Umfrage unter PsychotherapeutInnen zeigt: Psychische Belastung durch Corona-Maßnahmen enorm

Wien (OTS) - Die staatlichen Maßnahmen gegen COVID-19 haben deutliche negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit. Der Bedarf an Psychotherapie ist für bestehende und neue PatientInnen sehr hoch.

Die Corona-Krise stellt PatientInnen der Psychotherapie vor neue und zusätzliche Herausforderungen. Die österreichische Bundesregierung setzt in ihren Maßnahmen gegen COVID-19 auf eine starke Einschränkung der sozialen Kontakte. Das kann besonders für Menschen mit psychischen Erkrankungen negative Auswirkungen haben.

Der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) präsentiert daher gemeinsam mit der Donau-Universität Krems die Studie „Auswirkungen der Maßnahmen der Bundesregierung auf das den PsychotherapeutInnen im Rahmen der Psychotherapie berichtete innere Erleben der PatientInnen“.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Corona-Krise überwiegend negativ auf PatientInnen der Psychotherapie auswirkt: 70 Prozent der TherapeutInnen berichten über ausschließlich negative Auswirkungen. 16,3 Prozent der TeilnehmerInnen geben sowohl negative als auch positive Auswirkungen der Maßnahmen an.

Verschlimmerung der Symptome und fehlende Sozialkontakte

Was die psychische Gesundheit ihrer PatientInnen betrifft, berichten PsychotherapeutInnen von starken Belastungen: Durch die staatlichen Maßnahmen verschlimmern sich Symptome und bereits überwundene Traumata werden wieder aktiv. Betroffene vermissen eine Alltagsstruktur und die gewohnte Psychotherapie im direkten Kontakt. Im Bereich der sozialen Bindungen empfinden Betroffene durch fehlende soziale Interaktionen Einsamkeit und sehnen sich nach Körperkontakt. Auf der anderen Seite fühlen sich andere mit Partnerin/Partner oder der Familie zuhause beengt. Dazu kommt die Angst vor einer Wirtschaftskrise, um begrenzte finanzielle Ressourcen und um die Demokratie.

Psychotherapieangebote sind notwendig

„Die Maßnahmen der Bundesregierung sind wirksam, die psychische Belastung steigt aber durch die Einschränkungen massiv. Die EntscheidungsträgerInnen müssen sich bewusst sein, dass es während, aber auch nach dieser Ausnahmesituation einen hohen Bedarf an psychotherapeutischer Aufarbeitung gibt – für alle, die bereits in Behandlung sind, aber auch für jene, die eine Therapie zur Bewältigung benötigen.“, warnt Dr. Peter Stippl, Präsident des ÖBVP und Studienautor.

„PatientInnen in Psychotherapie sind eine besonders vulnerable Gruppe, aber Quarantäne und Isolation haben auf alle Menschen starke Auswirkungen. Die Ergebnisse der Studie geben Hinweise darauf, welche Interventionen in der aktuellen Situation gesetzt werden müssten, um die psychische Gesundheit zu steigern.“, ergänzt Univ. Prof. Dr. Thomas Probst, ebenfalls Autor der Studie.

ÖBVP unterstützt Bevölkerung und PsychotherapeutInnen

Der ÖBVP steht Menschen in dieser außergewöhnlichen Zeit bei. Zusammen mit dem Bundeskanzleramt hat der Verband Merkblätter erstellt: Sie bieten Alltagstipps für Alleinstehende, Paare und Familien und allgemein für die Zeit zuhause. PsychotherapeutInnen bekommen auf www.psychotherapie.at ausführliche Informationen, wie sie jetzt sicher Psychotherapie anbieten können. Darüber hinaus unterstützt der ÖBVP bei rechtlichen und wirtschaftlichen Fragen.

Zur Studie

Alle PsychotherapeutInnen der österreichischen PsychotherapeutInnenliste mit E-Mail-Adresse (ca. 6.000) wurden zur Teilnahme an einer Online-Umfrage vom 24. März bis 1. April 2020 eingeladen. 1.547 PsychotherapeutInnen nahmen teil. Sie waren im Mittel 51,67 Jahre alt, 75,7 Prozent waren weiblich. Auf die Frage der Auswirkungen der Maßnahmen der Regierung auf die PatientInnen, haben 1.347 PsychotherapeutInnen auswertbar (positiv vs. negative Auswirkungen) geantwortet. Die Studienautoren sind Thomas Probst, Martin Kuska, Peter Stippl und Christoph Pieh.

Rückfragen & Kontakt:

Univ.-Prof. Dr. Thomas Probst
Universitätsprofessur für Psychotherapiewissenschaften - Department für Psychotherapie und Biopsychosoziale Gesundheit
Tel: +43 2732 893-2679 / thomas.probst@donau-uni.ac.at

Rückfragen & Kontakt:

Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie
Mag.ª Barbara Zsivkovits
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 01/512 70 90-23
oebvp.zsivkovits@psychotherapie.at
www.psychotherapie.at

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