- 17.02.2020, 11:16:27
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„Schwesternherz“: „kreuz und quer“ erzählt die Geschichte einer indischen Nonne“ – am 18. Februar um 22.30 Uhr in ORF 2
Danach: „Maria Stromberger – Kann man nach Auschwitz noch glauben?“
Utl.: Danach: „Maria Stromberger – Kann man nach Auschwitz noch
glauben?“ =
Wien (OTS) - Frauen gelten Männern als unterlegen, häusliche Gewalt
gehört zum Alltag, und der Teufelskreis vererbter Armut hat die
Menschen fest im Griff: Das sind Merkmale jener
Gesellschaftsschichten in Indien, die die Nonne Lucy Kurien zu
verändern sucht. Doch am Beginn ihres Wirkens stand ein für sie
traumatisches Erlebnis, wie die „kreuz und quer“-Dokumentation
„Schwesternherz“ am Dienstag, dem 18. Februar 2020, um 22.30 Uhr in
ORF 2 zeigt.
Um 23.25 Uhr folgt ein Porträt Maria Strombergers, die am 1. Oktober
1942 ihren Dienst als Krankenschwester in Auschwitz antrat.
Stromberger hatte sich freiwillig um die Anstellung beworben, nachdem
sie Berichte über die Gräuel im Osten gehört hatte.
„Schwesternherz“ – Ein Film von Roland Horvath und Carmen Zimmermann
Lucy Kurien entstammt einer katholischen Großfamilie und ist als
Tochter eines Bauern in einem Dorf im Südosten des indischen
Subkontinents aufgewachsen. Als junge Frau beschließt sie, angesichts
des großen Elends in den Slums der Millionenmetropole Mumbai einem
Schwesternorden beizutreten. Sie will helfen und die Not der Armen
lindern. Doch obwohl sie Kontakt zu den Slumbewohnerinnen und
Slumbewohnern hat, sind die Möglichkeiten der Unterstützung für die
junge Ordensschwester sehr eingeschränkt. Als eine Frau stirbt, die
Sr. Lucy zuvor um Schutz gebeten hatte, ist dies für sie ein
Schlüsselerlebnis: Sie entscheidet sich, die Klostermauern zu
verlassen. Die engagierte Ordensfrau wird zur Gründerin eines
Hilfsprojektes, das sich all jener annimmt, die sonst niemanden
haben.
Indien mit seinen rund 1,2 Milliarden Einwohnerinnen und Einwohnern
ist ein Land der Gegensätze. Die moderne Entwicklung erreicht nur
einen kleinen Teil der Bevölkerung. Nach wie vor leben viele
Inderinnen und Inder in Armut. Vor allem die Schwächsten der
Gesellschaft – alte Menschen, Frauen und Kinder – sind davon
betroffen. Inmitten dieser Zustände hilft die katholische
Ordensschwester Lucy Kurien Bedürftigen mit der von ihr gegründeten
Organisation „Maher“, was in der indischen Sprache Marathi „Haus der
Mutter“ bedeutet. Unter dem Dach der Organisation werden mehr als 20
interreligiöse Projekte betrieben: Heime für Kinder, alte Menschen,
Frauen mit psychischen Problemen, junge Schwangere, die von ihren
Familien verstoßen wurden und nicht wissen, wohin sie sich sonst
wenden sollen.
„In der indischen Gesellschaft fühlen sich die Männer den Frauen
immer überlegen“, erklärt Sr. Lucy. Häusliche Gewalt sei
allgegenwärtig und wenn die Frauen dem Druck nicht mehr Stand
hielten, landeten viele von ihnen auf der Straße. Da sind auch junge
Mädchen wie Rani, die im Film anonym ihre Geschichte erzählt; sie
wurde vergewaltigt und anschließend – aus Angst vor dem drohenden
Gesichtsverlust in der konservativ geprägten Gesellschaft – von ihrer
Mutter verstoßen. Alte Frauen und Männer werden von ihren Familien
bei Tempeln oder Moscheen ausgesetzt. „Maher“ nimmt diese Menschen
auf, versorgt die Alten, kümmert sich um die Frauen und Kinder,
bemüht sich um eine Reintegration in die Gesellschaft.
