Belvedere 21: Herbert Brandl. Exposed to Painting. Die letzten zwanzig Jahre

Ausstellung von 31. Jänner bis 24. Mai 2020

Herbert Brandls ausdrucksstarke Malerei ist gleichsam romantisch wie visionär. Die kraftvollen Gesten, mit denen der Künstler Berge, Flüsse oder Farbflächen auf die Leinwand bannt, verweisen immer auch auf den Prozess des Malens selbst
Generaldirektorin Stella Rollig
Sowohl auf der Ebene der Sujets als auch in der Geisteshaltung sind immer wieder Überschneidungen zwischen der Bildsprache der Romantik und Brandls Werk zu beobachten
Kurator Rolf H. Johannsen
Nicht die an der Wirklichkeit orientierte Wiedererkennbarkeit von Natur ist Brandls Ziel, vielmehr die Erfassung der Form, die ins Ideale, aber auch Heroische reichen kann: Punkte, an denen Christoph Ransmayr mit seinen literarischen Texten zu ausgewählten Gemälden ansetzt, die originärer Bestandteil der Ausstellung sind.
Kurator Rolf H. Johannsen

Wien (OTS) - Mit seinen großformatigen Bildwelten zählt Herbert Brandl zu den erfolgreichsten österreichischen Malern der Gegenwart. Das Belvedere würdigt sein Schaffen der vergangenen zwanzig Jahre, das von der Auseinandersetzung mit diversen Erscheinungsformen von Natur geprägt ist.

„Herbert Brandls ausdrucksstarke Malerei ist gleichsam romantisch wie visionär. Die kraftvollen Gesten, mit denen der Künstler Berge, Flüsse oder Farbflächen auf die Leinwand bannt, verweisen immer auch auf den Prozess des Malens selbst“, so Generaldirektorin Stella Rollig.

Das Naturmotiv dominiert Brandls Œuvre und kommt vielseitig zum Ausdruck. Mit Bildern, die den Blick ins Monumentale öffnen, sowie „Zoom-ins“ und „Blow-ups“ wechselt er zwischen Nah- und Fernsichten. Große Gebirgsformationen, imposante Wasserfälle und stimmungsvolle Auenlandschaften stehen neben intimen Nahaufnahmen von Rasen- und Wiesenstücken aus dem Mikrokosmos des eigenen Gartens. Brandl spielt mit expressiven Gesten, abstrakten Farbräumen und mächtigen Formgebilden. Seine Kunst entfaltet sich im Malvorgang: rasch, intuitiv, mit hohem körperlichem Einsatz, ohne vorausgeplantes, zielgerichtetes Vorgehen. Im Spannungsverhältnis von Figuration und Abstraktion oszillieren Brandls Arbeiten zwischen dem Wiedererkennungswert von Natur und den Sinneseindrücken von Farbe und Form. In den neuesten Werken lässt Herbert Brandl das Gegenständlich-Landschaftliche weitgehend hinter sich und legt den Focus auf die Wirkung reiner Farbe.

Die Ausstellung im Belvedere 21 präsentiert Brandls malerisches Œuvre mit dem Schwerpunkt auf Arbeiten der vergangenen beiden Jahrzehnte bis hin zu Werken, die der Künstler eigens für die Ausstellung geschaffen hat. Eine monumentale neue Arbeit trägt den ironisch-pointierten Titel Apokalypse zur schönen Aussicht. Flankiert wird das Triptychon von unheilverheißenden „nachapokalyptischen“ Bronze-Kreaturen. Sowohl auf der Ebene der Sujets als auch in der Geisteshaltung sind immer wieder Überschneidungen zwischen der Bildsprache der Romantik und Brandls Werk zu beobachten, hält Kurator Rolf H. Johannsen fest. Nicht die an der Wirklichkeit orientierte Wiedererkennbarkeit von Natur ist Brandls Ziel, vielmehr die Erfassung der Form, die ins Ideale, aber auch Heroische reichen kann: Punkte, an denen Christoph Ransmayr mit seinen literarischen Texten zu ausgewählten Gemälden ansetzt, die originärer Bestandteil der Ausstellung sind.“

Brandls Zugang zur Natur ist dennoch ein zeitgemäßer. Der Künstler setzt sich mit den Umweltproblemen des 21. Jahrhunderts bewusst auseinander und tritt auch als engagierter Umweltschützer auf. Sein künstlerisches Interesse an der Natur erhält eine konkret politische Dimension, wenn er durch die Wahl seiner Motive auf bedrohte Naturräume wie die Schwarze Sulm oder die Koralpe in der Steiermark verweist. Beiden Landschaften hat Herbert Brandl zahlreiche Werke gewidmet. Er artikuliert damit einen stillen, aber deutlichen Appell zum Schutz der Natur – eine Geste, die in Zeiten der fortschreitenden Umweltzerstörung und des Klimawandels aktueller nicht sein könnte.

Herbert Brandl wurde 1959 in Graz geboren und ist in Schwanberg/Steiermark aufgewachsen. Er besuchte die Hochschule für angewandte Kunst in Wien bei Herbert Tasquil und Peter Weibel. Von 2004 bis 2019 lehrte Brandl als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. Er lebt und arbeitet in Wien und Schwanberg. Seit den 1980er-Jahren sind Herbert Brandls Werke in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen. Er nahm 1992 an der documenta IX in Kassel teil und vertrat 2007 Österreich bei der Biennale in Venedig.

Mit Ultra Hybrid im Kunsthaus Graz und Bad Romance im Künstlerhaus, Halle für Kunst & Medien in Graz sind ihm 2020 weitere Einzelausstellungen in Österreich gewidmet. Die drei Ausstellungen werden von eigenständigen Katalogen begleitet, in denen das vielschichtige Werk des Künstlers bis hin zu aktuellsten Positionen dargestellt wird.

Der Pressetext sowie hochauflösende Pressebilder stehen hier zum Download bereit.

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