- 19.02.2020, 10:23:57
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Schnabl/Schuh: Das Klimaticket als Autoschlüssel der Zukunft
1, 2 oder 3? Wir wollen ein Klimaticket für sauberen, öffentlichen Verkehr
Utl.: 1, 2 oder 3? Wir wollen ein Klimaticket für sauberen,
öffentlichen Verkehr =
St. Pölten (OTS) - Was für viele Menschen heute noch der
Autoschlüssel ist, soll in Zukunft das leistbare Öffi-Ticket sein.
Sauberer Verkehr ist ein wesentlicher Beitrag zum Umwelt- und
Klimaschutz. „Dazu soll ein österreichweites Klimaticket eingeführt
werden – um drei Euro am Tag für alle Öffis, also Bahn, Bus und
U-Bahn“, erklärt SPÖ NÖ Landesparteivorsitzender, LHStv. Franz
Schnabl. Der SPÖ-Plan sieht ein mehrstufiges Modell vor: Für zwei
Euro am Tag sind zwei Bundesländer abgedeckt, um einen Euro am Tag
ein Bundesland. „Damit Öffis für noch mehr Menschen eine Alternative
zum Auto werden, müssen sie günstiger, schneller und komfortabler
werden“, sagt Schnabl. Die SPÖ NÖ hat unter noe1euro.spoe.at eine
Petition für das 365-Euro-Öffi-Jahresticket gestartet, diese
Forderung erhält durch das bundesweite 1-2-3-Ticket-Vorhaben
Unterstützung.
Für ihn sei ein derart günstiges Ticket eine gewaltige Verbesserung,
„aber natürlich muss es einhergehen mit dem Ausbau der Infrastruktur
und der Kapazitäten.“ Schon derzeit seien die Öffis in den
Stoßzeiten, also dann, wenn PendlerInnen sie brauchen, oft stark
überfüllt. „Eine Vergünstigung der Ticketpreise wird die Nachfrage
steigen lassen. Deshalb muss es gleichzeitig einen Ausbau bei
Infrastruktur und Frequenzen geben“, weist Schnabl hin: „Denn was
nützt mir ein Ticket für einen Euro pro Tag, wenn ich in einer
Gemeinde im Wald- oder Weinviertel wohne, in dem einmal am Tag der
Bus in die nächste Bezirkshauptstadt fährt?“ Die Weststrecke der Bahn
würde beispielsweise von viel mehr Fahrgästen genützt als die Südbahn
–deshalb, weil sie besser ausgebaut ist, die Züge schneller und öfter
fahren.
Nebenbahnen in Niederösterreich wieder revitalisieren
„Die Einstellung der Nebenbahnen in Niederösterreich – etwa die
Donauuferbahn oder die Ybbstalbahn – war keine schicksalshafte
Entwicklung, sondern eine falsche Entscheidung der ÖVP“, erklärt
Schnabl: „Wir brauchen ein breites Angebot, mit Verbindungen, damit
jeder in einer angemessenen Zeit rechtzeitig in die Arbeit kommt.“
Schnabl nennt einige Beispiele, die im Zuge seiner vielen Gespräche
an ihn herangetragen wurden:
So habe Schnabl etwa eine junge Frau aus dem Waldviertel erzählt,
dass man für eine Strecke, für die man mit dem Auto etwa 15 Minuten
benötigt, mit öffentlichen Verkehrsmitteln – inklusive zwei Mal
umsteigen – knapp eineinhalb Stunden braucht und es dann auch nicht
möglich wäre, acht Stunden täglich zu arbeiten – „weil nämlich kein
Bus mehr zurückgeht“, sagt Schnabl: „Mit dem Auto kann man noch
bequem im Supermarkt einkaufen und das Kind ohne Stress vom
Kindergarten abholen. Hier muss man ansetzen.“
Ein junger Waldviertler braucht für genau 11,1 Kilometer mindestens
56 Minuten mit den Öffis, aber nur 13 Minuten mit dem Auto. „Für
viele ist einfach die Fahrzeit entscheidend – denn es geht am Abend
oft darum, dass man wenigstens eine Chance haben will, die Kinder in
der Früh in die Schule zu bringen, ihnen am Abend vielleicht noch was
vorzulesen, mit ihnen Abend zu essen und sie ins Bett zu bringen“,
weiß Schnabl: „Deswegen brauchen wir neben einem kostengünstigen
Ticket, schnelle und komfortable Verbindungen, damit diese auch
angenommen werden. Wir müssen attraktive Angebote bieten, damit die
Menschen auch auf die Öffis umsteigen. Solange vielerorts ein
Arbeitsweg von 15 Kilometern mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bis
zu zwei Stunden dauern kann, ist das Angebot zu wenig attraktiv.“
Auch der Langenloiser Gemeinderat Christian Schuh weiß in seiner
Region um die Notwendigkeit, endlich den öffentlichen Verkehr
auszubauen. „Bei der Einstellung der Nebenbahnen sind nicht die
Menschen im Mittelpunkt gestanden, die hier leben und zur Arbeit
fahren müssen, sondern man wollte Touristenattraktionen schaffen“,
erklärt er, „touristische Angebote schaffen ist wichtig, aber kurze,
kostengünstige Arbeitswege für NiederösterreicherInnen sind das
Wichtigste. Denn wenn die Anbindungen nicht passen, wird auch der
ländliche Raum ausgedünnt. Schlechte Erreichbarkeit einer Region
beschleunigt die Landflucht.“
Deswegen sei klar, dass Niederösterreich funktionierenden
öffentlichen Verkehr, ausgebaute Straßen, aber auch ein ausgebautes
Mobilfunknetz und Breitbandanschluss sowie eine Förderung des
Handwerks braucht, sagt Schuh: „Denn es geht dabei nicht nur um die
Lebensqualität in ländlichen Räumen, sondern auch darum, dass
innovative Start-Ups und renommierte Unternehmen auch da arbeiten
können, wo es schön ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man mit
einem Unternehmen, das jungen, gut ausgebildeten Menschen Jobs bieten
kann, unbedingt im Großstadtmief unterwegs sein will, wenn man auch
mit Blick auf den Schneeberg, auf das Voralpenpanorama oder die
Waldviertler Blockheide wunderbar arbeiten könnte.“
Für ihn steht fest, dass die Nord-Süd-Verbindungen aus dem Wald- und
Weinviertel ausgebaut werden müssen, aber auch regional Verbindungen
notwendig sind, dass die Bezirkshauptstädte Horn, Gmünd, Waidhofen an
der Thaya und Zwettl mit dem Zug erreichbar sein müssten. „Dazu
brauchen wir eine Verbesserung der bestehenden Verkehrsmittel – wie
der Franz-Josefs-Bahn, der Kampftalbahn – und eine Reaktivierung der
Waldviertel und Donauuferbahn sowie der Strecke Zwettl – Schwarzenau
– Waidhofen, wo es derzeit nur Güterverkehr gibt.“ Notwendig sei
ebenso ein massiver Ausbau der P&R-Anlagen, aber auch
Park&Drive-Anlagen, um Fahrgemeinschaften zu forcieren.
