Anschober: Heute ist Weltnichtrauchertag - Große Fortschritte beim Nichtraucherschutz

Höchste WHO-Auszeichnung an VIVID als steirische Fachstelle für Suchtprävention verliehen – Österreich im aktuellen Ranking des "Tobacco Control Scale" nicht mehr Schlusslicht

Wien (OTS) - Für die Europaregion der WHO wurden sechs Institutionen ausgewählt, die den Award für herausragende Leistungen und ihre beispielgebende Vorreiterrolle im Bereich der Tabakkontrollmaßnahmen verliehen erhalten. Darunter auch VIVID.

Der Preis wird zum 17. Mal vergeben und geht erstmals an eine österreichische Organisation. Begründet wurde die Vergabe seitens des Regionaldirektors der WHO-Europaregion, Dr. Hans Henri Kluge, unter anderem damit, dass sich VIVID als Fachstelle für Suchtprävention effizient und nachhaltig für strengere gesetzliche Tabakkontrollmaßnahmen eingesetzt hat. Des Weiteren wurde von VIVID wichtige Überzeugungsarbeit bei der Implementierung von Aktivitäten in der Prävention zur Reduzierung des Tabakkonsums und Gebrauchs nikotinhaltiger Produkte – insbesondere im Bereich Jugendschutz – geleistet. Aufgrund der aktuellen Einschränkungen durch die COVID-19 Maßnahmen fand die Ehrung nicht unmittelbar bei der WHO statt. Die Auszeichnung wurde daher von Gesundheitsminister Rudolf Anschober vorgenommen.

„Es ist eine große Ehre für uns und eine Wertschätzung unserer nicht immer leichten Arbeit, dass uns das Gesundheitsministerium bei der WHO für diese Ehrung nominiert hat“, freut sich Waltraud Posch von VIVID – Fachstelle für Suchtprävention. Als Koordinatorin der Tabakpräventionsstrategie Steiermark nahm sie den Preis von Bundesminister Anschober entgegen. „Der Preis ist eine enorme Bestärkung für die weitere Arbeit dafür, dass weniger Menschen rauchen.“

„Nichtraucherschutz ist seit jeher ein kontroversielles Thema auf internationaler und nationaler Ebene. Umso erfreulicher ist es, wenn die Bemühungen Österreichs um eine Verbesserung des Nichtraucherschutzes nunmehr sogar auf allerhöchster Ebene Anerkennung finden. Das ist ein ganz wesentlicher Mitverdienst von VIVID, das als Fachstelle für Suchtprävention auch im Rahmen der österreichweit tätigen Arbeitsgemeinschaft Suchtvorbeugung nationale Maßnahmen der Tabakprävention und -strategie federführend erarbeitet hat“, betont Bundesminister Rudolf Anschober im Rahmen der Preisverleihung.

Seit 1997 widmet sich VIVID – Fachstelle für Suchtprävention in der Steiermark der Entwicklung von Maßnahmen zur Verhinderung von Sucht. Seit 2007 setzt man mit der Koordination und Umsetzung der Tabakpräventionsstrategie Steiermark einen beispielgebenden Schwerpunkt im Tabakbereich. Ziele dabei sind, dass weniger Menschen mit dem Rauchen beginnen, mehr Menschen mit dem Rauchen aufhören und der Schutz vor unfreiwilligem Passivrauch.

So initiierte VIVID in den vergangenen 13 Jahren mehr als 6.500 Veranstaltungen für etwa 115.000 Bezugspersonen von jungen Menschen, etwa für Lehrer und Eltern. Diese werden darin ausgebildet, wie sie mit Kindern und Jugendlichen zu Sucht und zu Tabak methodisch arbeiten können. In über 320 Workshops wurden etwa 5.600 Angehörige von Gesundheitsberufen im Umgang mit Raucherinnen und Rauchern geschult. Mehr als 860 Medienbeiträge erschienen zur tabakpräventiven Arbeit dieser Fachstelle. VIVID richtete darüber hinaus 2018 den ersten Österreichischen Smoke Free Award aus und mobilisierte durch zahlreichen Kampagnen – etwa „Rauchen passt nicht mehr zu mir“ – die Öffentlichkeit. Zudem verfasste VIVID knapp 130 offizielle Statements an politische Entscheidungsträger aller Ebenen, um für das Rauchverbot in Innenräumen der Gastronomie einem besseren Schutz Jugendlicher vor Tabak und anderen suchtpräventiven Rahmenbedingungen das Wort zu reden. „Strukturen verändern die soziale Norm. Wenn das Nichtrauchen in einer Gesellschaft die soziale Norm ist, fangen weniger junge Menschen mit dem Rauchen an“, resümieren Waltraud Posch von VIVID die solcherart gemachten Erfahrungen aus anderen Ländern. „Der WHO-Preis motiviert uns, weiterhin an den Strukturen zu arbeiten, dass Nichtrauchen die Norm ist.“

Der „World No Tobacco Day Award“ wird seit 2004 jährlich anlässlich des Weltnichtrauchertags am 31. Mai vergeben. Er steht jedes Jahr unter einem anderen Motto. Das diesjährige Motto war „Tabakprävention junger Menschen“. Mit dem Award 2020 sollen Organisationen geehrt werden, die sich um die Prävention des Rauchens besonders verdient gemacht haben.

