Verdeckte Werbung für Hofer auf „oe24.at“

Wien (OTS) - Der Senat 3 des Presserats beschäftigte sich aufgrund einer Mitteilung eines Lesers mit den Beiträgen „Hofer bringt High-End-Gaming-PC“ sowie „Hofer verkauft erstmals einen 3D-Drucker“, beide erschienen im September 2019 auf „oe24.at“. Nach Meinung des Senats handelt es sich bei den Beiträgen um nicht gekennzeichnete Werbung für die Handelskette Hofer bzw. die dort beschriebenen Produkte.

In den Beiträgen wird detailliert über technische Geräte berichtet, die aktuell bei Hofer erhältlich seien; zudem werden die Gerätepreise genannt. Die Geschäftsführerin von Hofer teilte auf Anfrage des Presserats mit, dass die beiden Artikel auf Presseaussendungen basieren, die im Rahmen des Tagesgeschäfts an einen breiten Adressatenkreis versandt worden seien. Es entziehe sich dem Einflussbereich Hofers, ob ein Medium eine Presseaussendung in der Berichterstattung aufgreife. Zuletzt wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es keine Kooperation mit „oe24.at“ gebe und es sich dabei auch nicht um bezahlte Beiträge handle. Die Medieninhaberin nahm nicht am Verfahren teil.

Der Senat verweist auf seine bisherige Entscheidungspraxis, wonach es den Lesern möglich sein muss, zwischen Werbung und redaktionellen Beiträgen unterscheiden zu können. Auch wenn eine Werbung ohne Bezahlung – also allein aus Gefälligkeit – erbracht wird, ist sie als solche zu kennzeichnen. Sowohl der 3D-Drucker wie auch der „High-End-Gaming-PC“ sind durch die Angabe des Herstellers sowie der Typenbezeichnung genau identifizierbar, zudem wird Hofer als anbietende Handelskette angeführt. Den Lesern gegenüber werden die dargestellten Geräte wie in einer Werbebroschüre präsentiert; die verschiedenen Ausstattungsmerkmale werden angepriesen. Darüber hinaus werden die Geräte in den Beiträgen auch abgebildet und die Gerätepreise explizit genannt. Der 3D-Drucker wird als „günstiges Einstiegsgerät“, der „High-End-Gaming-PC“ gar als „Absolutes Performance-Monster“ bezeichnet. Nach Auffassung des Senats sollten die Leser hier zum Kauf animiert werden. Da die Beiträge im Hinblick auf die Gestaltung und das Schriftbild wie ein redaktioneller Artikel aufbereitet wurden, hätte eine Kennzeichnung als „Werbung“, „Anzeige“ oder dergleichen erfolgen müssen. Die aus medienethischer Sicht erforderliche Unterscheidbarkeit zwischen Werbung und redaktionellen Inhalten wurde missachtet. Der Senat stellt daher einen Verstoß gegen die Punkte 3 (Unterscheidbarkeit) und 4 (Einflussnahmen) des Ehrenkodex für die österreichische Presse fest und fordert „oe24.at“ auf, die Entscheidung freiwillig bekanntzugeben.

SELBSTÄNDIGES VERFAHREN AUFGRUND EINER MITTEILUNG EINES LESERS

Der Presserat ist ein Verein, der sich für verantwortungsvollen Journalismus einsetzt und dem die wichtigsten Journalisten- und Verlegerverbände Österreichs angehören. Die Mitglieder der Senate des Presserats sind weisungsfrei und unabhängig. Im vorliegenden Fall führte der Senat 3 des Presserats aufgrund einer Mitteilung eines Lesers ein Verfahren durch (selbständiges Verfahren aufgrund einer Mitteilung). In diesem Verfahren äußert der Senat seine Meinung, ob eine Veröffentlichung den Grundsätzen der Medienethik entspricht.
Die Medieninhaberin von „oe24.at“ hat von der Möglichkeit, an dem Verfahren teilzunehmen, keinen Gebrauch gemacht.
Die Medieninhaberin von „oe24.at“ hat die Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats bisher nicht anerkannt.

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Wolfgang Unterhuber, Tel.: 05-9030-22760

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