• 20.01.2020, 10:48:46
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  • OTS0071

Zum 75. Geburtstag: „Kardinal Christoph Schönborn – Hirte und Krisenmanager“ im „kreuz und quer“-Porträt

Am 21. Jänner um 22.35 Uhr in ORF 2; danach: „Ein Samurai im Vatikan“

Utl.: Am 21. Jänner um 22.35 Uhr in ORF 2; danach: „Ein Samurai im
Vatikan“ =

Wien (OTS) - Am 22. Jänner 2020 feiert Kardinal Christoph Schönborn
seinen 75. Geburtstag, 2020 darf er auch auf eine Amtszeit von 25
Jahren als Erzbischof von Wien zurückblicken. Im Oktober 2019 hat
Schönborn – das muss jeder katholische Bischof anlässlich seines
bevorstehenden 75. Geburtstags tun – sein Rücktrittgesuch bei Papst
Franziskus eingereicht. Damit wird in absehbarer Zeit, sobald der
Papst das Rücktrittsgesuch annimmt, für die katholische Kirche in
Österreich eine Ära zu Ende gehen. In der „kreuz und
quer“-Dokumentation „Kardinal Christoph Schönborn – Hirte und
Krisenmanager“ zeichnet Regisseur Peter Beringer am Dienstag, dem 21.
Jänner, um 22.35 Uhr in ORF 2 ein vielschichtiges Porträt des
renommierten Kirchenmannes, dem Weggefährten und Beobachter
nachsagen, im Lauf seiner Amtszeit aus Erfahrungen viel gelernt zu
haben.

In Sevilla lagert ein japanisches Pergament, das eine ungewöhnliche
Geschichte erzählt: Anfang des 17. Jahrhunderts brachen der Samurai
Hasekura Tsunenaga und der Franziskanermönch Luis Sotelo gemeinsam
von Japan auf, um mit dem Papst und der spanischen Krone über die
Eröffnung einer neuen Seestraße als Alternative zum Seeweg nach
Indien zu verhandeln. Als sie die Segel Richtung Mexiko setzten,
ahnten sie noch nicht, dass ihre Reise sieben Jahre dauern und bis in
den Vatikan führen würde, wie die „kreuz und quer“-Dokumentation „Ein
Samurai im Vatikan“ um 23.20 Uhr zeigt.

„Kardinal Christoph Schönborn – Hirte und Krisenmanager“ – Ein Film
von Peter Beringer

1995 trat der Dominikanerpater Christoph Schönborn sein neues Amt als
Erzbischof von Wien an – in den turbulenten Zeiten der Krise um
seinen Vorgänger Hans Hermann Groer, dem man sexuellen Missbrauch an
Zöglingen vorwarf. Der als moderat konservativ geltende Ordensmann
Schönborn, zuvor Wiener Weihbischof, ab 1998 auch Mitglied des
Kardinalskollegiums, erwies sich bald als kirchlicher Krisenmanager –
und überraschte manche Kritikerinnen und Kritiker mit
reformorientierten Entscheidungen und kompromissloser Aufklärung der
kirchlichen Missbrauchsskandale.

Die gesellschaftlich-säkulare „Großwetterlage“ ist unwirtlich:
Kirchenaustritte und ein überalterter Klerus mit wenig Nachwuchs
stellen den „Hirten“ Schönborn und die katholische Kirche in
Österreich vor eine schwierige Situation. Aber auch das
konfliktreiche Kirchenleben hielt den Wiener Erzbischof in Atem:
Kämpferisch konservative Kreise kritisierten die Bemühungen
Schönborns um pastorale Lösungen – etwa bei wiederverheirateten
Geschiedenen oder im Fall jenes Pfarrgemeinderats, der in einer
homosexuellen Partnerschaft lebt, und dessen Wahl Schönborn gegen den
Willen des Ortspfarrers bestätigte. Gruppen wie die
Pfarrer-Initiative oder die Plattform „Wir sind Kirche“ kritisieren
hingegen den Reformstau, fordern weiterhin die Zulassung von Frauen
zum Weiheamt – und von verheirateten Männern zum Priesteramt: eine
Frage, die in jüngster Zeit unter Papst Franziskus auch auf
weltkirchlicher Ebene wieder diskutiert wird.

In Österreich, aber auch international hat Kardinal Schönborn als
Krisenmanager Beachtung gefunden: Schon in der Affäre um seinen
Vorgänger Hans Hermann Groer fand er – nach einem ersten
unglücklichen Medienauftritt – klare Worte. Nach den 2010 bekannt
gewordenen kirchlichen Missbrauchsfällen, die bis in die 1960er Jahre
zurückreichten und eine Welle von Kirchenaustritten bewirkten, schwor
Schönborn die teilweise unsicheren Mitglieder der Bischofskonferenz
auf einen klaren Aufklärungskurs ein. 2019 sorgte der Kardinal für
Aufsehen, als er mit der ehemaligen Ordensfrau Doris Wagner vor die
Kamera trat und dem Missbrauchsopfer versicherte, er glaube ihrer
Geschichte. In der Flüchtlingskrise 2015 mahnte der Kardinal,
„hinzuschauen und zu helfen“ – und übte zugleich Selbstkritik: Bei
der Hilfe seitens der Kirche sei noch „Luft nach oben“.

