Menschlichkeit ohne Grenzen“: virtuelle Befreiungsfeier mit ZuseherInnen aus der ganzen Welt

Eine virtuelle Befreiungsfeier ist für mich keinesfalls ein würdiger Ersatz für eine Befreiungsfeier in der Gedenkstätte Mauthausen. Die persönlichen Begegnungen mit den Überlebenden, ich denke da an Gespräche mit Ed Mosberg, Daniel Chanoch, Shaul Spielmann, Aba Lewit und mit dem kürzlich verstorbenen Richard Wadani – haben mich persönlich und politisch immer sehr berührt. Dazu gibt es keine virtuelle Alternative.
Willi Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen Komitee Österreich

Wien (OTS) - Aufgrund der Covid-19-Pandemie hat das Mauthausen Komitee Österreich beschlossen, die Internationale Befreiungsfeier virtuell abzuhalten. Das Mauthausen Komitee Österreich hat mit der Übernahme des Vermächtnisses, den Überlebenden ein Versprechen gegeben. Deswegen entfällt die Internationale Befreiungsfeier trotz der aktuellen Lage nicht. Statt zehntausender Menschen, die sonst in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen zusammengetroffen wären, fanden sich ZuseherInnen aus 23 Ländern der Welt ein. Gemeinsam gedachten sie der Befreiung des KZ Mauthausen vor 75 Jahren und den Millionen Toten, die das nationalsozialistische Terrorregime gefordert hat. Das diesjährige Thema „Menschlichkeit ohne Grenzen“ gilt als Maxime für ein besseres Miteinander – auch heute.

Anlässlich des 75. Jahrestags der Befreiung des KZ Mauthausen fanden sich Menschen aus Österreich, Spanien, Deutschland, Frankreich, Polen, Vereinigte Staaten, Slowenien, Italien, Niederlande, Belgien, Israel, Ungarn, Tschechien, Vereinigtes Königreich, Russland, Luxemburg, Kanada, Schweiz, Griechenland, Serbien, Schweden, Singapur und Ukraine virtuell ein, um im Rahmen der Internationalen Befreiungsfeier des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen den Opfern der Gräueltaten des NS-Terrors zu gedenken.

Der Tag der virtuellen Internationalen Befreiungsfeier begann bereits am Morgen des 10. Mai mit einer Kranzniederlegung in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. Es fanden sich VertreterInnen des Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ), der Österreichischen Lagergemeinschaft Mauthausen (ÖLM) und des Comité International de Mauthausen (CIM) in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen ein, um in Vertretung aller, die nicht teilnehmen konnten, an die unzähligen Verstorbenen zu erinnern. Die virtuelle Internationale Befreiungsfeier fand, wie auch im vergangenen Jahr, auf Einladung von MKÖ, ÖLM und CIM statt.

Diesjähriges Schwerpunktthema „Menschen ohne Grenzen“
Das diesjährige Gedenken widmet sich dem Schwerpunktthema „Menschlichkeit ohne Grenzen“ und setzt ein Zeichen für ein verbessertes Miteinander und internationale Solidarität. Nach der Befreiung vom NS-Terrorregime und dessen Verbrechen wurde die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ mit dem Ziel, grenzenlosen internationalen Frieden zu erlangen, verabschiedet. Menschlichkeit über alle Grenzen hinweg fordern auch die Überlebenden im Mauthausen Schwur, der nur wenige Tage nach der Befreiung des KZ Mauthausen von KZ-Überlebenden verfasst wurde.

Virtuelle Befreiungsfeier des KZ Mauthausen und virtuelle Gedenkwochen
Die europaweit größte Internationale Befreiungsfeier fand am Sonntag, dem 10. Mai 2020, zum ersten Mal virtuell statt. Von 11:00 bis 12:00 Uhr konnte international unter www.mkoe.at und österreichweit in ORF III an der Befreiungsfeier teilgenommen werden. Nach der internationalen Begrüßung und der Verlesung des Mauthausen Schwurs in 17 verschiedenen Sprachen durch Jugendliche folgte die Begrüßung durch MKÖ-Vorsitzenden Willi Mernyi.

