FSME-Impfung trotz Corona-Krise

Wir halten Abstand – die Zecke nicht

  • Mehr als die Hälfte der hospitalisierten Patientinnen und Patienten hatte einen Verlauf mit einer schweren ZNS-Symptomatik
    Univ. Prof.in Dr.in Ursula Kunze vom Zentrum für Public Health der Medizinischen Universität Wien
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  • Wie man an diesen schrecklichen Beispielen sieht, können Kinder durchaus schwer erkranken, auch wenn die meisten FSME-Erkrankungen bei ihnen leichter verlaufen. Eltern sollten kein Risiko eingehen und ihre Kinder ab dem ersten Lebensjahr gegen FSME impfen lassen
    Kinderarzt und Leiter des Referats für Impfangelegenheiten der Ärztekammer für Burgenland Dr. Albrecht Prieler
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  • Ganz Österreich gilt als Risikogebiet, somit ist das Risiko, von einer FSME-infizierten Zecken gestochen zu werden, fast überall in Österreich gegeben!
    Mag.a Renee Gallo-Daniel, Präsidentin des Österreichischen Verbandes der Impfstoffhersteller (ÖVIH)
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  • Wichtig ist aber, die empfohlenen Impfintervalle einzuhalten, um bestmöglich geschützt zu sein. Das bedeutet, dass all jene, die ihre heuer notwendige FSME-Impfung bisher noch nicht wahrgenommen haben, diese nicht auf nächstes Jahr verschieben, sondern sich jetzt impfen lassen sollten
    Mag.a Renee Gallo-Daniel, Präsidentin des Österreichischen Verbandes der Impfstoffhersteller (ÖVIH)
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  • Die Apothekerinnen und Apotheker stehen den Menschen – trotz Plexiglas und Nasen-Mund-Schutz – zur Verfügung. Einfach mit dem Impfpass in die Apotheken kommen und diesen überprüfen lassen!
    Mag. pharm. Dr. Gerhard Kobinger, Präsidiumsmitglied der Österreichischen Apothekerkammer
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Wien (OTS) - Je häufiger wir aufgrund des schönen Wetters und der gelockerten Corona-Maßnahmen wieder ins Freie strömen, desto mehr dringen wir ins „Hoheitsgebiet“ der Zecke ein. Damit steigt das Risiko, dass wir uns mit FSME infizieren. Auch deswegen, weil vielen immer noch nicht bewusst ist, dass ganz Österreich ein Risikogebiet ist. 2019 mussten über 100 Personen aufgrund einer FSME-Erkrankung im Spital behandelt werden. Mit der Impfung inklusive regelmäßiger Auffrischung kann eine Infektion fast immer vermieden werden. FSME-Impfungen sollten auch heuer, trotz Corona-Pandemie, nicht auf nächstes Jahr verschoben werden. Unter Einhaltung entsprechender Schutzmaßnahmen können sie auch jetzt von der Hausärztin oder dem Hausarzt durchgeführt werden, wie am Mittwoch bei einem virtuellen Pressegespräch betont wurde. ApothekerInnen helfen, vorab herauszufinden, ob dieses Jahr eine Impfung nötig ist.

Fallzahlen 2019 auf Niveau der letzten Jahre[1]

2019 wurden in Österreich 108 autochthone FSME-Virusinfektionen bei hospitalisierten Patienten diagnostiziert. Diese Zahl ist somit innerhalb der Bandbreite der Jahre 2000 bis 2017. Oberösterreich war auch 2019 das Bundesland mit den meisten FSME-Fällen (40), gefolgt von Tirol (21) und der Steiermark (14). Erste Infektionen wurden Ende März gemeldet, die „Saison“ dauerte bis Dezember, mit dem Krankheitsgipfel im Sommer.

Schwerer Verlauf bei der Hälfte der gemeldeten Erkrankten

Mehr als die Hälfte der hospitalisierten Patientinnen und Patienten hatte einen Verlauf mit einer schweren ZNS-Symptomatik“, berichtet Univ. Prof.in Dr.in Ursula Kunze vom Zentrum für Public Health der Medizinischen Universität Wien. Vier Personen mussten auf der Intensivstation behandelt werden, zwei sind an den Folgen der FSME verstorben.1 „In etwa 40 bis 50 Prozent der Fälle kommt es zu Folgeerscheinungen wie Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen oder depressiven Verstimmungen“, betont die Expertin. „Außerdem gibt es auch leichtere Verläufe, die nicht dokumentiert sind. So manche Sommergrippe ist in Wahrheit eine leicht verlaufende FSME.“

Immer wieder Kinder betroffen

2019 waren 14 % der Betroffenen Kinder unter 15 Jahren, glücklicherweise weniger als in den Jahren davor (2018 18 %, 2017 17 %). Allerdings ist 2019 sogar ein Baby mit sechs Monaten erkrankt. Ein 13-Jähriger erlitt eine Enzephalomyelitis (Gehirn- und Rückenmarksentzündung) und musste auf der Intensivstation behandelt werden. „Wie man an diesen schrecklichen Beispielen sieht, können Kinder durchaus schwer erkranken, auch wenn die meisten FSME-Erkrankungen bei ihnen leichter verlaufen. Eltern sollten kein Risiko eingehen und ihre Kinder ab dem ersten Lebensjahr gegen FSME impfen lassen“, betont Kinderarzt und Leiter des Referats für Impfangelegenheiten der Ärztekammer für Burgenland Dr. Albrecht Prieler.

