- 15.01.2020, 11:53:45
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- OTS0089
Statistik: Knapp 5 Millionen Katholiken in Österreich
Gesamtzahl der Katholiken in Österreich liegt 2019 bei 4,98 Millionen - Zahl der Kirchenaustritte angestiegen: 67.583 Personen verließen im vergangenen Jahr die katholische Kirche - Nach wie vor aber stabile Seelsorgestrukturen - Kirchenbeitragseinnahmen auf 474 Millionen Euro gestiegen
Utl.: Gesamtzahl der Katholiken in Österreich liegt 2019 bei 4,98
Millionen - Zahl der Kirchenaustritte angestiegen: 67.583
Personen verließen im vergangenen Jahr die katholische Kirche
- Nach wie vor aber stabile Seelsorgestrukturen -
Kirchenbeitragseinnahmen auf 474 Millionen Euro gestiegen =
Wien (KAP) - Die Katholikenzahl in Österreich ist im letzten Jahr
leicht zurückgegangen und weitgehend stabil. Das ergeben die am
Mittwoch von den österreichischen Diözesen veröffentlichten
Statistiken. Demnach gab es mit Stichtag 31. Dezember 2019 in
Österreich 4,98 Millionen Katholiken. 2018 waren es laut amtlicher
Statistik der Österreichischen Bischofskonferenz 5,05 Millionen
Katholiken. Das entspricht einem Rückgang von 1,35 Prozent. Die
amtliche Kirchenstatistik 2018 wurde ebenfalls am Mittwoch
veröffentlicht.
Die Zahl der Kirchenaustritte ist 2019 gegenüber dem Vorjahr um 14,9
Prozent gestiegen. Insgesamt traten 67.583 Personen im Jahr 2019 aus
der katholischen Kirche aus. 2018 waren es laut amtlicher Statistik
58.807. Die Kirchenaustritte haben im Vergleich zu den vergangenen
Jahren zugelegt. 2017 verließen 53.698 Katholiken die Kirche. Die
Diözesen melden für 2019 allerdings unterschiedlich starke Anstiege.
Die Kirchenverantwortlichen orten mehrere Gründe für die hohen
Austrittszahlen. "Vielen Jugendlichen fehlt oftmals schon jede Form
eines einfachen Kontaktes mit der Kirche", so etwa der Innsbrucker
Bischof Hermann Glettler in einer Aussendung. Die Kirche müsse
deshalb verstärkt Initiativen setzen, um die jungen Menschen wieder
zu erreichen, so der Bischof. Aus anderen Diözesen gab es am Mittwoch
ähnliche Stellungnahmen.
Andererseits waren für die hohen Austrittszahlen auch die Kontroverse
um die Diözese Klagenfurt oder das Wiederaufflammen der
Missbrauchsdebatte mitverantwortlich. Das hob etwa der Wiener
Diözesansprecher Michael Prüller hervor. Der Anstieg der
Kirchenaustritte in der Erzdiözese Wien habe im Herbst 2018 begonnen
und sich im ersten Halbjahr 2019 unvermindert fortgesetzt. "Wir sehen
aber, dass sich seit Oktober 2019 die Austritte wieder normalisiert
haben", so Prüller. Freilich: "Auch wenn die Austrittswelle wieder
vorbei ist, verpflichten uns diese Zahlen zu größerer Anstrengung."
Die Erzdiözese Wien meldete für 2019 19.198 Personen, die aus der
katholischen Kirche austraten (2018: 17.367).
Österreich ist aber immer noch - im Vergleich zu vielen anderen
europäischen Ländern - ein sehr stark katholisch geprägtes Land. Gehe
die Entwicklung so wie bisher weiter, werde es jedoch "in zehn bis 20
Jahren zu großen Umbrüchen" kommen, betonte die Wiener
Pastoraltheologin Prof. Regina Polak mit Blick auf die aktuelle
Kirchenstatistik im "Kathpress"-Interview. Die Kirchenbindung sei bei
der älteren Generation noch gegeben, für immer mehr junge Menschen
habe Religion aber immer weniger Lebensrelevanz. Polak sprach deshalb
im Blick auf die demografischen und religionssoziologischen
Entwicklung von einer "tektonischen Plattenverschiebung", die sich in
naher Zukunft deutlich manifestieren werde.
