Corona-Bilanz 2: Ausreichend Schutzausrüstungen zukünftig sicherstellen

Engpässe in Wien nur dank Eigeninitiative der Ärztekammer und der guten Kooperation mit der Stadt Wien beseitigt

Wien (OTS) - Ein Wermutstropfen der grundsätzlich erfolgreichen Bilanz ist, dass die Versorgung der Gesundheitsberufe mit Schutzausrüstung durch die zuständigen Stellen anfangs nicht ausreichend funktioniert hat. Es lag letztendlich an der Eigeninitiative der Ärztekammern, am Weltmarkt Schutzausrüstungen einzukaufen und damit etwa in Wien die größten Engpässe zu beseitigen. ****

Seit Wochen verteilt die Ärztekammer, auch dank der guten Kooperation mit der Stadt Wien, kostenlos an die Wiener Ärztinnen und Ärzte Schutzmasken, Schutzmäntel, Desinfektionsmittel, Handschuhe, Brillen und vieles mehr. Aus dieser Erfahrung heraus fordert Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres die Bundesregierung auf, dafür Sorge zu tragen, dass für den Fall einer neuerlichen Pandemie rechtzeitig genügend Schutzausrüstung angeschafft und in allen Bundesländern dezentral gelagert werde.

Ärztinnen und Ärzte müssen für Einsatz entschädigt werden

In Bezug auf den Einsatz der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte während der Krise betonte der Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Wien, Johannes Steinhart, dass „diese Kolleginnen und Kollegen nicht dafür büßen dürfen, dass sie unter persönlichem Risiko ihre Ordinationen offenhalten mussten, am Ende des Tages dann aber dafür sogar zahlen müssen, weil sie weniger Einnahmen hatten und zum Teil auf ihr privates Vermögen zurückgreifen mussten, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.“

Zum Unterschied von anderen Branchen mussten Vertragsärzte ihre Ordinationen offenhalten, hatten aber zum Teil um bis zu 90 Prozent weniger Patientenaufkommen, weil die Patientinnen und Patienten aus Präventionsgründen Ordinationen nur in Notfällen aufsuchten und die Tarifmodelle der Sozialversicherung nicht auf Telemedizin ausgerichtet sind.

Weniger Patientinnen und Patienten bedeuteten einen Umsatzrückgang um bis zu 90 Prozent, das aber bei gleichbleibenden laufenden Kosten. Steinhart: „Hier fordern wir von der Politik, dass letztendlich die Republik ausgleichend eingreifen muss, sofern die Sozialversicherungen das nicht machen können. Denn alle erhalten Zuschüsse in Millionenhöhe, für alle gibt es Pakete: für die Gastronomie, für den Handel, die Friseure, die persönlichen Dienstleister. Das ist gut so, es muss aber auch für Ärztinnen und Ärzte gelten.“

Spitäler waren schon vor der Krise am Limit

Der Obmann der Kurie angestellte Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Wien, Wolfgang Weismüller, ergänzte, dass die vor Kurzem gestartete Debatte über Einsparungen im Gesundheitsbereich nach den Erfahrungen der Corona-Krise eine Katastrophe und absolut inakzeptabel sei: „Ich weigere mich, eine Debatte zu führen, die jetzt neoliberale Strömungen in Österreich gerne entfachen würden, damit sich schlussendlich nur noch die Reichen im Land eine ausreichende Gesundheitsversorgung leisten können.“

Im Gegenteil: Gerade jetzt müsste die Leistungsfähigkeit des österreichischen Gesundheitssystems aufrechterhalten und weiterentwickelt werden – „Nachbessern in jenen Bereichen, wo wir dringenden Bedarf haben“. In den Spitälern wurden wegen der Pandemie Kapazitäten freigehalten und operative Eingriffe aufgeschoben. „Daraus den Schluss zu ziehen, dass wir in Österreich zu viele Intensivbetten haben, ist dumm“, so Weismüller. Es müsse vielmehr darüber diskutiert werden, dass die Wiener Spitäler schon vor der Krise mit ihren Ressourcen „am Anschlag“ waren. Nur durch den enormen Einsatz aller und unzählige Überstunden der Ärztinnen und Ärzte könne das System aufrechterhalten werden. Weismüller: „Die Arbeitsbedingungen in den Wiener Spitälern müssen besser werden, damit die optimale Versorgungssicherheit der Patientinnen und Patienten jederzeit gewährleisten ist – mit und ohne Corona.“

Der abschließende Appell des Ärztekammerpräsidiums richtet sich an alle Wienerinnen und Wiener, dringend wieder wegen der Krise verschobene Arzttermine in Ordinationen und Spitälern nachzuholen. Es bestehe andernfalls die Gefahr, dass durch verschleppte Arztbesuche Erkrankungen übersehen oder zu spät erkannt würden. (bs)

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