Coronakrise: vidaflex fordert „Bleib da! - Bonus“ von 1.000 Euro im Monat für alle 24-Stunden-Betreuungskräfte

Gewerkschaftliche EPU-Initiative wendet sich mit offenem Brief an Bundes- und Landespolitik sowie Wirtschaftskammer: Das müssen uns die Menschen Wert sein!

Wien (OTS) - Mit der Forderung nach Umsetzung eines bundesweit einheitlichen und steuerfreien „Bleib da! – Bonus“ in Höhe von 1.000 Euro pro Monat für alle in Österreich tätigen 24-Stunden-Betreuungskräfte, wendet sich Christoph Lipinski, Experte für 24-Stunden-Betreuung in der gewerkschaftlichen Initiative für Ein-Personen-Unternehmen und Neue Selbstständige, vidaflex, mit einem offenen Brief an Gesundheitsminister Rudolf Anschober, die niederösterreichische Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister sowie an Robert Pozdena, Obmann der Fachgruppe Personenberatung und Personenbetreuung in der Wirtschaftskammer Niederösterreich.

„Das muss Österreich die Sicherung der Betreuung der rund 60.000 älteren zu Hause betreuten Menschen wert sein und das müssen uns auch die hier hart arbeitenden Menschen in der 24-Stunden-Betreuung wert sein. Um den drohenden Exodus von 24-Stunden BetreuerInnen zu stoppen, müssen jetzt sofort unbürokratische Maßnahmen zum Wohle aller gesetzt werden“, bekräftigt Lipinski.

Der offene Brief im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Bundesminister Anschober,

Sehr geehrte Frau Landesrätin Teschl-Hofmeister,

Sehr geehrter Herr Obmann Pozdena,

„Wir haben in Österreich das Modell der 24-Stunden-Betreuung als Provisorium legalisiert, weil uns die Situation der Betreuung alter Menschen entglitten ist und es Österreich peinlich war, dass sogar ein ehemaliger Bundeskanzler ein illegales Modell nutzen musste.

Klar war aber immer schon, dass das aktuelle Modell ein unwürdiges ist. Wir suchen uns hierfür Regionen aus, in denen den Menschen das Wasser derart bis zum Hals steht, dass sie fast jede Arbeit, um jeden Preis machen müssen. Daneben schaffen wir Rahmenbedingungen für die 24-Stunden-Betreuung, die eine Schutzlosigkeit sicherstellen. Einerseits sollte keine Mindestqualifikation für diese Aufgabe erforderlich sein, um die hier Tätigen - in überwiegender Zahl Frauen - ja nicht sofort durch andere, denen das Wasser noch mehr bis zum Hals steht, ersetzbar zu machen. Andererseits geben wir den skrupellosesten Agenturbetreibern mit einer einzigartigen Inkassomöglichkeit das Werkzeug in die Hand, um die Frauen vollends über den Tisch ziehen zu können.

Warum kam es damals zu einem politischen Konsens, dieses Modell zu legalisieren? Eine der Bedingungen war, dass es kein Dauerzustand sein sollte und zum anderen ging man davon aus, dass der Markt es schon richten wird. Wie bei allen anderen Missständen auch nicht, regelt der Markt aber auch hier gar nichts. Im Gegenteil: Vielmehr verstärken die Marktkräfte die schlechte Situation der 24-Stunden-BeteuerInnen noch, weil sich ein Netzwerk an Agenturen gebildet hat, welches sich vom Ausnutzen armer Frauen in faktisch rechtlosem Zustand nährt.

Aktuell hat sich im Zusammenspiel mit Bundesförderungen aus dem Sozialministerium und mit Landesgeld von Niederösterreich ergeben, dass gestern, Montag, fast 300 Frauen für die 24-Stunden-Betreuung eingeflogen wurden. Das war nötig, weil uns die Coronakrise daran erinnert hat, dass wir in der Betreuung unserer Eltern- und Großelterngeneration die Hausaufgaben nicht gemacht haben. Wir sind abhängig von „Arbeitsmärkten“ anderer Länder und um unter zwei Euro brutto in der Stunde finden wir in Österreich niemand, der diese Arbeit machen will. Denn zwei Euro pro Stunde sind eine unwürdige Bezahlung, und davon könnte man in Österreich auch nicht leben.

Auch jetzt fühlen wir uns offensichtlich nicht schäbig genug, dieses System zu tolerieren und weiter zu fördern, indem auch die Flüge für die 24-Stunden-BetreuerInnen mit öffentlichen Mitteln bezahlt werden und sich die Politik dafür medial feiern lässt. Geschätzte Damen und Herren der Politik und Wirtschaftskammer, finden Sie es wirklich so derart feierwürdig, knapp 300 Frauen für zwei Wochen unbezahlt in Quarantäne einzusperren? Wir haben Steuergeld für Luftbrücken, damit das Einkommen der Agenturen gesichert ist, aber für hart arbeitende Frauen haben wir kein Geld mehr?

Sehr geehrte Damen und Herren, ich fordere Sie daher im Namen von vidaflex und aller 24-Stunden-BetreuerInnen auf, einen bundesweiten einheitlichen und steuerfreien „Bleib da! - Bonus“ pro Monat in Höhe von 1.000 Euro für alle in Österreich tätigen 24-Stunden-Betreuungskräfte umzusetzen. Zudem müssen die eingeflogenen Frauen auch für die Zeit in der Quarantäne fair bezahlt werden. Das muss Österreich die Sicherung der Betreuung der rund 60.000 älteren zu Hause betreuten Menschen wert sein und das müssen uns auch die hier hart arbeitenden Menschen in der 24-Stunden-Betreuung wert sein. Um den drohenden ‚Exodus‘ von 24-Stunden BetreuerInnen zu stoppen, müssen jetzt sofort unbürokratische Maßnahmen zum Wohle aller gesetzt werden.

Mit erwartungsvollen und freundlichen Grüßen

Mag. (FH) Christoph Lipinski

Experte für 24h Betreuung vidaflex Wien

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Mag. (FH) Yvonne Heuber
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