Am 1. Dezember 2017 setzte Schönborn einen weiteren vielbeachteten
Schritt: Im Wiener Stephansdom hielt der Kardinal erstmals einen
Gedenkgottesdienst zum Weltaidstag, bei dem der rund 36 Millionen
Menschen gedacht wurde, die bisher an Aids verstorben waren. „Es gibt
eine schwierige Tradition zwischen dem Thema HIV/Aids und der Kirche,
weil es natürlich Themen berührt wie Sexualität, Lust und auch
gleichgeschlechtliche Sexualität“, so Life-Ball-Organisator Gery
Keszler, der am Gottesdienst teilnahm und betonte: „Dass wir in
Österreich einen Kardinal haben, der sich im Sinne der Nächstenliebe
auch sehr sorgt, und auf Menschen, denen es schlecht geht, ohne
Vorurteile zugeht, macht mich sehr, sehr glücklich.“

Die „kreuz und quer“-Dokumentation geht der familiären Herkunft
Schönborns aus adeligem Hause nach, beschreibt seinen Werdegang als
Dominikaner und Theologe. Wie denkt der Kardinal über Reformen und
die innerkirchlichen „heißen Eisen“? Was ist für ihn das Eigentliche
des christlichen Glaubens? Und wie verbindet er seine
Intellektualität mit einem volksnahen Glauben? Zu einzelnen Stationen
und auch Irritationen in seiner Zeit als Wiener Erzbischof und
Kardinal kommen unter anderen zu Wort: der Schriftsteller Peter
Turrini, den eine lange und kritische Freundschaft mit Schönborn
verbindet, Helmut Schüller, Schönborns früherer Generalvikar und Chef
der Pfarrer-Initiative; der Pastoraltheologe Paul M. Zulehner; die
exkommunizierte Vorsitzende der Plattform „Wir sind Kirche“, Martha
Heizer; Pater Karl Wallner von der Päpstlichen Hochschule
Heiligenkreuz; die Theologin Regina Polak und der Journalist Heiner
Boberski.

„Ein Samurai im Vatikan“ – Ein Film von Stéphane Bégoin
(ORF-Bearbeitung: Doris Hochmayr)

Warum tragen 600 Einwohnerinnen und Einwohner der südspanischen
Kleinstadt Coria del Río den Familiennamen „Japón“? Es handelt sich
um das Erbe einer ungewöhnlichen Expedition, die 400 Jahre
zurückliegt: Im Oktober 1613 ging der Samurai Hasekura Tsunenaga im
Auftrag des Herrschers Date Masamune im japanischen Sendai an Bord
der Galeone „San Juan Bautista“. Neben Händlern, Kriegern und
spanischen Seeleuten schiffte sich auch der spanische
Franziskanermönch Luis Sotelo ein, der fließend Japanisch sprach. Die
Gesandtschaft wollte vom spanischen König Philipp III. und von Papst
Paul V. die Erlaubnis einholen, eine neue Seestraße neben der
Gewürzroute nach Indien zu eröffnen; im Gegenzug sollten christliche
Missionare nach Japan geschickt werden.

Bei seinem Aufbruch ahnte Hasekura Tsunenaga noch nicht, dass die
Reise sieben Jahre dauern und ihn über die Weltmeere zu den
mächtigsten Herrschern des Westens und der westlichen Kolonien führen
sollte. Mit einem neuen Namen und einem neuen Religionsbekenntnis
kehrte er in sein Heimatland Japan zurück, das sich unterdessen
völlig gewandelt hatte. Wer war dieser japanische Samurai? Was ist
über seine Beweggründe bekannt und was über die tatsächlichen
Hintergründe der Expedition?

Vier Jahrhunderte nach Tsunenaga besucht der Geschichtsprofessor
Jésus San Bernardino von der Universität Sevilla Originalschauplätze
und Archive, um die Hintergründe der langen Seereise aufzudecken. In
Acapulco, Sevilla, Madrid und im Vatikan sucht er nach Berichten von
Zeitgenossen, die den Mitgliedern der Gesandtschaft begegnet sind und
Gegenstände oder Wissen mit ihnen ausgetauscht haben. Die
Dokumentation zeichnet anhand von unveröffentlichtem Archivmaterial
Tsunenagas Werdegang vom Samurai zum Weltbürger im Spannungsfeld
wirtschaftlicher, politischer und religiöser Fragen nach.

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