Österreichische Lehrlinge: gesundheitliche Beschwerden und ungesunder Lebensstil

Wien (OTS) - Eine neue Studie, durchgeführt im Fachbereich Kinder- und Jugendgesundheit des Instituts für Gesundheitsförderung und Prävention und finanziert aus den Mitteln „Gemeinsame Gesundheitsziele aus dem Rahmen-Pharmavertrag“ sorgt für Aufregung: Sie zeigt wesentlich schlechtere Ergebnisse als bei der im Jahr 2019 vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz veröffentlichten HBSC Schüler*innen-Studie. An der Lehrlingsstudie nahmen über 2.000 Lehrlinge aus verschiedenen Ausbildungssparten in ganz Österreich teil.

„Besonders stechen die Ergebnisse bei Indikatoren der psychischen Gesundheit weiblicher Lehrlinge hervor, die nicht nur schlechter im Vergleich zu Schülerinnen, sondern auch im Vergleich zu männlichen Lehrlingen sind“, meint die Studienleiterin Dr. Felder-Puig. Anlass zur Sorge gibt auch die hohe Zahl an Raucher*innen. Über 50% der Lehrlinge beider Geschlechter rauchen aktuell Zigaretten, davon etwas mehr als die Hälfte täglich. Dabei sinkt die Zahl der Zigaretten-Raucher*innen bei ungefähr gleichaltrigen Schüler*innen schon seit Jahren kontinuierlich ab, sowohl in Österreich als auch in vielen anderen Ländern. Zudem sind die Übergewichtsraten von 20% bei weiblichen und 28% bei männlichen Lehrlingen als sehr hoch zu bezeichnen. Aber nicht nur übergewichtige, sondern auch viele normal- und untergewichtige Lehrlinge ernähren sich nicht besonders gesund: So nimmt insgesamt nicht einmal ein Fünftel täglich Obst und/oder Gemüse zu sich. Dafür konsumiert fast die Hälfte der Lehrlinge mehrmals pro Woche Fastfood Speisen und Energy Drinks.

Zwei Drittel bis drei Viertel – je nach Fragestellung, aber großteils ohne Unterschiede zwischen den Geschlechtern – sind mit ihrer Lehrausbildung, ihrer Tätigkeit als Lehrling, ihrem Lehrbetrieb und dem Betriebsklima recht zufrieden. Von den Arbeitsbelastungen, denen Lehrlinge ausgesetzt sind – die häufigsten sind viel Stehen und schweres Heben – sind wiederum sozialer Stress und Über- oder Unterforderung jene Faktoren, die die stärksten Zusammenhänge mit gesundheitlichen Beschwerden und emotionalem Unbehagen zeigen.

Es wäre wichtig, die jungen Menschen bei der Bewältigung ihrer Probleme und der Entwicklung eines positiven Gesundheitsverhaltens zu unterstützen, deshalb enthält der Studienbericht auch zahlreiche Handlungsempfehlungen, die gemeinsam mit einem Projektbeirat, dem Vertreter*innen von zwei Ministerien (Gesundheit, Bildung), Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer, Netzwerk Offene Jugendarbeit und Fonds Gesundes Österreich sowie ein Experte für Betriebliche Gesundheitsförderung angehören, formuliert wurden. Davon sollen nicht nur die Lehrlinge persönlich profitieren, sondern auch Gesellschaft und Wirtschaft, die dringend gesunde, leistungsfähige und motivierte Fachkräfte benötigen.

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Institut für Gesundheitsförderung und Prävention GmbH
Rosemarie Felder-Puig
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