Weniger Kircheneintritte, mehr Widerrufe
Mit Stichtag vom 31. Dezember 2019 wurden 4.564 Personen in die
Kirche wieder oder neu aufgenommen. Das ist um 13,25 Prozent weniger
als 2018 (5.261). Die Eintritte in die katholische Kirche sind damit
nach einigen Jahren der stetigen Zunahmen 2019 wieder zurückgegangen.
Maßgebliche Faktoren für den leichten Rückgang der Katholikenzahl
sind jedenfalls nicht nur das Verhältnis von Austritten zu
Kircheneintritten, sondern vor allem auch von Taufen zu Sterbefällen
und von Zuzügen zu Wegzügen.
Stabile Seelsorgestrukturen
Gleichzeitig mit den aktuellen Katholikenzahlen wurde am Mittwoch
auch die offizielle Statistik 2018 der Österreichischen
Bischofskonferenz veröffentlicht. Diese enthält auch eine Reihe von
pastoralen Kennzahlen. Die katholische Kirche in Österreich
verzeichnet demnach nach wie vor ein intensives Leben in den Pfarren
und anderen kirchlichen Einrichtungen.
Die Zahl der in Österreich wirkenden Priester ist 2018 aber wieder
leicht zurückgegangen: von 3.857 im Jahr 2017 auf 3.783 2018. Die
Zahl der Ständigen Diakone steigt hingegen: Die Statistik für 2018
weist 750 aus (2017: 712). Der längerfristige Trend scheint hier
eindeutig nach oben zu gehen. Die Zahl der Ordensmänner in Österreich
(Ordensbrüder und Ordenspriester) nimmt leicht ab (2018: 1.814, 2017:
1.920), ebenso verhält es sich auch bei den Ordensfrauen (2018:
3.453, 2017: 3.600).
Erstmals liegen "Kathpress" auch Meldungen über die hauptamtlichen
Laienseelsorger in den Diözesen vor. Darunter fallen etwa
Pastoralassistentinnen und -assistenten, Gemeindeleiter oder auch
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in speziellen Berufsfeldern wie der
Krankenhausseelsorge. Österreichweit sind demnach 1.436 Frauen und
Männer im pastoralen Dienst der Kirche tätig, wobei es mit 883
pastoralen Mitarbeiterinnen einen deutliche Mehrheit der Frauen
gegenüber den 553 Männern im selben Berufsfeld gibt.
Von Stabilität geprägt ist das österreichweit nach wie vor sehr
dichte Netz von Pfarrgemeinden: Die Statistik für 2018 weist
insgesamt 4.298 Pfarren und sonstige kirchliche Seelsorgestellen aus,
womit es praktisch keine Veränderungen zu 2017 gibt.
Die Zahl der Taufen ist 2018 mit 47.312 gegenüber dem Jahr davor
(48.990) etwas gesunken. Über mehrere Jahre betrachtet ergibt sich
aber eine sehr stabile Situation bei den Gesamtzahl an Taufen. Die
Zahl der Trauungen ist 2018 gegenüber dem Vorjahr gestiegen. 11.155
Paare schlossen 2018 den kirchlichen Bund der Ehe (2017: 10.808).
Die Zahl der kirchlichen Begräbnisse betrug 2018 52.484. Das ist ein
Rückgang gegenüber 2017 (53.846), ein deutlicher Trend in die eine
oder andere Richtung lässt sich hier über die Jahre betrachtet aber
nicht feststellen.
