- 20.04.2020, 11:36:53
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„Pferde im Sturm“: Neues „Universum“ porträtiert „Das wilde Herz Sardiniens“ – am 21. April um 20.15 Uhr in ORF 2
Wien (OTS) - Ein magischer Tafelberg im Herzen Sardiniens, eine
paradiesische Wildnis, ein Ort wie kein anderer: Die Giara di Gésturi
ist eine der weltweit letzten Landschaften, in der Hunderte
verwilderte Pferde frei galoppieren. Korkeichen bieten dürftig Schutz
vor Winden mit vielen Namen: Schirokko, Tramontana, Mistral, Levante.
Keines der Pferde, die hier seit Generationen sich selbst überlassen
sind, hat jemals ein Dach gesehen. So wie die Giara-Pferde ist auch
der Hirte und Einsiedler Porfirio hier oben geboren. Wie alle seine
Vorväter hütet er Schafe und Ziegen. Seine kleine Herde beweidet das
dornig-steinige Vulkanplateau gemeinsam mit Dutzenden verstreuten
Pferdefamilien.
Für die neue „Universum“-Dokumentation „Pferde im Sturm – Das wilde
Herz Sardiniens“, die ORF 2 am Dienstag, dem 21. April 2020, um 20.15
Uhr zeigt, hat sich der italienische Regisseur und Kameramann Rolando
Menardi dem menschenscheuen Hirten mit dem Rauschebart und dessen
Nachbarn mit den wilden Mähnen über Jahre hinweg einfühlsam genähert
und sie begleitet. Porfirio über die Schulter blickend, zeigt Menardi
in seinem Film – eine Produktion von pre tv in Koproduktion mit ORF
und ARTE, gefördert von Fernsehfonds Austria, MIBACT und VAM in
Zusammenarbeit mit ORF-Enterprise – das Leben einer ausgewählten
Pferdefamilie. Dem jungen Hengst Nero, wie Porfirio ihn ruft, haben
sich drei Stuten angeschlossen. Nero ist der Vater zweier Fohlen – zu
Beginn der Geschichte erst einige Wochen alt – und der Sohn eines
legendären dominanten Hengsts, den Porfirio den „Alten König“ nennt.
Die Geschichte der Giara-Pferde ist eng mit der Geschichte Sardiniens
verbunden. Ein Seefahrervolk der Bronzezeit, die Schardanen, haben,
so nimmt man an, vor etwa drei Jahrtausenden eine nordafrikanische
Pferderasse mitgebracht. Diese Pferde sind klein, zäh, stark und
anspruchslos. Porfirio ist fest davon überzeugt, selbst von den
Schardanen abzustammen, die sich nach der Ankunft weiterer
Kolonisatoren ins gebirgige Innere der Insel zurückzogen. Wie die
Schardanen, die Tausende gewaltiger Steinbauten hinterlassen haben,
ist auch Porfirio geradezu besessen davon, Steinmauern
aufzuschichten, um seine Tiere einzufrieden und seine Ecke der Giara
vor Stürmen zu schützen.
Die große Freiheit der Pferde endet an den Kanten des etwa 40
Quadratkilometer großen Plateaus. Auf den Feldern, unten in den
Tälern, sind die Pferde nicht willkommen, und das wissen sie. Die von
Jahr zu Jahr schwankende Pferdepopulation muss von dem überleben, was
die Giara zu bieten hat. Wasser und Weideland sind begrenzt. Das
Klima schwankt über das Jahr hinweg zwischen Extremen: von nass und
kalt bis trocken und heiß. Gerade in der Trockenzeit stoßen die
Pferde oft an die Grenzen des Erträglichen. Temporäre Seen sind vom
Winter bis zum Frühsommer Oasen üppigen Lebens. In dieser idyllischen
Jahreszeit werden die Fohlen geboren. Schon Tage später beginnt die
Paarungszeit. Hengste kämpfen um die Stuten. Familienverbände lösen
sich auf, neue entstehen. Letztlich bestimmen die Stuten das
Geschehen. Mit dem Schirokko kommt, gleichsam über Nacht, ein
gnadenloser Sommer. Binnen Tagen verwandeln sich die flachen Seen in
Staubwüsten. Dann verdorren auch die Weideflächen. Es beginnt ein
Kampf um schwindende Reste von Wasser und Weide, und die Giara zeigt
ihre Härte. Jahr für Jahr bangt Porfirio, wie lange die Pferde Hunger
und Durst ertragen können, ob der Herbstregen rechtzeitig eintrifft.
Für die Schwächsten kommt er oft zu spät – immer öfter, denn mit dem
Klimawandel werden die Jahreszeiten zunehmend unberechenbar.
Statements zur Produktion:
Regisseur und Kameramann Rolando Menardi: „Mit Sardinien verbindet
mich seit meiner Kindheit eine ganz persönliche Geschichte – meine
Familie hat hier oft die Ferien verbracht, natürlich am Meer. Die
Giara, diesen versteckten Ort im wilden Herzen der Insel, habe ich
erst viel später entdeckt. Die Reste der Schardanen-Kultur, die
windverdrehten, knorrigen Korkeichen, die Stürme, die über das
Plateau fegen, die Einsamkeit da oben verleihen der Giara etwas
Mystisches, Wildes, Zeitloses. Als Kameramann faszinieren mich die
ständig wechselnden, zauberhaften Stimmungen, die man da erlebt – das
grelle mediterrane Licht, obwohl man das Meer nicht sieht; der
kaltblaue Himmel, wenn die Tramontana von den Alpen bläst; dann
wieder, wenn Saharastaub die Atmosphäre färbt, ein Ambiente wie in
Afrika. Für mich als Kameramann ist Licht das kostbarste
Rohmaterial.“
pre-tv-Produzent Nikolaus Wisiak: „Dieser Film hebt sich von der
üblichen Machart des internationalen Naturfilms deutlich ab. So ein
Experiment ist immer gewagt, und alle Beteiligten bangen bis zum
Schluss, ob die Sache aufgeht. Als dann am Ende alle Film-Elemente
zusammenkamen , hat dieser Film alle, die ihn zum ersten Mal sahen,
zutiefst berührt. Das liegt nicht nur an Rolando Menardis
meisterhaftem Umgang mit Naturlicht. Es ist einfach eine ehrliche
Geschichte, eine Dokumentation im eigentlichen Sinn des Wortes. Das
spürt man von der ersten bis zur letzten Minute – und das gibt es
heute nicht mehr oft. Allen Förderern sei hiermit der Dank des Teams
ausgesprochen.“
Textautor Klaus Feichtenberger: „Zum Glück konnte ich meinem alten
Kumpel Rolando einmal vor Ort begleiten, die Pferde und diesen
magischen Platz erleben und Profirio kennenlernen. Natürlich habe ich
Tausende Fotos gemacht und sie mir daheim immer wieder angesehen. Auf
der Giara wurde mir klar, was hier meine Herausforderung war: den
Text möglichst authentisch zu gestalten, so authentisch, wie es
Rolandos Bilder sind.“
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