Willi Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen Komitee Österreich zur virtuellen Feier: „Eine virtuelle Befreiungsfeier ist für mich keinesfalls ein würdiger Ersatz für eine Befreiungsfeier in der Gedenkstätte Mauthausen. Die persönlichen Begegnungen mit den Überlebenden, ich denke da an Gespräche mit Ed Mosberg, Daniel Chanoch, Shaul Spielmann, Aba Lewit und mit dem kürzlich verstorbenen Richard Wadani – haben mich persönlich und politisch immer sehr berührt. Dazu gibt es keine virtuelle Alternative.“

CIM-Präsident Guy Dockendorf nahm anschließend in seinem Video-Statement zum thematischen Schwerpunkt "Menschlichkeit ohne Grenzen" Stellung und legte dar, wie der Zusammenhang mit Corona auch in das Gedenken und zu dem diesjährigen Thema passt: „Das Schlüsselwort lautet internationale Solidarität. Freilich ist es notwendig, dass der Begriff Solidarität in einer Zeit, in der die Grenzen physisch und mental geschlossen sind, in einer Zeit, in der der Neoliberalismus der gesamten Welt seine Regeln aufzuzwängen scheint, eine neue Bedeutung erlangt!“

Den Höhepunkt der virtuellen internationalen Befreiungsfeier bildeten die zahlreichen Überlebenden und Zeitzeugen, die aus der ganzen Welt teilnahmen. Unter ihnen waren Aba Lewit, Liliana Segre, Dusan Stefancic, Daniel Chanoch, Shaul Spielmann, Ed Mosberg, Max Garcia und Igor Malitskyi und Stanisław Zalewski. Die Zeitzeugin Liliana Segre, die mit den Worten: „Nur das Bewusstsein über das, was geschehen ist, kann als Impfstoff gegen das dienen, was es hervorgebracht hat“ berührt hat, ist besonders in Erinnerung geblieben.

Auch KZ-Überlebender Daniel Chanoch steht mit seiner Botschaft bei der virtuellen Befreiungsfeier ganz deutlich für ein „Niemals wieder“: „Die Botschaft an die Welt lautet: Stoppt jegliche Form von Rassismus, Faschismus und Antisemitismus. Wiederholen Sie nicht, was in der Vergangenheit geschah.“

David Sassoli, Präsident des Europäischen Parlaments wendet sich in seiner Rede an die Jugend in Europa: „Die Worte des Mauthausen-Schwurs müssen eine Warnung für uns alle, vor allem aber für Euch, junge Europäerinnen und Europäer, sein: eine Möglichkeit, derer zu gedenken, aber auch das Opfer derer zu ehren, die in diesem Lager ihr Leben verloren haben, die für eine bessere Welt gekämpft haben, die für die Werte von Freiheit und Gerechtigkeit eingetreten sind. Ich wünsche Euch gutes Gelingen!“

Moderiert wurde die virtuelle Veranstaltung, wie auch in den vergangenen Jahren, durch Konstanze Breitebner und Mercedes Echerer.

Virtuelle Gedenkwochen dauern noch bis zum 20. Mai 2020
Zusätzlich zur virtuellen Internationalen Befreiungsfeier finden bis 20. Mai 2020 noch die virtuellen Gedenkwochen statt. In dieser Zeit werden erstmalig Originalprotokolle der US-Befreier, Kurzvideos von KZ-Überlebenden und Zeitzeugen, Statements von Opferorganisationen, Botschaftern und lokalen Gedenkinitiativen u.v.m. auf www.mkoe.at, dem MKÖ YouTube-Kanal, der MKÖ Facebook-Seite und auf Instagram vorgestellt.

