Die Belastung der Kinder- und Jugendhilfe durch die Corona-Krise:

Der Dachverband der Österreichischen Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen (DÖJ) macht auf die hohe Belastungssituation in der stationären Jugendhilfe aufmerksam.

Die stationäre Jugendhilfe in Österreich betreut etwa 8.000 Kinder und Jugendliche, die wegen „Kindeswohlgefährdung“ nicht in ihrer Herkunftsfamilie leben können. Die meisten werden von insgesamt etwa 5.000 SozialpädagogInnen in Wohngemeinschaften rund um die Uhr betreut. Diese Tätigkeit gehört zu den „Systemrelevanten Berufen“, wird aber in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen.

Während manche wirtschaftlichen Unternehmen ihre Produktion in der Krise herunterfuhren, ist in der stationären Jugendhilfe das Gegenteil der Fall: Diese muss unter sehr erschwerten Bedingungen nun wesentlich mehr arbeiten.

Die MitarbeiterInnen in der stationären Kinder- und Jugendhilfe leisten Großartiges, sind im Dauereinsatz und halten das System bisher am Laufen. Würden sie wegbrechen, stünden 1000e Kinder, die keine Eltern haben, bei denen sie wohnen können, auf der Straße. Oder sie müssten mangels Alternativen wieder in eine bedrohliche Familiensituation zurückkehren. In manchen größeren Einrichtungen melden sich als Plan B dankenswerterweise freiwillige MitarbeiterInnen, die mit der Gruppe in Quarantäne gehen.

Der DÖJ macht auf die überaus hohen Belastungen der MitarbeiterInnen in den stationären Jugendhilfeeinrichtungen aufmerksam und fordert eine fixe Zusage der Übernahme der Mehrkosten sowie eine bessere Unterstützung in Bezug auf Testungen und Schutzausrüstung.

Als gravierende Belastungsfaktoren nennt der DÖJ:

  • Große Verunsicherung wegen des Ansteckungsrisikos für MitarbeiterInnen: Denn eine Abgrenzung ist bereits im normalen sozialpädagogischen Alltag schwierig. Und erst recht, wenn Kinder in Quarantäne gestellt werden müssen und dennoch die Betreuung aufrechtzuerhalten ist. “Social Distancing“ ist in diesem Arbeitsfeld kaum möglich.
  • Das deutlich gestiegene Aggressions- und Angstpotential von traumatisierten jungen Menschen in der Situation des „Eingesperrt“ sein bringt die SozialpädagogInnen und die Kinder selbst an ihre Grenzen.
  • Gestiegener Arbeitsaufwand durch den Ausfall von MitarbeiterInnen und wegen vieler Mehrstunden, da keine Schulzeiten und kaum Besuchszeiten daheim von den betreuten Kindern gegeben sind.

Durch die Corona-Krise erhöht sich generell der Bedarf an aktuellen Hilfen für gefährdete Kinder in Familien. Gleichzeitig verringern sich ihre Unterstützungsmöglichkeiten durch ambulante Hilfen. Die meisten Hausbesuche von SozialarbeiterInnen als präventives Unterstützungsangebot sind abgesagt.

Auch zukünftig wird sich als Folge der Corona-Krise die wirtschaftliche Lage für Kinder in den bisher schon armutsgefährdeten Familien verschärfen und viele neue Kinder werden zu dieser Gefährdungsgruppe dazukommen. Der Bedarf an Kinder- und Jugendhilfe wird bei gleichzeitiger Brisanz an öffentlichen Mitteln deutlich steigen.

Vorerst bleibt dem DÖJ und der Gesellschaft nur ein großes Dankeschön an die MitarbeiterInnen in der Kinder- und Jugendhilfe.

Rückfragen & Kontakt:

Dachverband Österreichischer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen
Dr. Hubert Löffler
GF DÖJ
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