SPÖ-Klubtagung (2): Freiwilligen-Woche an Schulen, Fair-Pay für Kulturschaffende und Cooling-Offensive

Wien (OTS/RK) - Die Klubtagung der Wiener SPÖ in Frauenkirchen wurde heute, Montag, mit den Präsentationen der Stadträtinnen und Stadträte fortgesetzt.

Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler präsentierte eine „Fair-Pay“-Initiative für Kulturschaffende. „Das Wiener Kulturbudget im laufenden Jahr umfasst 26 Millionen Euro, also um 10 Prozent mehr gegenüber dem Vorjahr“, erinnerte Kaup-Hasler. Das zusätzliche Geld für die Kultur soll in Zukunft prekäres Arbeiten in der Kunst- und Kulturlandschaft Wiens verhindern. „Künstlerische Arbeit, ist Arbeit. Und die gilt es auch fair zu bezahlen“, sagte Kaup-Hasler. Ein Kriterium für die Vergabe von Fördergeldern durch die Stadt an Kultur- und Kunst-Initiativen ist künftig auch ein Mindestlohn für Kunstschaffende. Über die Interessensgemeinschaften (IG) wurden mit der freien Szene Honoraruntergrenzen freischaffender KünstlerInnen festgelegt, die seit Jänner als Empfehlung für zukünftige Einreichungen bei der MA 7 gelten. „Wir stehen nicht für eine Politik der hohlen Worte, sondern für soziale Kulturpolitik. Wir tun, wir machen, wir schaffen. Für die Menschen, mit den Menschen“, sagte Kaup-Hasler. Außerdem stellte die Kulturstadträtin weitere Details zum „Kultur-Token“ vor. Die Stadt belohnt umweltfreundliches Verhalten wie die Nutzung von Öffis mit Gratis-Eintritt zu Kulturveranstaltungen. Rund 1.000 Test-User sammeln bereits „Token“. Außerdem will Kaup-Hasler die „kulturelle Nahversorgung“ in den Bezirken weiter ausbauen. Projekte wie „Stadtlabore“, die Aktion „Bezirksmuseen reloaded“, die „Ankerzentren“ und „Shift“ werden fortgesetzt und unterstützen Vereine und Kunstschaffende, die sich in den letzten Jahrzehnten in den Bezirken etabliert haben, so Kaup-Hasler. Außerdem regte die Kulturstadträtin „ein Wissenschafts-Vermittlungs-Museum für Kinder, ein zweites Zoom“ an. Dieses zweite Haus solle ergänzend zum Kinder-Museum im siebten Bezirk an einem der Flächenbezirke als „architektonisches Landmark“ entstehen. „Wien ist reich an Vielfalt, sie drückt sich im Angebot bei der Kultur aus. Und Kultur verbindet Menschen“, erinnerte Kaup-Hasler.

Bildungsstadtrat Czernohorszky: Gratis-Ganztagsschule und Ehrenamts-Initiative kommen

Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky meinte, jedes Wiener Kind, das dieser Tage auf die Welt komme, werde „aller Voraussicht nach“ das Jahr 2100 erleben. Deswegen sei es „heute unsere politische Verantwortung“, dieses Jahr nicht als „Science Fiction“ zu betrachten, sondern entsprechend zu handeln – im Sinne der Zukunft dieser Kinder. Wien sei daher auf dem Weg zu „kinder- und jugendfreundlichsten Stadt unserer Zeit“, sagte Czernohorszky. „Alle Parteien reden davon, wie wichtig die Kinder sind. Der Unterschied ist: Wir reden nicht nur davon, wir machen das.“

Wien führe die kostenfreie Ganztagsschule ein, sagte Czernohorszky. Er nannte die verschränkte Ganztagsschule die „beste Form von Lernen“, weil hier der Schultag klar und sinnvoll strukturiert sei - mit Lern- und Freizeitphasen“; auch der soziale Status der Eltern falle in ganztägigen Schulen kaum ins Gewicht, so Czernohorzsky. In der Ganztagsschule spiele es keine Rolle, ob das Kind zu Hause ein eigenes Zimmer oder einen Computer habe. Die Vorteile dieser Schulform würden BildungsexpertInnen auf der ganzen Welt bestätigen.

Zu den 63 bestehenden, verschränkten Schulstandorten in Wien kämen ab dem kommenden Schuljahr 2020/21 sieben weitere Standorte dazu: der neue Bildungscampus am Nordbahnhof mit Volksschule und neuer Mittelschule; die Volksschulen Grundäckergasse in Favoriten; die Längenfeldgasse in Meidling, sowie die Liesinger Volksschulen Breitenfurter Straße, Erlaaer Schleife und Carlbergergasse. Insgesamt biete Wien damit ab Schuljahresstart 63 Volksschulen und sieben Mittelschulen in verschränkter Form. „Hier zünden wir den Turbo bei den Ganztagsschulen“, so Czernohorszky.

Diese 70 Standorte würden nun - zehn Jahre nach Einführen des gratis Kindergartens - für Eltern beitragsfrei, inklusive Mittagessen. Das Angebot werde von der Stadt ausgebaut, jedes Jahr kämen bis zu zehn neue Standorte dazu, sagte Czernohorszky. Zum kommenden Schuljahresbeginn würden 17.000 SchülerInnen vom kostenfreien Angebot profitieren, und jedes neue Schuljahr kämen „bis zu 4.000 Kinder zusätzlich“ dazu.

