Pflegereform verschoben: ÖGKV Forderungen für die Zeit nach der Pandemie

Wegen der SARS-CoV-2-Pandemie wird die lang fällige Pflegereform verschoben. Die Krise zeigt auf, wie wichtig die Umsetzung der Forderungen ist, die der ÖGKV schon lange stellt.

Es sind die Pflegepersonen, die sich permanent zwischen den Patienten und dem behandelnden Arzt bewegen. Sie sind in der stationären Langzeitpflege und in den mobilen Diensten die ersten  Ansprechpartner vor Ort für Pflegebedürftige und deren Angehörige
Ursula Frohner, ÖGKV Präsidentin

Wien (OTS) -

Das Jahr 2020 sollte das Jahr der Pflege werden, doch es ist das Jahr von SARS-CoV-2 und das Jahr der geänderten Pläne. Es ist nachvollziehbar, dass die von der Bundesregierung angekündigte Pflegereform in Zeiten der akuten Krise verschoben wird. Die Schwerpunkte liegen momentan im Management der Pandemie und der damit verbundenen Folgen.

Doch gerade die letzten Wochen machen auch sichtbar, wie wichtig die kompetente Erledigung von Aufgaben durch die Gesundheits- und Krankenpflegerinnen- und pfleger für das österreichische Gesundheitssystem ist. Im internationalen Vergleich befindet sich unser Land bei der Bewältigung dieser Krise im Spitzenfeld. Einsparungen in der Akutversorgung, die – noch nicht – vorgenommen wurden, sichern jetzt kompetente pflegerische Versorgung im Krankenhaus und im Intensivbereich. Zudem ist umfangreiche pflegerische Fachkompetenz auch in Langzeitpflegeeinrichtungen und in der mobilen Pflege, insbesondere bei der Einbindung von Unterstützungsangeboten in die Pflegepraxis, unbedingt erforderlich. Es zeigt sich einmal mehr – und dies wird auch von internationalen Berichten bestätigt – dass gut ausgebildetes Pflegepersonal in allen Versorgungsebenen des Gesundheitswesens eine unverzichtbare Ressource ist. Zudem liegt auf der Hand, dass die Handlungsfelder der Community Nurse und der School Nurse insbesondere in der Bewältigung der aktuellen Pandemie eine wertvolle Struktur wären, wenn es etwa darum geht Testungen strukturiert durchzuführen oder Hygienemaßnahmen gezielt vor Ort umzusetzen.

Damit das österreichische Gesundheitssystem auch in Zukunft qualitativ hochwertig in allen Settings bleibt und die pflegerische Versorgung der Bevölkerung garantiert werden kann, muss schon jetzt ein Fahrplan für die Pflegereform definiert werden. Der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖGKV) gibt einen Überblick zu den wichtigsten Forderungen, die im Rahmen der Pflegereform zu bearbeiten sind:

Umsetzung der Weiterverordnung von Medizinprodukten durch DGKP

Seit der GuKG-Novelle 2016 ist §15a/GuKG in Kraft. Laut diesem können Angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege (GuKP) Verordnungsscheine für Inkontinenzprodukte, Verbandsmaterialien sowie Pflegeprodukte u.ä. nach der ärztlichen Erstverordnung selbstständig weiterverordnen. Doch durch die Weigerung der Kassen, diese Weiterverordnungsscheine anzuerkennen, hat die Regelung bis heute nicht den Weg in die Praxis gefunden. Der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖGKV) fordert daher eine rasche Änderung in diesem Bereich. Diese Thematik ist aber auch im Angesicht der Covid-19-Pandemie von besonderer Brisanz. „Es sind die Pflegepersonen, die sich permanent zwischen den Patienten und dem behandelnden Arzt bewegen. Sie sind in der stationären Langzeitpflege und in den mobilen Diensten die ersten Ansprechpartner vor Ort für Pflegebedürftige und deren Angehörige“, führt Ursula Frohner, ÖGKV Präsidentin, aus.

Direkte Leistungsverrechnung

Lange gefordert wird eine direkte Verrechnung von Leistungen des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege (GuKP) mit den Krankenversicherungen und eine dementsprechende Adaptierung des Arbeits- und Sozialversicherungsgesetztes (ASVG). Mit einem klaren Versorgungsauftrag und einem dementsprechenden standardisierten Leistungskatalog könnte im Rahmen der Primärversorgung, und insbesondere die freiberuflich Tätigen GuKP, ihre Leistungen transparent mit den Krankenversicherungen abrechnen.

Just-In-Time-Prinzip nicht für die den Gesundheitssektor geeignet

Die Versorgung chronisch Kranker und Pflegebedürftiger im extramuralen Bereich kann nicht auf einem Just-In-Time-Prinzip beruhen sondern muss vorausschauend und mit Puffern versehen, verstanden werden. Versorgungsengpässe wie aktuell bei der Schutzmasken und Schutzkleidung herrschen, zeigen diese blinden Flecken auf. Das Gesundheitssystem ist kein industrieller Fertigungskomplex und kann auch nicht als solcher gehandhabt werden. Kosteneffizienz und wirtschaftliches Arbeiten sind wohl wichtig, können aber nicht immer als oberstes Ziel angesetzt werden.

In diesen Wochen wurde oft der Dank an das Pflegepersonal ausgesprochen – der nachhaltigste Dank wäre, die Reformvorschläge endlich in die Umsetzung zu bringen.

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