Fotos und Presseunterlagen zur Gedenk- und Befreiungsfeier 2020 unter: http://www.mkoe.at/service/presseinfo

Über das Mauthausen Komitee Österreich:

Die Überlebenden des KZ-Mauthausen übergaben im Jahr 2000 dem Mauthausen Komitee Österreich offiziell ihr Vermächtnis. Dieses Vermächtnis der KZ-Überlebenden bildet die Grundlage der Aktivitäten des MKÖ. Neben der Gedenkarbeit für die Opfer der Verbrechen des NS-Regimes, insbesondere jene, die im KZ-Mauthausen und in den Außenlagern gefangen gehalten wurden, sind Aktivitäten gegen Rechtsextremismus sowie die engagierte anti-faschistische und anti-rassistische Arbeit vor allem mit jungen Menschen weitere wichtige Schwerpunkte. In den vergangenen Jahren führte das MKÖ mit mehr als 100.000 Jugendlichen Zivilcourage-Trainings, Begleitungen durch die KZ-Gedenkstätte Mauthausen sowie an Orten ehemaliger Außenlager, die Vor- und Nachbereitung der KZ-Gedenkstättenbesuche, Anti-Rassismus-Workshops wie den Workshop "Wir sind alle" sowie die neuen thematischen Rundgänge "denk mal wien" sowie diverse anlass- und themenbezogene Jugendprojekte durch.


Statements zur virtuellen Internationalen Befreiungsfeier


Bundespräsident Alexander Van der Bellen
„75 Jahre ist es her, dass US-Truppen das Konzentrationslager Mauthausen befreiten. 75 Jahre ist es her, dass das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte beendet werden konnte. Seit 75 Jahren ist Mauthausen ein Ort gegen das Vergessen.
Mauthausen ist nicht vom Himmel gefallen. Der Holocaust war der grausame Endpunkt. Am Anfang stand das Schweigen, das Wegschauen als Antisemitismus und Rassismus ihre hässliche Fratze zeigten und schleichend von der Gesellschaft Besitz ergriffen. Mauthausen ist das steingewordene „Niemals wieder!“. „Niemals wieder“ bedeutet heute: keine Toleranz gegenüber Rassismus, keine Toleranz gegenüber Antisemitismus. Die Menschenwürde ist unteilbar!“

Nationalratspräsident, Mag. Wolfgang Sobotka
„Wir sind es den Opfern des Holocaust schuldig, die Erinnerung an sie zu bewahren. Wir haben sechs Millionen Gründe zu gedenken. Erinnerung gehört zu unserer Identität.“

Zweite Präsidentin des Nationalrates, Doris Bures
„Primo Levi sagte: ‚Schweigen ist ein Fehler, fast ein Verbrechen.‘ Seine Worte gelten für das Damals wie für das Heute!“

Bundeskanzler Sebastian Kurz
„Mauthausen steht wie kein zweiter Ort in unserem Land für die Schrecken des NS-Terrorregimes. Auch wenn die Befreiungsfeier heuer aufgrund der Corona-Pandemie in einem anderen Rahmen stattfindet, ist es wichtig, sich auch heute der Geschichte zu stellen. Wir dürfen diese dunklen Seiten unserer Geschichte niemals vergessen. Es ist 75 Jahre nach der Befreiung unsere Pflicht, sich an die unvorstellbaren Gräueltaten und Verbrechen, die im Nationalsozialismus begangen wurden, zu erinnern. Wir erinnern uns daran, dass Österreicherinnen und Österreicher nicht nur Opfer, sondern auch Täterinnen und Täter waren. Denn nur wer erinnert, kann auch aus den Fehlern der Vergangenheit lernen.“

Vizekanzler Werner Kogler
„Die Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen vor 75 Jahren ist Anlass zum Gedenken an die mehr als 100.000 Opfer. Wir dürfen niemals vergessen. Das KZ Mauthausen war Teil des von den Nationalsozialisten industriell betriebenen Massenmordes. Nur, wenn wir die Erinnerung hochhalten, schaffen wir die Voraussetzung dafür, dass wir und kommende Generationen in einer demokratischen und antifaschistischen Welt leben können.“