Generell gute Durchimpfungsraten - Nachholbedarf in manchen Bundesländern

Eine aktuelle Marktforschung zeigt, dass die Durchimpfungsrate bei Erwachsenen bis 60 Jahre bei FSME für ganz Österreich derzeit bei 79 % liegt, mit deutlichen Schwankungen zwischen den Bundesländern. In Oberösterreich beträgt sie zum Beispiel 73 %, in Tirol 70 %. „Das sind jedoch genau jene Bundesländer, in denen in den letzten Jahren die meisten FSME-Fälle aufgetreten sind“, erläutert Mag.a Renee Gallo-Daniel, Präsidentin des Österreichischen Verbandes der Impfstoffhersteller (ÖVIH).

Unbekanntes Risikogebiet

„Viele Österreicherinnen und Österreicher sind sich auch nicht darüber im Klaren, was beziehungsweise wo ein FSME-Risikogebiet ist“, stellt Gallo-Daniel fest. Besonders deutlich sieht man dies bei den Nicht-Geimpften. Von ihnen geben 42 % an, nicht in einem Risikogebiet zu leben und auch keines zu besuchen. „Hier ist offensichtlich noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten“, so die ÖVIH-Präsidentin, denn: „Ganz Österreich gilt als Risikogebiet, somit ist das Risiko, von einer FSME-infizierten Zecken gestochen zu werden, fast überall in Österreich gegeben!

Impfung nicht auf nächstes Jahr verschieben

44 % der Befragten geben an, sich im März beziehungsweise im April impfen zu lassen. „Da die meisten Ordinationen heuer in diesem Zeitraum geschlossen oder nur Notbetrieb hatten, dürfte das dieses Jahr großteils nicht möglich gewesen sein“, befürchtet Gallo-Daniel und betont: „Wichtig ist aber, die empfohlenen Impfintervalle einzuhalten, um bestmöglich geschützt zu sein. Das bedeutet, dass all jene, die ihre heuer notwendige FSME-Impfung bisher noch nicht wahrgenommen haben, diese nicht auf nächstes Jahr verschieben, sondern sich jetzt impfen lassen sollten.“

So kommt man zur Impfung

Dafür ist die Einhaltung spezieller Vorsichtsmaßnahmen nötig. „Eine telefonische Terminvereinbarung ist unbedingt erforderlich“, erklärt Prieler. „Dabei kann man auch schon abklären, wie man am besten zum Impfstoff kommt.“ Ebenfalls notwendig sei das Tragen einer Maske von Arzt/Ärztin und PatientIn sowie das Abstandhalten. „Begleitpersonen sollten nur dann mitkommen, wenn dies unbedingt nötig ist“, so der Kinderarzt. „Ganz wichtig ist auch die strenge Einhaltung des vorgegebenen Termins, denn nur so kann gewährleistet werden, dass es zu möglichst wenig Kontaktmöglichkeiten zu anderen Personen kommt.“

Nicht immer weiß man auswendig, ob dieses Jahr eine Auffrischung nötig ist oder nicht. „Das kann man vorab im Gespräch mit der Apothekerin oder dem Apotheker seines Vertrauens klären“, erklärt Mag. pharm. Dr. Gerhard Kobinger, Präsidiumsmitglied der Österreichischen Apothekerkammer. „Die Apothekerinnen und Apotheker stehen den Menschen – trotz Plexiglas und Nasen-Mund-Schutz – zur Verfügung. Einfach mit dem Impfpass in die Apotheken kommen und diesen überprüfen lassen!

FSME-Impfaktion noch bis 31. August 2020

Der FSME-Impfstoff wird derzeit im Rahmen einer Impfaktion der österreichischen Apotheken vergünstigt angeboten. Diese läuft noch bis zum 31. August 2020. Die Sonderpreise betragen für Erwachsene EUR 35,80 und für Kinder EUR 31,30. Darüber hinaus gewähren alle Krankenkassen einen ganzjährigen Kostenzuschuss in unterschiedlicher Höhe. Um das Handling für die Kunden möglichst einfach zu gestalten, wird der Kostenzuschuss direkt in der Apotheke vom Aktionspreis abgezogen.

https://events.streaming.at/20200429


[1] Zentrum f. Virologie d. Med. Universität Wien, VIR. EP. INF. NR. 02/20-5

Rückfragen & Kontakt:

Mag.a Uta Müller-Carstanjen
Fine Facts Health Communication
Mobil: +43 664 515 30 40
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