Rückläufig sind die Zahlen bei den Erstkommunionen, was vor allem
demografische Gründe hat. Die amtliche Kirchenstatistik für 2018
weist 48.072 Erstkommunionen aus. (2017: 48.734) Bei den Firmungen
weist die amtliche Kirchenstatistik für 2018 45.946 aus. Das ist ein
Anstieg gegenüber 2017 (44.839). Über einen längeren Zeitraum
betrachtet gegen die Zahlen allerdings zurück.
Deutlich rückläufig ist laut Statistik die Zahl der sonntäglichen
Gottesdienstbesucher. Wurden an den sogenannten "Zählsonntagen" 2018
zwischen rund 502.000 und 554.000 Messbesucher gezählt, so waren es
2017 noch zwischen rund 545.000 und 571.000.
Kirchenbeitragseinnahmen gestiegen
Die katholischen Diözesen in Österreich können für 2018 leichte
Steigerungen beim Kirchenbeitragsaufkommen und insgesamt fast
ausgeglichene Bilanzen verzeichnen. Das geht aus der österreichweiten
kirchlichen Gebarungsübersicht hervor, die ebenfalls am Mittwoch
veröffentlicht wurde. Der Großteil der Einnahmen der Diözesen stammt
aus dem Kirchenbeitrag. 2018 waren es knapp 474 Millionen Euro (knapp
75 Prozent der Gesamteinnahmen), 2017 lagen die Kirchenbeiträge bei
461 Millionen Euro. Zwei Drittel der Budgets sichern die kirchliche
Basisstruktur und die Seelsorge. So wurden laut Rechenschaftsbericht
für die Pfarren und die pastoralen Aufgaben insgesamt fast 416
Millionen Euro aufgewendet, was einem Anteil von rund 65 Prozent an
den Gesamtausgaben entspricht.
Insgesamt verzeichnen die Diözesen 2018 Gesamteinnahmen in der Höhe
von knapp 634 Millionen Euro (2017: 609 Millionen). Dem stehen
Aufwendungen von an die 639 Millionen Euro (2017: 602 Millionen)
gegenüber. Aufgrund eines positiven Finanzergebnisses weist die
Gebarungsübersicht der Diözesen insgesamt ein positives Ergebnis der
gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) in der Höhe von rund 4
Millionen Euro (2017: 23 Millionen) und ein Gesamtbudget von 642
Millionen Euro aus (2017: 625 Millionen).
Der Großteil der Ausgaben entfällt mit über 398 Millionen Euro (2017:
377 Millionen) auf die Personalkosten (rund 62 Prozent) für die
Tausenden Beschäftigten im kirchlichen Dienst. Dabei ist der
Personalaufwand für die Laienmitarbeiter höher als für den Klerus und
beträgt über 230 Millionen Euro (2017: 223 Millionen) bzw. 36 Prozent
der Aufwendungen. Beim Klerus schlagen rund 102 Millionen Euro (2017:
102 Millionen) an Personalkosten sowie 66 Millionen Euro für die
Altersversorgung (2017: 52 Millionen) zu Buche, was zusammen 26
Prozent der Aufwendungen ausmacht. Die Bau- und Erhaltungskosten
lagen 2018 bei 36 Millionen Euro (2017: 35 Millionen), was einem
Anteil von 6 Prozent an den Gesamtausgaben entspricht. Der restliche
Sachaufwand beinhaltet Zuschüsse für Pfarren und andere kirchliche
Stellen, Kosten für Instandhaltung, Material und Energie sowie
sonstige Ausgaben und machte 204 Millionen Euro (2017: 191 Millionen)
bzw. 32 Prozent aus.
Weitere Informationen zu den statistischen Angaben für 2019 sowie die
amtliche Kirchenstatistik 2018 finden sich unter:
www.katholisch.at/statistik
Zahlen und Fakten zu den Kirchenfinanzen:
http://kirchenfinanzierung.katholisch.at/kirchenfinanzen
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