreich gelebt haben und in der Shoah ermordet wurden, ihre Identität zurück. Ihre in Stein gemeißelten Namen sorgen dafür, dass sie niemals vergessen werden“, sagt Wolfgang Sobotka, Präsident des Nationalrates.

„Die Namensmauern-Gedenkstätte soll uns an die Namen von mehr als 64.000 Opfern der Shoah erinnern und damit an das dunkelste Kapitel unserer Geschichte. Wir werden in Zukunft daran gemessen werden, welche Taten wir heute setzen, um eine Gesellschaft zu schaffen, die frei ist von Antisemitismus und Rassismus. Denn es ist unsere Verantwortung und Pflicht, im täglichen Leben und im Gedenken nicht nur in die Vergangenheit zu schauen, sondern auch heute Antisemitismus in all seinen Ausprägungen zu bekämpfen“, hält Kanzleramtsministerin Karoline Edtstadler fest.

„Ich freue mich, dass wir heute den Spatenstich zu einem bedeutsamen Erinnerungsprojekt setzen dürfen. Der Ort im Ostarrichipark für die Namensmauern ist gut gewählt, er ist zentrumsnahe, weithin sichtbar und von verschiedenen Generationen frequentiert. Holocaust-Denkmäler und Mahnmale sind nicht nur wichtige Zeichen für die Zeitzeugen, sondern auch für die kommenden Generationen. Sie tragen zur Auseinandersetzung mit unserer Geschichte bei, insbesondere mit dem beschämendsten Teil unserer Vergangenheit, machen diese bewusst und halten so die Erinnerung lebendig. Ich danke Kurt Tutter für seine Initiative und sein Engagement“, betont Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler.

„Die Namensmauern-Gedenkstätte wird ein wichtiger Ort zur Reflexion über die Geschehnisse in der Vergangenheit und Entwicklungen in der Gegenwart sein. Erinnerung ist aber nicht nur, aus der Geschichte zu lernen, um sie nicht zu wiederholen, es ist auch die Verantwortung, die sich in direkter Konsequenz daraus ableitet, nämlich das kostbare Gut des wieder erblühenden jüdischen Lebens zu fördern und als integralen Teil Österreichs zu verstehen“, so Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien.

Die Shoah-Namensmauern-Gedenkstätte soll einen ebenso zentralen wie ruhigen Ort bieten, wo des Schicksals der über 64.000 ermordeten Menschen gedacht und ihr Leben geehrt werden kann. Auf Initiative des aus Österreich stammenden Holocaust-Überlebenden Kurt Yakov Tutter und des Vereins zur Errichtung einer Shoah Namensmauern Gedenkstätte konnte im Jahr 2018 mit der Umsetzung dieses wichtigen Erinnerungsprojekts begonnen werden. Der wesentliche Teil der Finanzierung erfolgt durch die Bundesregierung, in Folge einer entsprechenden Zusage von Bundeskanzler Sebastian Kurz 2018. Zudem haben die Bundesländer sowie die Industriellenvereinigung einen Beitrag zur Realisierung des Projekts geleistet.

Der Nationalfonds steht mit Kurt Yakov Tutter seit 1997 in Kontakt und begleitete auch den Weg zur Errichtung der Shoah-Namensmauern. Für Hannah Lessing, Generalsekretärin des Nationalfonds, ist die neue Gedenkstätte auch wegen ihrer in Auschwitz ermordeten Großmutter ein wichtiger Erinnerungsort: "Die Shoah-Namensmauern werden für die Familien ein Ort der Begegnung mit ihren ermordeten Lieben sein – und für alle Menschen in Österreich ein Ort der Begegnung mit Geschichte."

Mehr Informationen zur Shoah-Namensmauern-Gedenkstätte finden Sie im angehängten Factsheet oder im Internet unter www.shoah-namensmauern-wien.at.

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Eberhard Blumenthal
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