Volkshilfe Sozialbarometer: Große Zustimmung für Erhöhung der Gehälter im Sozialbereich

Umfrage zeigt auch Wunsch nach Mindestlohn und besserer Absicherung

  • Die unterfinanzierte Branche hat sich als systemerhaltend und menschenrettend erwiesen, das erkennen die Menschen
    Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich
    1/3
  • Zusammenfassend sieht man deutlich, dass sich die Menschen eine bessere soziale Absicherung wünschen. Daher erneuere ich meine Forderung nach einer dringenden Anhebung der Nettoersatzrate beim Arbeitslosengeld auf mindestens 70%, auch über die Krise hinaus. Denn vor allem Niedrigverdiener können vom derzeitigen Arbeitslosengeld nicht leben. Und zur Koordinierung der Maßnahmen braucht es eine Taskforce soziale Absicherung. Denn Wirtschaftsrettungsschirme ersetzen keine Menschenrettungsringe
    Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich
    2/3
  • Manche strukturellen Probleme wurden in der Corona-Krise sichtbarer, wie durch eine Lupe vergrößert
    Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich
    3/3

Wien (OTS) - Morgen ist der Tag der Arbeitslosigkeit, für hunderttausende Menschen in Österreich ist dieser Zustand ihre traurige Realität. Für die Volkshilfe ist es eine Frage der Gerechtigkeit, niemand aus dem Erwerbsleben auszuschließen, denn damit geht auch ein gesellschaftlicher Ausschluss einher. Daher engagiert sich die Volkshilfe in zahlreichen arbeits- marktpolitischen Projekten und sozialökonomischen Betrieben für die betroffenen Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen am regulären Arbeitsmarkt wenig Chancen haben.

In Zusammenarbeit mit SORA wurden die Menschen in Österreich über ihre Einstellungen zu einigen aktuellen Themen rund um den Arbeitsmarkt befragt. „Manche strukturellen Probleme wurden in der Corona-Krise sichtbarer, wie durch eine Lupe vergrößert“, leitete der Direktor der Volkshilfe Österreich Erich Fenninger die Präsentation der Umfrageergebnisse im Rahmen der heutigen online-Pressekonferenz ein.

Große Mehrheit für bessere Entlohnung

Die Krise hat gezeigt, dass eine bessere Entlohnung von systemrelevanten Gesundheits- und Sozialdienstleistungen dringend notwendig ist. Eine große Mehrheit von 87% der Menschen in Österreich befürworten das. „Die unterfinanzierte Branche hat sich als systemerhaltend und menschenrettend erwiesen, das erkennen die Menschen“, so Fenninger.

Zustimmung für 35-Stunden-Woche im Sozialbereich

Es stimmen 7 von 10 Befragten der Forderung nach einer generellen 35-Stunden-Woche zu. „Die Belastung für die Beschäftigten ist auch außerhalb von Krisenzeiten sehr hoch, daher braucht es die Entlastung, um mehr Menschen für den Sozialbereich zu gewinnen“, kommentiert Fenninger das Ergebnis.

Laut einer aktuellen Studie der Universität Wien, publiziert von Politologin Barbara Prainsack, berichten vor allem arbeitslose Menschen und Personen in der Mindestsicherung von einer Zunahme existenzieller Ängste. „Dies stellen wir auch bei Kindern fest. Die Sorgen und finanziellen Probleme der Eltern werden zu Ängsten der Kinder“, so Fenninger. Daher haben wir gefragt, wie die Menschen zu Bezugssperren des Arbeitslosengeldes stehen.

Keine Bezugssperren des Arbeitslosengeldes oder der Notstandshilfe

Die meisten Menschen in Österreich (59%) wollen keine Kürzungen oder Sperren bei den wichtigsten sozialen Absicherungssystemen, wie dem Arbeitslosengeld oder der Notstandshilfe.

Große Unterstützung für Mindestlohn von 1.750 Euro brutto für Vollzeit

Eine große Mehrheit von 87% der österreichischen Bevölkerung spricht sich für höhere Mindestlöhne aus. Derzeit liegen viele systemrelevante Branchen wie Handel oder Reinigung noch deutlich darunter. Eine Erhöhung der Mindestlöhne würde auch eine bessere Absicherung im Fall einer Arbeitslosigkeit bringen.

Ablehnung des 12-Stunden-Tags

Der gegen großen Widerstand eingeführte 12-Stunden-Tag stößt in der Bevölkerung auf wenig Zustimmung: Rund 6 von 10 Menschen sprechen sich dezidiert für seine Abschaffung aus. Die Regelung ist eindeutig nicht im Sinne der Mehrheit der ArbeitnehmerInnen.

Männer sollten sich in gleichem Ausmaß an der Elternkarenz beteiligen wie Frauen.

Insgesamt sprechen sich rund zwei Drittel (67%) der Menschen in Österreich für eine gleiche Verteilung der Elternkarenz zwischen den Geschlechtern aus. Obwohl dies den Frauen ein leicht größeres Anliegen ist (70%), ist auch die Mehrheit der Männer dafür (63%).

Zusammenfassend sieht man deutlich, dass sich die Menschen eine bessere soziale Absicherung wünschen. Daher erneuere ich meine Forderung nach einer dringenden Anhebung der Nettoersatzrate beim Arbeitslosengeld auf mindestens 70%, auch über die Krise hinaus. Denn vor allem Niedrigverdiener können vom derzeitigen Arbeitslosengeld nicht leben. Und zur Koordinierung der Maßnahmen braucht es eine Taskforce soziale Absicherung. Denn Wirtschaftsrettungsschirme ersetzen keine Menschenrettungsringe“, so Erich Fenninger abschließend.

Hinweis zur Studie: 1.013 face-to-face-Interviews sowie, aufgrund der Beschränkungen im Zuge der Corona-Krise, Online-Interviews österreichweit mit Personen ab 15 Jahren (Feldzeit von 28.2. bis 25.4. 2019). Die Daten wurden gewichtet nach Alter, Geschlecht, Region, Wohnortgröße, Bildung, Personen im Haushalt, Beruf und Berufstätigkeit. Somit entstehen aus diesen Daten repräsentative Aussagen über die österreichische Bevölkerung. Die maximale Schwankungsbreite für die dargestellten Ergebnisse liegt bei +/- 3,1%. Die Frage "Bessere Bezahlung von Gesundheits- und Sozialdienstleistungen" wurde mehr als 600 Personen online gestellt, bietet ein gutes Stimmungsbild der Bevölkerung (ist nicht repräsentativ).

Rückfragen & Kontakt:

Erwin Berger, MAS
Leiter Kommunikation Volkshilfe Österreich
E-mail: erwin.berger@volkshilfe.at
M: +43 676 83 402 215

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | VHO0001