AK-Präsident Kalliauer: Schluss mit dem Abstempeln älterer Arbeitsuchender

Wir brauchen eine Jobgarantie für Langzeitarbeitslose

Hat sich die Arbeitslosigkeit einmal verfestigt, ist es schwer, einen Job zu finden. Tausende Menschen einfach dem Markt zu überlassen, ist inakzeptabel. Die Politik muss eine Jobgarantie für ältere Arbeitsuchende verwirklichen und das Menschenrecht auf Arbeit endlich ernstnehmen
AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer
Menschen, die lange arbeitslos sind, werden einfach abgestempelt. Es braucht in der Arbeitsmarktpolitik einen Kurswechsel, der bei den Ursachen ansetzt. Das sind in erster Linie die viel zu wenigen Arbeitsplätze für diese Gruppe. Eine künftige Regierung sollte daher eine Jobgarantie für jene verankern, die sie am dringendsten benötigen. Das sind vor allem Arbeitslose ab 45
AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer
Eine Jobgarantie für Langzeitarbeitslose ab 45 ist in Österreich finanzierbar – mit dem notwendigen politischen Willen. Dafür sollen jene Betriebe, die Ältere überdurchschnittlich oft kündigen oder Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer systematisch beim AMS ‚zwischenparken‘, mehr in die Arbeitslosenversicherung einzahlen
AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer

Linz (OTS) - Der Konjunktur-Abschwung macht sich bereits am Arbeitsmarkt bemerkbar. Die Zahl jener, die in Österreich mehr als ein Jahr auf Jobsuche sind, hat sich seit der Wirtschaftskrise 2008/2009 mehr als verdoppelt – von 51.592 auf 131.066 Personen (plus 154 Prozent). In Oberösterreich hat sich die Zahl sogar verdreifacht – von 3.901 auf 12.637 Betroffene (plus 224 Prozent). „Hat sich die Arbeitslosigkeit einmal verfestigt, ist es schwer, einen Job zu finden. Tausende Menschen einfach dem Markt zu überlassen, ist inakzeptabel. Die Politik muss eine Jobgarantie für ältere Arbeitsuchende verwirklichen und das Menschenrecht auf Arbeit endlich ernstnehmen“, fordert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Damit könnten 40.000 Arbeitsplätze geschaffen werden.

Dazu kommt: Ältere Menschen, die maximal einen Pflichtschulabschluss oder gesundheitliche Probleme haben, hatten auch in der konjunkturellen Erholung ab 2016 kaum Chancen am Arbeitsmarkt. Vor allem, weil es viel zu wenig offene Stellen gibt. Für 366.000 Jobsuchende stehen aktuell nur rund 72.000 – beim AMS gemeldete – Stellen zur Verfügung. Selbst wenn man berücksichtigt, dass nicht alle offenen Jobs beim AMS gemeldet sind, wird sich die Rechnung nicht ausgehen.

Außerdem müssen sich Langzeitarbeitslose ganz hinten in der Schlange um die verfügbaren Jobs anstellen. Die Dauer der Arbeitslosigkeit ist wie ein negativer Stempel in ihren Lebensläufen. Laut Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) schafft es nicht einmal einer von 20 älteren Arbeitslosen, innerhalb von eineinhalb Jahren einen Job zu bekommen.

Menschen, die lange arbeitslos sind, werden einfach abgestempelt. Es braucht in der Arbeitsmarktpolitik einen Kurswechsel, der bei den Ursachen ansetzt. Das sind in erster Linie die viel zu wenigen Arbeitsplätze für diese Gruppe. Eine künftige Regierung sollte daher eine Jobgarantie für jene verankern, die sie am dringendsten benötigen. Das sind vor allem Arbeitslose ab 45“, fordert Kalliauer eine Weiterentwicklung der von Türkis-Blau abgeschafften „Aktion 20.000“. Die im „freien Spiel der Kräfte“ des Nationalrats am 19. September 2019 beschlossene Förderaktion greift dieses Anliegen zum Teil auf, ist aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, da das Fördervolumen viel zu klein und längerfristig nicht abgesichert ist.

Mit einer echten Jobgarantie für Personen über 45, die länger als zwei Jahre arbeitslos sind, sollten 40.000 Arbeitsplätze in Gemeinden und Ländern geschaffen werden. Den Staatshaushalt würde das rund 270 Millionen Euro netto kosten (Einsparungen bei Notstandshilfe und Mehreinnahmen bei Lohnsteuer und Sozialversicherung eingerechnet). Gut investiertes Geld, mit dessen Hilfe sich Arbeitsuchende durch die sinnstiftende Erwerbstätigkeit Qualifikationen aneignen können. Auch Gesundheit, Würde und gesellschaftliches Ansehen blieben erhalten. Und für den Wirtschaftsstandort und die Betriebe würde das Fachkräftepotenzial erweitert werden.

Eine Jobgarantie für Langzeitarbeitslose ab 45 ist in Österreich finanzierbar – mit dem notwendigen politischen Willen. Dafür sollen jene Betriebe, die Ältere überdurchschnittlich oft kündigen oder Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer systematisch beim AMS ‚zwischenparken‘, mehr in die Arbeitslosenversicherung einzahlen“, fordert der AK-Präsident.


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