Neben VIVID erhalten diese weltweit höchste Auszeichnung der WHO in der Europaregion noch fünf weitere Organisationen bzw. Personen: Das finnische Gesundheitsministerium, das Limerick Comhairle aus Irland, der armenische Gesundheitsminister Dr. Arsen Torosyan, der Programmkoordinator des Zentrums für Gesundheitspolitik und -studien der Republik Moldawien, Dr. Ghenadie Turcanu sowie die UK Cancer Society.

Österreich im aktuellen Tobacco Control Scale stark verbessert

Auf der 8. European Conference on Tobacco or Health (ECToh) in Berlin im Februar 2020 wurde der aktuelle Tobacco Control Scale (TCS) veröffentlicht.

Dieses Ranking zielt darauf ab, anhand unterschiedlicher Kriterien (ua. Rauchverbote und –beschränkungen im öffentlichen Raum und an Arbeitsplätzen, umfassende Werbe- und Sponsoringverbote im Tabakbereich, Warnhinweise auf Tabakprodukten etc.) die Umsetzung von Tabakkontrollmaßnahmen in mittlerweile 36 verschiedenen Ländern in Europa darzustellen.

Österreich hat in diesem seit 2006 geführten Ranking des TCS bislang den unrühmlichen letzten Platz eingenommen. Durch wirksame Maßnahmen im Bereich der Tabakkontrolle wie die Anhebung des Rauchalters von 16 auf 18 Jahren, die Einführung eines Rauchverbots auch in Privatfahrzeugen im Beisein von Jugendlichen sowie des absoluten Rauchverbots in der Gastronomie ab November 2019 waren maßgeblich ausschlaggebend dafür, dass Österreich im Ranking des TCS 2019 vom letzten Platz auf Rang 20 vorgerückt ist und sich insgesamt um 16 Plätze verbessern konnte. Neben unserem Nachbarland Slowenien, das sich sogar um 20 Plätze verbessern konnte, war Österreich somit die große Überraschung des in Berlin veröffentlichten TCS.

Raucherprävalenzen in Österreich

Bezüglich des Tabakkonsums kann festgestellt werden, dass sich die Rauchprävalenz bei Kindern und Jugendlichen im Zeitraum von 2002 bis 2019 halbiert hat (sieben Prozent aller 15-Jährigen rauchen täglich), dennoch liegt Österreich mit zehn Prozent nach wie vor über dem europäischen Durchschnitt mit acht Prozent.

Insgesamt rauchen 24 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher täglich, der EU-Durchschnitt liegt bei 19 Prozent. Der Anteil der täglich rauchenden Männer (ab 15 Jahren) liegt bei in Österreich bei 27 Prozent (EU-Durchschnitt 23 Prozent) und bei Frauen bei 22 Prozent (EU-Durchschnitt 16 Prozent). In den vergangenen Jahrzehnten hat der Anteil der täglich rauchenden Frauen in Österreich kontinuierlich zugenommen, während er bei Männern kontinuierlich abgenommen hat. Insgesamt deuten die Verkaufszahlen auf einen leichten Rückgang des pro Kopf Zigarettenkonsums in Österreich hin.

Fünf Prozent aller Todesfälle in Österreich werden durch Bronchialkarzinome verursacht. In absoluten Zahlen bedeutet dies, dass dies im Jahr 2018 bei 2.483 Männer und 1.570 Frauen die Todesursache war. Insgesamt starben 2018 somit 4.053 Österreicherinnen und Österreicher an einem Bronchialkarzinom.

Bei Produkten wie Wasserpfeifen/Shishas bzw. E-Zigaretten etc. zeigt sich bei Schülerinnen und Schülern (HBSC-Studie 2018) derzeit ein im Vergleich zu klassischen Zigaretten sehr geringer Anteil an täglich Konsumierenden sowie eine Monatsprävalenz, die bei Wasserpfeifen/Shishas ähnlich hoch ist wie bei herkömmlichen Zigaretten und bei E-Zigaretten die Hälfte bis Dreiviertel der Monatsprävalenz herkömmlicher Zigaretten ausmacht. So haben 14 Prozent der 15-Jährigen in den letzten 30 Tagen zumindest einmal eine E-Zigarette konsumiert. Bei herkömmlichen Zigaretten sind es 20 Prozent und bei Wasserpfeifen/Shishas 18 Prozent aller 15-Jährigen.

Insgesamt kann hinsichtlich der Entwicklung der Suchtsituation bezüglich Tabak aufgrund des Konsumrückgangs bei Jugendlichen ein positives Bild gezeichnet werden, das aber auch (neue) Herausforderungen birgt. Dabei sind insbesondere die erforderliche weitere Senkung der Zahl der Jugendlichen, die zu rauchen beginnen sowie die nachhaltige Unterstützung von Aufhörwilligen beim Rauchausstieg, bis hin zu Präventionsmaßnahmen betreffend den Konsum neuer Tabak- und verwandter Erzeugnisse hervorzuheben.

Nähere Informationen:

Fotos von der Preisverleihung sind abrufbarunter https://www.flickr.com/photos/sozialministerium/albums

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Mag.a (FH) Katharina Häckel-Schinkinger, MBA
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