AK Oberösterreich fordert massives Jugendrettungspaket

  • „Die Jugendarbeitslosigkeit verharrt seit drei Monaten auf einem historischen Rekordniveau. Bundesregierung und Oberösterreichs Landesregierung sehen tatenlos zu“ 
    AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer
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  • Der Lehrstellenbonus muss unter Einbindung der Sozialpartner wirkungsvoller gestaltet werden. Wir brauchen eine gerechtere Verteilung der Fördermittel unter besonderer Berücksichtigung der Bedürfnisse lernschwacher Jugendlicher
    AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer
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Linz (OTS) - Die Einschränkungen aller Lebensbereiche durch die Bundesregierung zur Ein­dämmung des Corona-Virus haben massive soziale und wirtschaftliche Verwerfungen zur Folge. Vom Anstieg der Arbeitslosigkeit sind junge Menschen besonders be­troffen. „Die Jugendarbeitslosigkeit verharrt seit drei Monaten auf einem historischen Rekordniveau. Bundesregierung und Oberösterreichs Landesregierung sehen taten­los zu“ , schlägt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer Alarm. Es besteht erneut die Ge­fahr einer „verlorenen Generation“. Die Arbeiterkammer Oberösterreich fordert daher noch vor dem Herbst 2020 ein Jugendrettungspaket. Reine Unternehmens­sub-ventionen ohne Lenkungseffekt – wie der angekündigte Lehrstellenbonus – w­erden nicht helfen.

Im Mai 2020 waren in Österreich fast 84.000 junge Menschen entweder arbeitslos (54.397), in Schulung (20.534) oder auf Lehrstellensuche (8.835). Im Vergleich zum Vorjahr hat sich damit die Zahl der arbeitssuchenden Jugendlichen um 24.183 bzw. um dramatische 40,6 Prozent erhöht. Historisch gesehen ein absoluter Höchstwert.

Allein in Oberösterreich waren im Mai fast 10.800 junge Menschen entweder arbeitslos (6.959), in Schulung (3.167) oder auf Lehrstellensuche (656). Ein Anstieg um 3.082 junge Menschen bzw. ebenfalls rund 40 Prozent.

Arbeitsministerin Christine Aschbacher will mit dem geplanten Lehrstellenbonus mit der Gießkanne ein Körberlgeld an Betriebe ausschütten. Dieser Vorschlag ist nicht geeignet, dieses Problem zu lösen. Besonders paradox ist, dass dieses Geld rückwirkend bis 16. März ausgezahlt werden soll. Das kann nicht zu neuen Lehrstellen führen!

"Der Lehrstellenbonus muss unter Einbindung der Sozialpartner wirkungsvoller gestaltet werden. Wir brauchen eine gerechtere Verteilung der Fördermittel unter besonderer Berück­sichtigung der Bedürfnisse lernschwacher Jugendlicher", sagt Kalliauer und fordert, dass die Bundesregierung noch vor dem Herbst 2020 ein großes Jugendrettungspaket schnürt, das dem zusätzlichen Bedarf am Jugendarbeitsmarkt gerecht wird.

Vor allem in der überbetrieblichen Lehrausbildung besteht akuter Handlungsbedarf: das An­gebot an Ausbildungsplätzen muss noch vor dem Herbst verdoppelt werden. Die Kürzung der Ausbildungsbeihilfe von 792 Euro auf 343 Euro für junge Erwachsene in überbe­trieblichen Lehrausbildungen ist zurückzunehmen. Auch die schulischen Kapazitäten m­üssen ausgebaut und Studierende, die aufgrund der Corona-Wirtschaftskrise ihre Nebenjobs verloren haben, finanziell besser abgesichert werden.

Da viele Härtefonds der Bundesregierung viel zu träge agieren, sollte die Landesregierung sofort die überbetriebliche Lehrausbildung in Oberösterreich um mindestens 850 Plätze – das ist die Hälfte der in Oberösterreich benötigten rund 1.700 Plätze – aufstocken und das aus Landesmitteln finanzieren.

Laut Prognosen der AK-Arbeitsmarktexperten wird sich die Jugendarbeitslosigkeit im Ge­samtjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr verdoppeln. Und es wird nicht nur lernschwache Jugendliche treffen, sondern auch junge Menschen mit einer erfolgreich absolvierten Ausbil­dung. Das Jugendrettungspaket muss daher darauf abzielen, nicht nur niederschwellige Ausbildungs- und Beschäftigungsangebote wie Produktionsschulen auszubauen, sondern auch einen zusätzlichen Einstiegsarbeitsmarkt für Schulabsolventen/-innen im öffentlichen und gemeinnützigen Sektor zu schaffen.

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