Bundesministerin für Arbeit, Familie und Jugend, Christine Aschbacher
„Die Gedenk- und Befreiungsfeier erinnert uns jedes Jahr an unsere besondere historische Verantwortung. Auch 75 Jahre nach der Befreiung ist es unsere Pflicht, gegen jede Form von Antisemitismus anzukämpfen und auch in den Familien über die Verbrechen und Schrecken des Nationalsozialismus zu sprechen. Geben wir unseren Kindern und Jugendlichen Werte wie Respekt, Integrität und Verantwortung mit, damit jetzt und in Zukunft die Menschlichkeit die Oberhand behält.“

Bundesministerin für EU und Verfassung, Mag.a Karoline Edtstadler
„Es ist auch 75 Jahre nach der Befreiung des KZ Mauthausen unsere Pflicht, uns an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern und ihnen damit ein Stück Würde und Identität zurückzugeben. Wir müssen Geschichte greifbar und erlebbar machen und den Grundstein schon bei den Jüngsten legen, die einmal Verantwortung für dieses Land tragen werden.“

Bundesminister für Inneres, Karl Nehammer, MSc
„Als Innenministerium haben wir die Obhut für die KZ-Gedenkstätte Mauthausen. Sie erinnert uns an die Opfer der nationalsozialistischen Morde in unserem Land, aber auch an die Mitverantwortung von Österreicherinnen und Österreicher an diesen Taten. Heuer – 75 Jahre nach der Befreiung – wollen wir als Bundesregierung mit dem Ankauf und Weiterentwicklung der Gedenkstätte Mauthausen-Gusen ein bleibendes Zeichen des Gedenkens setzen. Diese Gedenkstätte möge den Opfern zur Erinnerung und den Lebenden zur Mahnung dienen.“

Bundesministerin für Frauen und Integration, Susanne Raab
„Die Erinnerung an die Schrecken des Zweiten Weltkriegs, das Elend und die unvorstellbare Brutalität in den Konzentrations- und Vernichtungslagern in ganz Europa soll auch als Mahnung für die Generationen nach uns dienen. Dieses dunkelste Kapitel unserer Geschichte darf sich niemals wiederholen.“

Bundesministerin für Justiz zum Fest der Freude, Alma Zadic
"Menschlichkeit heißt, die Menschenwürde von jedem und jeder Einzelnen zu achten. Sie leitet Politik, die niemals vergisst, was die Shoah bedeutet. Auch 75 Jahre nach der Befreiung liegt es an uns gemeinsam unsere offene, tolerante und demokratische Gesellschaft jeden Tag zu stärken.“

Staatssekretär im Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie, Dr. Magnus Brunner, LL.M
„Gemeinsam gedenken wir derer, die durch die schrecklichen Gräueltaten des Nationalsozialismus ums Leben kamen. Hass, Gewalt und Ausgrenzung dürfen nie Parameter unseres Handelns sein. Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass unsere Gesellschaft weiterhin von gegenseitiger Verantwortung, Toleranz und Respekt geprägt ist. Damit wir in einer friedlichen Demokratie, in Freiheit und Sicherheit, leben können.“

Landeshauptmann von Oberösterreich, Thomas Stelzer
„Die diesjährige Befreiungsfeier setzt mit ihrem thematischen Schwerpunkt „Menschlichkeit ohne Grenzen" ein klares Signal und bietet denjenigen eine große, internationale und wichtige Bühne, die die Gräueltaten der NS-Herrschaft am eigenen Leib erfahren und überlebt haben. Tief in unserem Bewusstsein verankert, sollen die Wörter der Überlebenden nie verhallen!
Dem Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) ist in enger Zusammenarbeit mit dem Comité International de Mauthausen (CIM) wiederum eine würdevolle Gedenkveranstaltung gelungen. Dafür möchte ich mich bedanken!“