Schuh regt auch eine App an, bei der Öffi-NutzerInnen eine komplette
Übersicht über alle Angebote haben.
SPÖ NÖ für kilometerbezogenes Pendlerpauschale
Schnabl spricht sich auch gegen ein ökologisiertes und für ein
kilometerbezogenes Pendlerpauschale aus: „Die SPÖNÖ steht an der
Seite derer, die oft gar keine andere Möglichkeit haben, als mit dem
Auto zu fahren, weil verabsäumt wurde, den ländlichen Raum angepasst
an Arbeitsleben bzw. Freizeitvergnügen kostengünstig ans öffentliche
Verkehrsnetz anzubinden. Höhere Kosten für PendlerInnen durch eine
Besteuerung von CO2 kommen für uns nicht in Frage. Der öffentliche
Verkehr muss massiv ausgebaut werden, die Taktverbindungen enger
gestaltet und ein leistbarer Zugang ermöglicht werden. Die Pendler
aber ohne Chance auf einen Umstieg zur Kasse bitten zu wollen, geht
gar nicht. Die Grünen sind herzlich eingeladen, im Flächenbundesland
Niederösterreich zu versuchen von einer Ecke in die andere zu fahren.
Ich sage nur: 17 Stunden Fahrzeit.“
Die Reform des bestehenden Pendlerpauschales begrüßen wir
ausdrücklich, das braucht aber eine sozial gerechtere Verteilung –
jene, die ohnehin weniger haben können am Ende nicht noch weniger
rausbekommen. Daher spricht sich die SPÖ NÖ für ein
kilometerbezogenes Pendlerpauschale aus, weil die jetzige Regelung
Menschen mit hohem Einkommen bevorzugt, jene mit niedrigeren
Einkommen benachteiligt. Ebenso sei es mit dem Dieselprivileg – keine
Mehrbelastung, solange günstigere, bessere Möglichkeiten fehlen.
„Sonst hat das keinen Lenkungseffekt, sondern ist eine Abzocke der
Klein- und Mittelverdiener“, sagt Schnabl. Den Pilotversuch mit 140
km/h auf der Autobahn bezeichnet er als „Showeinlage“ der FPÖ, die
der Vergangenheit angehören sollte. Die Bemühungen der
Verkehrsministerin, wieder Bewegung in das Thema der verpflichtenden
Abbiegeassistenten zu bringen und einzuführen, halte Schnabl für
wichtig: „Es ist wichtig, im Verkehr das Hauptaugenmerk auf die
schwächsten Verkehrsteilnehmer zu legen. Das sind Kinder, Fußgänger
und Radfahrer. Daher muss alles getan werden schnellstmöglich eine
Lösung in diesem gefährlichen Bereich herbeizuführen.“
Für die Regionen Niederösterreichs das Beste herausholen
Die Argumente politischer Mitbewerber, wer nicht gegen den
Lobautunnel auftrete oder den Ausbau von Straßen im Waldviertel, sei
nicht für Umwelt- und Klimaschutz, lässt Schnabl nicht gelten: „In
ländlichen Gebieten gibt es keine Straßen- und U-Bahnen – und bei
Klima- und Umweltschutz geht es nicht darum, die Uhren soweit
zurückzudrehen, als gerade das Rad erfunden wurde. Es geht um den
Ausbau des öffentlichen Verkehrs – und unabhängig davon wird es
weiter notwendig sein, Fahrten mit dem Auto zu erledigen bzw. wird es
immer Regionen und Ortschaften geben, wo man auf das Auto angewiesen
ist. Auch hier sind Investitionen notwendig.“ Man dürfe nicht nur von
den Gegebenheiten im urbanen Gebiet ausgehen, wo alle zehn Minuten
ein öffentliches Verkehrsmittel fährt: „Wir wollen etwa die
Elektrifizierung von Bahnlinien vorantreiben, wollen, dass Bahnlinien
nicht weiter geschlossen bzw. wieder revitalisiert oder Akkuzüge
ausgebaut werden. Das wurde bisher versäumt – zum Nachteil
zigtausender Menschen sowie der Umwelt und des Klimas.“ Auch die
Stellplatzproblematik an den Verkehrsknotenpunkten ist Realität:
260.000 PendlerInnen dürfen sich um 40.000 PKW-Stellplätze raufen.
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