Aufklärungsprogramme sollen gegen Diskriminierung wirken und das
Bewusstsein dafür schaffen, dass Frauen gleichwertig sind. Vor allem
die Kinder stehen bei Maher im Zentrum – für sie hat die NGO viele
kleine Häuser geschaffen, in denen jeweils etwa 20 Kinder mit zwei
bis drei Hausmüttern leben. „Wir wollen Werte wie Liebe und Fürsorge
weitergeben“, erzählt die Maher-Gründerin in der Dokumentation. Denn
was diese verlassenen und vernachlässigten Kinder wirklich bräuchten,
das sei Liebe und Zuwendung. „Und natürlich auch Bildung“, so Sr.
Lucy. Der Maher-Ansatz ist dabei ein ganzheitlicher: Es gehe um eine
wertorientierte Bildung, erzählt die Ordensschwester weiter. „Damit
wir etwas Besseres von diesen Kindern erhoffen dürfen.“
Die Dokumentation „Schwesternherz“ der österreichischen Filmemacher
Roland Horvath und Carmen Zimmermann begleitet Sr. Lucy Kurien bei
ihrer Arbeit mit den Hilfsbedürftigen und zeigt deren Geschichten und
Schicksale. Auch Sr. Lucy Kurien erzählt in dem Film ihre ganz
persönliche Geschichte: von ihrer Kindheit in einer Großfamilie
voller Liebe und Verbundenheit, die sie geprägt hat; von ihrem
inneren Antrieb, der sie leitet; von ihren Überzeugungen und ihren
Idealen. Entstanden ist ein Film, der Hoffnung, Mut und die positive
Kraft der Ermutigung zeigt.
„Maria Stromberger – Kann man nach Auschwitz noch glauben?“ – Ein
Film von Anita Lackenberger
Maria Strombergers Arbeitsplatz – die SS-Krankenstation – befand sich
in unmittelbarer Nähe zum Krematorium und zur Gaskammer von Auschwitz
I. Sie wurde Zeugin der tagtäglichen brutalen Gewalt und der
menschenverachtenden Behandlung der Häftlinge. Stromberger blieb
jedoch nicht tatenlos und wurde zu einer wichtigen Helferin des
Lagerwiderstandes. Sie trug wesentlich dazu bei, das Wissen über
Auschwitz nach außen zu tragen.
Nach dem Krieg wurde sie von den Alliierten zunächst interniert und
erst nach Interventionen der polnischen Regierung freigelassen. 1947
war sie schließlich eine wichtige Zeugin bei den Auschwitz-Prozessen
in Warschau, besonders mit ihrer Aussage gegen Rudolf Höß, den
KZ-Kommandanten von Auschwitz. Maria Stromberger fühlte sich jedoch
in dieser neuen Nachkriegswelt, in der Welt des Kalten Krieges,
allein gelassen: In Österreich – sie lebte in Vorarlberg – erinnert
man sich nicht mehr gerne an das dunkle Kapitel des
Nationalsozialismus. Maria Stromberger stirbt 1957, im Alter von 59
Jahren, in Bregenz an einer Herzkrankheit.
Die Dokumentation „Maria Stromberger – Kann man nach Auschwitz noch
glauben?“ von Anita Lackenberger und Gerhard Mader (Produktion West)
führt zu den wichtigsten Stationen im Leben der mutigen
Krankenschwester. Dazu gehören Auschwitz, Kärnten, Vorarlberg und Yad
Vashem in Israel, die Gedenkstätte für die Opfer des Holocaust.
Ausschnitte aus Originalfilmen geben Einblicke in die Verhandlungen
der Auschwitz-Prozesse. Die Doku wirft auch neues Licht auf den
Umgang mit nationalsozialistischen Verbrechen im Österreich der
Nachkriegszeit. Zu Lebzeiten wurde sie vergessen, jetzt erinnert
„kreuz und quer“ an Maria Stromberger.
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