Landeshauptmann von Vorarlberg, Mag. Markus Wallner
„Nie, auch nicht in der aktuellen Corona-Ausnahmesituation, dürfen wir vergessen, wohin Hass, Ausgrenzung und Demokratieverachtung führen können. Für einmal hat das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) in enger Zusammenarbeit mit dem Comité International de Mauthausen (CIM) das jährliche Andenken an die Opfer der NS-Terrorherrschaft in den virtuellen Raum verlagert. Zu dieser gelungenen Initiative gratuliere ich dem gesamten Team um Vorstand Willi Mernyi und Geschäftsführerin Christa Bauer sehr herzlich.“


Statements der Überlebenden

Ed Mosberg
Ich möchte dem Mauthausen Komitee für die Ausrichtung der jährlichen Gedenkfeier zur Befreiung des KZ-Mauthausen und aller 47 Außenlager danken. Wir dürfen niemals die 186 Treppen der Todesstufe des Steinbruchs von Mauthausen vergessen, von der viele Insassen in den Tod gestoßen wurden. Ebenso wenig, dass die Insassen im KZ Ebensee verhungerten. Ich wurde aus Linz befreit. Meine Frau Cecile wurde aus Mauthausen befreit. Hier sehen Sie ein Bild von uns beiden am unteren Ende der Todesstiege. Wir dürfen die von den Nazis begangenen Gräuel nie vergessen und wir dürfen niemals vergessen oder vergeben, da wir kein Recht haben, zu vergeben. Nur die Toten können vergeben. Wir konnten ihren gewaltsamen Tod nicht verhindern, wir dürfen nicht zulassen, dass sie erneut getötet werden.
Ich möchte mich nochmals bei Christa Bauer und dem Mauthausen Komitee für ihre aufopfernde Tätigkeit bedanken. Gott schütze Sie alle.

Dušan Stefančič
Aus Anlass des 75. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen und des Kriegsendes in Europa sollten wir uns der Erklärung des Internationalen Mauthausen-Komitees erinnern, welche im Mai 1945 verlautbart wurde und Freiheit für alle Völker dieser Erde forderte. Diese Erklärung ist seit vielen Jahren in Gebrauch, und das Mauthausen-Komitee hat einen Schwur hinzugefügt, der im Rahmen des Programmes der internationalen Befreiungsfeier feierlich geleistet wird. Ich kann mit Stolz sagen, dass Slowenien alle Freiheiten des Menschen im Text seiner Nationalhymne anführt.

Igor Malitskyi
Menschen dieser Welt! Ich bin ein ehemaliger Insasse von 4 Konzentrationslagern: Theresienstadt, Auschwitz, Mauthausen, Linz-3. Ich appelliere an Sie. Nur unser gemeinsames Tun kann verhindern, was in der Welt gerade passiert. Freundschaft und gegenseitige Hilfe haben uns geholfen, zu überleben. Man gab uns eine Steckrübe, und ich konnte sie nicht essen, da mir Dr. Mengele zuvor die Zähne gezogen hatte. Dann nahm Fedir Gromov, einer meiner Freunde, meine Rübe, kaute sie und fütterte mich damit. Für Menschen, die niemals Hunger gelitten haben, ist dies unvorstellbar. Menschen, seid wachsam und schützt die Welt!
Aba Lewit
Die Arbeit vom Mauthausen Komitee ist besonders wichtig, damit die Gräuel der KZs nicht vergessen werden. Denn es gibt fast keine überlebenden Zeitzeugen mehr.

