„wochenblick.at“ diskriminiert Muslime als Tierquäler

Wien (OTS) - Der Senat 3 des Presserats beschäftigte sich mit dem Artikel „Schweden: Immer mehr grausame Tierquäler durch Migranten“, erschienen am 22.08.2019 auf „wochenblick.at“. Der Beitrag verstößt nach Meinung des Senats gegen Punkt 7 des Ehrenkodex für die österreichische Presse (Schutz vor Pauschalverunglimpfungen und Diskriminierung).

Im Artikel wird berichtet, dass es in der schwedischen Stadt Nässjö vermehrt Misshandlungen von Igeln und grausame Tötungen anderer Wildtiere gebe. Dies komme laut der Vorsitzenden der Tierfreunde „Animal Friends“ vor allem in Gebieten mit hoher Migrantendichte vor. Dem Artikel ist ein „Symbolbild“ beigefügt, das eine Moschee mit Minaretten vor einer schwedischen Fahne zeigt. Im Hintergrund ist ein gewittriger Himmel mit mehreren Blitzen erkennbar.

Ein Leser wandte sich an den Presserat und kritisierte das dem Artikel beigefügte Bild als diskriminierend. Die Medieninhaberin nahm am Verfahren vor dem Senat nicht teil.

Der Senat hält fest, dass im Artikel keine Urheber der Tierquälereien genannt werden. Lediglich unter Berufung auf ein Interview mit der Vorsitzenden von „Animal Friends“ in Nässjö wird angemerkt, dass diese „in Gegenden mit vielen Einwanderern“ stattgefunden hätten, dass die schwedische Moral es nicht zulasse, Tiere derart zu misshandeln, und dass es zwischen Schweden und anderen Ländern Unterschiede im Umgang mit Tieren gebe. Aussagen zur Nationalität oder zur Religion der mutmaßlichen Tierquäler finden sich im Artikel nicht.

Im Ergebnis vertritt der Senat die Ansicht, dass durch die Bildkomposition der Eindruck erweckt wird, der Islam bzw. Muslime seien Ursache bzw. Urheber der beschriebenen Tierquälereien. Dass diese Fälle einem Zitat zufolge „in Gegenden mit vielen Einwanderern“ stattgefunden hätten, reicht für diesen Zusammenhang nicht aus, ebenso wenig für die Formulierung „Immer mehr grausame Tierquälereien durch Migranten“ im Titel.

Der Senat fordert die Medieninhaberin auf, die Entscheidung freiwillig zu veröffentlichen oder darüber zu berichten.

SELBSTÄNDIGES VERFAHREN AUFGRUND EINER MITTEILUNG EINES LESERS

Der Presserat ist ein Verein, der sich für verantwortungsvollen Journalismus einsetzt und dem die wichtigsten Journalisten- und Verlegerverbände Österreichs angehören. Die Mitglieder der Senate des Presserats sind weisungsfrei und unabhängig.

Im vorliegenden Fall führte der Senat 3 des Presserats aufgrund einer Mitteilung eines Lesers ein selbständiges Verfahren durch. In diesem Verfahren äußert der Senat seine Meinung, ob eine Veröffentlichung den Grundsätzen der Medienethik entspricht.

Die Medieninhaberin von „wochenblick.at“ hat von der Möglichkeit, an dem Verfahren teilzunehmen, keinen Gebrauch gemacht.

Die Medieninhaberin von „wochenblick.at“ hat die Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats bisher nicht anerkannt.

Rückfragen & Kontakt:

Wolfgang Unterhuber, Sprecher des Senats 3, Tel.: 0664-80666-8600

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