Czernohorzsky zog auch Bilanz über die „Werkstadt Junges Wien“, dem „größten Kinder- und Jugendbeteiligungsprogramm Österreichs“ aus dem Vorjahr. Mehr als 22.000 junge Wienerinnen und Wiener hätten an Workshops teilgenommen - als Ergebnis entstehe daraus die „Wiener Kinder- und Jugendstrategie“, die Czernohorszky für die kommenden Wochen ankündigte. Sie werde „verbindlich für alle Politikfelder gelten“ und als „Wegweiser“ dienen. Eine Erkenntnis beim Auswerten der Antworten der jungen Menschen sei, dass „sich Kinder und Jugendliche engagieren wollen. Das ist nicht die Generation Selfie, das ist die Generation Selbstlos.“ Es sei für Erwachsene „beschämend“, wieviel junge Menschen bereits gemeinsam für die Gesellschaft tun wollen. Für die letzte Schulwoche zwischen 25. Juni und 2. Juli kündigte Czernohorszky die Initiative „Einfach machen“ an. In der „Ehrenamtswoche für Schulklassen“ werde ein „breites Angebot“ an Aktivitäten angeboten, zusammengestellt von sozialen Einrichtungen, NGOs und Vereinen, um am „Kitt in der Gesellschaft“ zu arbeiten. Allesamt würden sie auf „die aktive Mitarbeit der Kinder und Jugendlichen“ aufbauen, so Czernohorszky; abgewickelt werde die Ehrenamtswoche von wienXtra, wo Schulklassen auch ihre Projekte einreichen könnten.

Umweltstadträtin Sima: Wien wird Klimaschutz-Musterstadt

Im Kampf gegen die Auswirkungen des Klimawandels setze die Stadt auf das Motto „Raus aus dem Asphalt, rein ins coole Grätzl“, kündigte Umweltstadträtin Ulli Sima an. Neben 16 Hektar neuer Parkanlagen, wie dem Elinor-Ostrom-Park in der Seestadt oder die „Freie Mitte“ im Stadtentwicklungsgebiet Nordbahnhof werde die Stadt auch verstärkt Rasen-Gleise bei den Wiener Linien und Vertikal-Begrünung an Gebäuden umsetzen. Neben der Förderung für Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer will die Stadt auch selbst 10 städtische Fassaden begrünen. Eine Fassade mit kühlenden Pflanzen erhalten unter anderem das Umspannwerk in der Kendlerstraße, Stationsgebäude in der Spittelau sowie zwei Gemeindebauten.

Wo keine neuen Bäume gepflanzt werden können – acht Millionen Euro reserviert die Stadt dafür übrigens – können Bezirke künftig Grün-Module bestellen. Die „begrünten Inseln“ sollen in besonders heißen Straßen enstehen. „Im Zuge von Bürgerbeteiligung soll im Bezirk gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern entscheiden, wo auf Parkplätze verzichtet und Grün geschaffen werden kann“, erklärte Sima.

Weiterhin bereitstellen will die Stadt 2,3 Millionen Euro Förderung für Bezirke für Cooling-Maßnahmen, etwa Nebelduschen oder Wasser-Vorhängen für besonders heiße Plätze. „Leuchtturm-Projekte“ wie der Cooling-Park im Esterhazy-Park, bei dem Nebelduschen und Wasserfontänen die Umgebung um sechs Grad nach unten kühlen, sollen auch an anderen Plätzen umgesetzt werden. Nach demselben Prinzip werde das „Tröpferlbad“ am Schlingermarkt in Floridsdorf entstehen. Und auch “schwimmende Gärten“ bei der Kaiserbadschleuse am Donaukanal werden nach einem Rechtsstreit mit einem ehemaligen Donaukanal-Pächter noch bis zum Herbst umgesetzt, sagte Sima.

Neu ausgerollt wird auch eine Smartphone-App, die sämtliche „Cooling Points“ in der Stadt und in der näheren Umgebung anzeigt – also Bäder, Gewässer, oder Brunnen. „Wien ist schon jetzt gut gerüstet für heiße Sommer. Und diese Infos zu kühlen Orten in der Umgebung kann jetzt jeder sofort abrufen“, sagte Sima.

Wien setze auch weiter auf die Förderung von Außenrollos. „Die sind ökologischer als die Anschaffung einer Klimaanlage“, betonte Sima. Bis zu 1.500 Euro Förderung gibt es für Rollos von der Stadt.

„Das Thema Fernkälte bekommt in Zeiten von steigenden Temperaturen in der Stadt durch den Klimawandel größere Bedeutung“, sagte Sima. Fernkälte ist ein „ökologischer Weg, große Gebäude zu kühlen. 65 Millionen Euro investieren wir als Stadt in diesen Bereich.“ Dabei funktioniert die Fernkältezentrale der Wien Energie wie ein Kühlschrank. Abgekühltes Wasser wird zum Kunden geschickt, warmes Wasser fließt zurück. Gekühlt wird durch Sonnenenergie, andere erneuerbare Energiequellen oder aus der Energie, die aus der Müllverbrennung gewonnen wird. Neben dem bereits bestehenden Fernwärme-Ring entsteht in der Stadt ein neuer Fernkälte-Ring. Das erste Stück des Rings um die City werde beim Donaukanal schon gebaut, so Sima. Das Fernkälte-Netz werde in den nächsten Jahren laufend ausgebaut; bis 2030 soll die ganze Innenstadt versorgt sein, inklusive Spitäler wie dem AKH und der Rudolfstiftung.

„Der Klimawandel ist die größte Herausforderung, die wir als Menschheit jemals zu bewältigen hatten“, sagte Sima. Insgesamt verfolge die Stadt ein Programm mit 50 konkreten Punkten, um den CO2-Ausstoß in der Stadt deutlich zu reduzieren und auf die Klima-Erwärmung zu reagieren: „Unser Ziel ist es, die Klima-Musterstadt Europas zu werden.“ (Forts.) ato/esl

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