GLOBAL 2000 zu "Vom Hof auf den Teller"-Strategie: Notwendigkeit eines Systemwandels erkannt, Maßnahmen leider zu schwach

50% Pestizidreduktion greift zu kurz - Wissenschaftler für Totalausstieg aus chemischen Pestiziden

Wien/Brüssel (OTS) - Die heute von der EU-Kommission präsentierte "Vom Hof auf den Teller" Strategie, mit der die EU „nachhaltige Ernährungssysteme unter Anerkennung der untrennbaren Zusammenhänge zwischen gesunden Menschen, gesunden Gesellschaften und einem gesunden Planeten“ schaffen möchte, bleibt trotz zahlreicher positiver Zielsetzungen und Lösungsansätze vielfach zu unkonkret und greift in wesentlichen Fragen zu kurz.

Positiv bewertet GLOBAL 2000 die Feststellung der EU-Kommission, dass unser gegenwärtiges Ernährungssystem sowohl aus gesundheitlicher als auch aus ökologischer Sicht nicht nachhaltig ist, da Herstellung, Verarbeitung, Verpackung, Transport und Handel von Lebensmitteln in hohem Maße zur Luft-, Boden- und Wasserverschmutzung, zu Treibhausgasemissionen und zum Biodiversitätsverlust beitragen. Leider greifen die Maßnahmen und Lösungsvorschläge in Summe zu kurz, um den Biodiversitätsverlust und die Klimakrise zu stoppen oder ausreichend einzudämmen.

50 % Pestizidreduktion ist zu wenig - WissenschaftlerInnen für Totalausstieg

Um den Biodiversitätsverlust und einen drohenden Kollaps der Natur abzuwenden, braucht es einen grundlegenden Systemwandel, der die Landwirtschaft aus ihrer Abhängigkeit von chemischen Hilfsmitteln wie chemisch-synthetischen Pestiziden befreit. Das Reduktionsziel der EU-Kommission von nur 50 % greift hier leider zu kurz.

„Die Kontrolle von Schädlingen ist eine Ökosystemleistung, die nur dann abrufbar ist, wenn die nötigen Strukturen geschaffen werden, um die biologische Vielfalt samt Nützlingen in das Agrarökosystem zurückzuholen.“, sagt Helmut Burtscher-Schaden, Umweltchemiker bei GLOBAL 2000: „Das geht nur, wenn wir das Gift aus dem System entfernen. Deshalb empfehlen immer mehr Wissenschaftler eine grundsätzliche Abkehr von der Verwendung von Pestiziden in der Landwirtschaft.“

Ein Ausstieg aus Pestiziden bis 2035 ist deshalb auch zentrale Forderung der Europäischen Bürgerinitiative „Bienen und Bauern retten“. Ihre Unterstützung für diese Forderung ausgedrückt haben am Rande des von GLOBAL 2000 veranstalteten Online-Kongresses „Visions for Transition“ auch 13 der 15 teilnehmenden internationalen WissenschaftlerInnen auf E-Mail-Anfrage von GLOBAL 2000.

Schutz der Landwirte und gerechte Grüne Importe vermisst

Enttäuschend ist leider auch die vorgeschlagene „Strategie für Grüne Importe“, die verhindern sollte, dass die „Vom Hof auf den Teller“-Strategie die Umweltprobleme der EU in die Länder des globalen Südens verlagert und die europäische Landwirtschaft einem unfairen Wettbewerb durch Importware aussetzt. So hatte der EU-Landwirtschaftskommissar Janusz Wojciechowski im Jänner noch angekündigt, dass die Einfuhr landwirtschaftlicher Produkte, die mit in der EU verbotenen Mitteln behandelt wurden, zukünftig unterbunden werden soll. Darüber hinaus solle kontrolliert werden, ob Betriebe, die ihre Erzeugnisse in die EU einführen, auch die Erzeugungsstandards der EU respektieren. Doch davon findet sich in der "Vom Hof auf den Teller"-Strategie nichts mehr. Dort steht nur, dass die Kommission „darüber nachdenken“ wird, wie Umweltaspekte bei der Beurteilung von Anträgen auf Importtoleranzen für Stoffe, die in der EU nicht mehr zugelassen sind, „unter Einhaltung der WTO-Verpflichtungen berücksichtigt werden können“. So will die EU etwa mit der Kennzeichnung nachhaltiger Lebensmittel ihre Handelspartner „ermutigen“, dass die Lebensmittel, die sie in die EU exportieren, auf nachhaltige Weise produziert wurden.

Hier bleibt die EU-Kommission auch hinter der Linie des Europaparlaments zurück. Denn dieses hatte im Mai des Vorjahrs erstmals per Veto die Importtoleranz für Rückstände eines Pestizids, das wegen Umweltauswirkungen verboten wurde, verhindert.


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Dr. Helmut Burtscher-Schaden, Umweltchemiker GLOBAL 2000
+43 699 14 2000 34, helmut.burtscher@global2000.at

Michael Lachsteiner, Pressesprecher GLOBAL 2000
+43 699 14 2000 20, michael.lachsteiner@global2000.at

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