Daniel Chanoch
Ich heiße Daniel Chanoch und wurde 1932 in Litauen geboren. Unsere gesamte Familie wurde von den Deutschen und Litauern ermordet. Ich war in vielen Lagern wie Dachau, Auschwitz, Mauthausen und wurde in Gunskirchen befreit. Die Botschaft an die Welt lautet: Stoppt jegliche Form von Rassismus, Faschismus und Antisemitismus. Wiederholen Sie nicht, was in der Vergangenheit geschah.
Shaul Spielmann
Guten Tag, es spricht hier der Herr Paul Shaul Spielmann aus Israel. Ich bin ein geborener Österreicher aus Wien, geboren am 01.07.1931 und ich bin schon ungefähr 89 Jahre alt und lebe schon 75 Jahre in Israel. In den vorherigen Jahren war ich jedes Jahr in der Zeit von den Andenken der Holocaust in den Konzentrationslagern Mauthausen, Melk, Gunskirchen und auch bei dem Fest der Freude in Wien[...] am Heldenplatz gewesen. Jetzt dieses Jahr konnte ich nicht nach Österreich kommen wegen diesem Corona Virus, zu meinem Bedauern. Ich hoffe, dass ich das nächste Jahr wieder die Möglichkeit habe nach Wien, zu dieser Zeit, zu kommen. Vielen Dank.

Stanisław Zalewski
Uns wird die Ehre zuteil, "Zeitzeugen" genannt zu werden. Einer Zeit unserer Geschichte, die nach Johannes Paul II. "den Kampf des Bewusstseins mit einer Schicht von Ereignissen bedeckt". Diese Schicht verflechte sowohl Siege als auch Niederlagen. Die Geschichte verschleiert sie jedoch nicht, sondern macht sie noch sichtbarer".
Kann Geschichte gegen den Strom des Bewusstseins fließen? Das ist es, was mein Dilemma betreffend Vergebung ausmacht. Ein Mann ist ein Genie, aber ein sehr unverantwortliches.
Die vergangenen und aktuellen Ereignisse in der Welt verzögern die Verwirklichung der wichtigsten Aufgabe, vor der die Menschheit steht – ein Leben in Würde und Frieden, das auf gegenseitiger Achtung und gegenseitigem Verständnis beruht. Das ist es, was jeder von uns für den anderen verwirklichen kann.

Max Garcia
Hallo, ich bin Max Garcia aus Amsterdam/Niederlanden und ich bin 96 Jahre jung. (Können Sie die Konzentrationslager nennen, in denen sie inhaftiert waren?) Ich war in Westerbork in den Niederlanden, und wurde dann mit dem Zug nach Auschwitz gebracht. Von Auschwitz kam ich nach „Buna“. In „Buna“ blieb ich 10 Tage und kehrte dann nach Ausschwitz zurück. Von Auschwitz in Polen begab ich mich auf einen Todesmarsch. Todesmarsch – wir wurden aus dem KZ evakuiert und kamen dann nach Mauthausen, Melk und Ebensee, von wo ich befreit wurde.

Liliana Segre
Liebe junge Menschen,
Ich weiß, ihr wäret aus ganz Europa gekommen.

Nützt diese Zeit – diese reisefreie Zeit – um das Gewissen zu schärfen und eine Meinung zu bilden: Wenn ihr wieder in der Lage sein werdet, zu dieser Reise aufzubrechen, werdet ihr bereit sein, dieser Erfahrung auf eine andere Art und Weise, mit mehr Bewusstsein zu begegnen.
Nur das Bewusstsein über das, was geschehen ist, kann als Impfstoff gegen das dienen, was es hervorgebracht hat. Genauso wie es solche gab, die sich dafür entschieden, gleichgültig zu sein, sich abzuwenden, wegzuschauen, gab es auch solche, die sich dafür entschieden, rechtschaffen zu sein, zu helfen, zu beschützen und sich selbst zu opfern.
Deshalb appelliere ich an euch, zu bedenken, dass es immer eine Wahlmöglichkeit gibt. Selbst wenn wir denken, dass es keine Alternativen gibt, dass es letztlich "so funktioniert", möget ihr euch bewusst sein, dass es immer davon abhängt, wofür wir uns entscheiden. Verantwortung ist immer höchstpersönlich, sie liegt immer bei uns.

Der Besuch von Todesstätten muss uns eine Warnung und eine Lehre sein, sich für das Leben zu entscheiden.

Ich wünsche Euch eine gute Reise: jetzt, in eurer Fantasie. Und eine gute Reise dann, wenn ihr Mauthausen wieder besuchen könnt.

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