14 Tage COVID-19 Maßnahmen in Österreich – Gewaltschutzzentren und Zusammenschluss Österreichischer Frauenhäuser ziehen erste Bilanz

Erste Zahlen der Opferschutzeinrichtungen bestätigen: Derzeit kein Anstieg der ausgesprochenen Betretungs- und Annäherungsverbote oder der Gesamtzahl an betreuten Personen

Erste vorliegende Zahlen der Opferschutzeinrichtungen bestätigen: Seit dem Inkrafttreten der Beschränkungen kann kein Anstieg sowohl hinsichtlich der ausgesprochenen Betretungs- und Annäherungsverbote als auch bei der Gesamtzahl an betreuten Personen beobachtet werden

In weiten Teilen Österreichs ist es weder in den Gewaltschutzzentren noch in den Frauenhäusern seit Beginn der COVID-19 Maßnahmen zu erhöhter Beratungstätigkeit oder Aufnahmen gekommen. Die Gründe für diese Entwicklung können vielfältig sein, erst im Laufe der Zeit wird man konkrete Faktoren erkennen können. Sowohl der Dachverband der Gewaltschutzzentren als auch der Zusammenschluss der Österreichischen Frauenhäuser (ZÖF) sind sich einig: „Wir wissen in Wirklichkeit nicht, wie sich einzelne Faktoren der Maßnahmen auf das Zusammenleben im Familiensystem auswirken werden. Sollte es in weiterer Folge zu erhöhter Nachfrage kommen, sind wir jedenfalls gut vorbereitet.“

Marina Sorgo, Bundesverbandsvorsitzende der Gewaltschutzzentren Österreichs, zeichnet ein beruhigendes Szenario: „Menschen, die in Konfliktsituationen im Familienverband bisher nicht gewalttätig waren, werden es auch in diesen Zeiten nicht werden. Ich bin sogar zuversichtlich, dass die Entschleunigung dazu beitragen kann, dass in Familien neue Konfliktstrategien erprobt werden können. Ein erhöhtes Risiko sehe ich jedoch für Familien mit einer Vorgeschichte der Gewalt, die derzeit auch existenzbedrohende Probleme und Ängste haben.“

Genau das thematisiert auch Michaela Gosch vom Zusammenschluss Österreichischer Frauenhäuser: „Wir rechnen damit, dass in Familiensystemen, die schon vor den Maßnahmen von Gewalt geprägt waren, mit Fortdauer des Ausnahmezustandes ein erhöhtes Eskalationsrisiko besteht.“ Ebenso sieht Gosch aber die derzeit geltenden Maßnahmen auch als möglichen Hemmschuh für den Ausstieg aus einer Gewaltbeziehung bzw. für die Aufnahme in einem Frauenhaus: „Das völlige Wegbrechen vertrauter und sichererer Strukturen wie zum Beispiel Schule, Kindergarten, Job, Großeltern etc. kann natürlich auch dazu führen, dass es für Opfer von Gewalt noch viel schwieriger ist, die eigenen vier Wände zu verlassen. Es ist das letzte Stückchen Sicherheit, das einzig noch Vertraute und Bekannte. Die Leidensfähigkeit könnte steigen und der Leidensdruck müsste vermutlich weiter zunehmen, um den Schritt ins derzeit völlig Ungewisse zu wagen.“

Sowohl Sorgo als auch Gosch weisen ausdrücklich darauf hin, dass Schutz und Hilfe in Zeiten der COVID-19 Maßnahmen weiterhin zur Verfügung stehen und auch aktiv kommuniziert werden müssen: „Wichtig ist es jetzt zu vermitteln, dass das Gewaltschutzsystem auch in Krisenzeiten funktioniert. Sowohl die Gewaltschutzzentren als auch die Frauenhäuser bieten weiterhin ihre Unterstützungsleistungen an. In den Frauenhäusern stehen österreichweit weiterhin genügend Plätze zur Verfügung.“

Ebenso wichtig ist es den beiden Verbänden, auf die Hilfsangebote für Gefährder hinzuweisen. Die Männerberatungsstellen und der Verein NEUSTART, der seit Beginn der Maßnahmen vor allem die Betreuungsintensität für Täter im Bereich der häuslichen Gewalt erhöht hat, bieten für auch weiterhin telefonische Beratung in Krisensituationen an.

Michaela Gosch, Stv. Vorsitzende ZÖF – Zusammenschluss Österreichischer Frauenhäuser

Marina Sorgo, Vorsitzende des Bundesverbandes der Gewaltschutzzentren Österreichs

Rückfragen & Kontakt:

Michaela Gosch, Stv. Vorsitzende ZÖF – Zusammenschluss Österreichischer Frauenhäuser
Tel. 0664 / 8289986
www.frauenhaeuser-zoef.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF0010