• 22.05.2020, 10:54:09
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„Die 60er Jahre“: Teil 2 der „Menschen & Mächte“-Serie „Jahrzehnte in Rot-Weiß-Rot“ am 25. Mai um 20.15 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Mit der sechsteiligen „Menschen & Mächte“-Serie
„Jahrzehnte in Rot-Weiß-Rot“ zeigt der ORF seit 18. Mai 2020 jeweils
Montag um 20.15 Uhr in ORF 2 eine von Andreas Novak konzipierte
Zeitgeschichte-Serie über Österreichs Alltags-, Politik- und
Gesellschaftsgeschichte zwischen 1950 und den 2000er Jahren. Am 25.
Mai steht Robert Gokls Dokumentation über „Die 60er Jahre“ auf dem
Programm:

„Wir haben gespürt, dass die Zeit sich verändert, dass wir nicht
immer auf dem Gestrigen stehenbleiben können!“ Udo Jürgens erinnert
sich an ein Jahrzehnt des Übergangs, des Umbruchs, der Revolte, in
dem vieles erstmals denkbar, erstmals möglich, erstmals erkämpft
wird. Jung steht gegen alt, modern gegen spießig, liberal gegen
autoritär. Es ist vor allem ein Konflikt der Generationen und er
zieht sich durch Familie und Gesellschaft. Die ersten nach dem Krieg
geborenen Kinder kommen in die Pubertät, die erste Generation, die
frei ist von den psychischen und physischen Folgen von Krieg,
Diktatur und Wirtschaftskrise – und viele distanzieren sich von den
moralischen und politischen Vorstellungen ihrer Eltern und
Großeltern.

1961 konfrontiert Helmut Qualtinger das Fernsehpublikum im „Herrn
Karl“ mit dem Geschichtsbild eines typischen Österreichers. Wütende
Proteste sind die Folge, aber die Realität übertrifft in den nächsten
Jahren die Fiktion: An der „Habsburg-Affäre“ droht die
ÖVP-SPÖ-Regierung zu zerbrechen; in Südtirol kommt es zu einer Serie
von Terroranschlägen; in der „Fußach-Affäre“ brechen die Spannungen
zwischen „Wasserkopf“ Wien und Bundesländern auf. Bei Demonstrationen
gegen den offen antisemitischen Universitätsprofessor Taras
Borodajkewycz wird ein KZ-Überlebender von einem Neonazi erschlagen –
der erste politische Tote der Zweiten Republik. Der spätere
Finanzminister Ferdinand Lacina: „Ich war unmittelbar dabei, als
Kirchweger niedergeschlagen wurde. Es war ein fürchterliches
Erlebnis!“

Mit Wiederaufbau und Staatsvertrag hat die große Koalition zwei
elementare politische Ziele erreicht. In den 60er Jahren aber steht
das schwarz-rote Bündnis eher für Stillstand und Proporz als für
Reformwillen; nach wie vor bestehen gravierende Defizite in der
demokratischen Kultur. Altbundespräsident Heinz Fischer, in den 60er
Jahren junger Verfassungsrechtler: „Die Demokratie muss jeden Tag neu
erarbeitet werden. Daher hat man in den 60er Jahren begonnen, an
Schwächen unseres Parlamentarismus zu arbeiten.“ 1966 bildet die ÖVP
unter Josef Klaus die erste Alleinregierung der Zweiten Republik.
Heinrich Neisser, Mitarbeiter von Josef Klaus, und ÖVP-Doyen Ludwig
Steiner, damals erklärter Gegner von Josef Klaus, erinnern sich an
diese Jahre.

Die Sozialpartnerschaft sorgt für sozialen Frieden ohne Streiks;
langsam bildet sich eine moderne, amerikanisch geprägte
Konsumgesellschaft heraus: mit Automobil, Fernseher, Waschmaschine
für alle. Mit den Olympischen Winterspielen 1964 in Innsbruck und den
sportlichen Erfolgen wächst auch ein österreichisches
Nationalbewusstsein. Familie und Schule aber sind immer noch geprägt
von den autoritären Strukturen der Vergangenheit. Chris Lohner,
damals am Anfang ihrer Model-Karriere: „Ich habe mit 20 noch mal eine
abgefangen von meinem Vater, weil ich um zwei Uhr Früh heimgekommen
bin!“ Aber die Stars einer internationalen Jugendkultur leben auch
den Jugendlichen zwischen Bodensee und Neusiedler See die Rebellion
gegen das Establishment vor. Beatrix Neundlinger, später Sängerin der
Schmetterlinge, erinnert sich an die Stimmung der 68er-Jugendlichen:
„Warum bin ich so konservativ erzogen? Wo zieht es mich eigentlich
hin? Es war auch der Beginn, sozialkritisch zu denken!“

Ende der 60er Jahre kommen die ersten Absolventen der
Nachkriegsgeneration von den Universitäten, 1968, im Jahr
internationaler Proteste, bleibt es in Österreich zwar relativ ruhig
– Heinrich Neisser: „Ich habe das Jahr 1968 auf die österreichische
Art und Weise erlebt, nicht als Sturm, sondern als Lüftchen!“ Aber
die 68er-Bewegung vertieft die Kluft zwischen den Generationen. Wie
kann es sein, dass die Kinder sich so sehr von den Idealen der Eltern
distanzieren? Weihbischof Helmut Krätzl: „Rückblickend hätte es eine
Auseinandersetzung mit den 68ern geben müssen, mit der zum Teil
berechtigten Kritik daran, dass Leben nicht nur Leistung und Krampf
ist, sondern dass das Leben auch zu genießen ist.“

Es ist ein Jahrzehnt zwischen Vergangenheit, Rebellion und Aufbruch.
Am Ende der 60er Jahre herrscht unter den Jugendlichen eine
Aufbruchsstimmung, die im nächsten Jahrzehnt von einem Politiker aus
ihrer Großvätergeneration umgesetzt werden wird. Die 1960er Jahre
legten die Basis für die Kreisky-Reformen der 1970er Jahre. Chris
Lohner: „Es wurde der Grundstein für viele Dinge gelegt, die heute
selbstverständlich sind. Vieles, was auch die Jugend erreicht hat,
für die Jugend heute!“

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