AK-Präsident Kalliauer: Verschärfungen beim Krankenstand greifen in Arbeitnehmer- und Patientenrechte ein

Die Unternehmen stellen ihre Mitarbeiter unter generellen Missbrauchsverdacht und wollen sämtliche Informationen über ihren Gesundheitszustand einholen. Solche arbeitnehmerfeindlichen Pläne haben in der Krankenversicherung nichts verloren
AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer
Körperliche und psychische Belastungen am Arbeitsplatz müssen erkannt und reduziert werden, damit Beschäftigte gesund bleiben und bis zur Pension durchhalten können
AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer
Dadurch werden die Beschäftigten unter einen pauschalen Missbrauchsverdacht gestellt.
AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer
Dazu braucht es einen Kündigungsschutz im Krankenstand
AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer

Linz (OTS) - Heftige Kritik übt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer an den von den Unternehmern geplanten Verschärfungen beim Krankenstand: „Dadurch werden die Beschäftigten unter einen pauschalen Missbrauchsverdacht gestellt.“ Zudem sieht Kalliauer einen Bruch mit den Arbeitnehmer- und Patientenrechten sowie mit dem Arztgeheimnis. Diese Pläne seien skandalös und völlig unnötig, so Kalliauer, der das eigentliche Problem ganz woanders sieht: Viel zu viele Beschäftigte gehen krank zur Arbeit.

Die gestern durchgesickerten Vorhaben zeigen, was die Machtverschiebungen in der Gesundheitskasse bewirken: „Die Unternehmen stellen ihre Mitarbeiter unter generellen Missbrauchsverdacht und wollen sämtliche Informationen über ihren Gesundheitszustand einholen. Solche arbeitnehmerfeindlichen Pläne haben in der Krankenversicherung nichts verloren“, erklärt Kalliauer und macht klar: „Ich erwarte mir, dass die Arbeitnehmervertreter aller Fraktionen diesen Plänen in den Gremien der neuen Gesundheitskasse geschlossen eine Absage erteilen!“ Erneut kritisiert der AK-Präsident die von der türkis-blauen Regierung beschlossene Zerschlagung der demokratischen Gebietskrankenkassen. Diese bringt den Unternehmern/-innen ungerechtfertigten Machtzuwachs, obwohl die 3,7 Millionen Arbeitnehmer/-innen mit ihren Beiträgen das Budget der Gesundheitskasse finanzieren.

Zudem führt die Diskussion am eigentlichen Problem vorbei. Denn nicht die Zahl der Krankenstandstage ist dramatisch, sondern der Umstand, dass 36 Prozent der Beschäftigten krank zur Arbeit gehen – und zwar aus Pflichtgefühl gegenüber den Kollegen/-innen, wegen Angst vor Benachteiligung oder gar Jobverlust und oftmals auch wegen schlechter Führungskräfte. Wer mit seinem Chef unzufrieden ist, wird öfter und länger krank und geht auch eher krank zur Arbeit. Fast drei Viertel der Beschäftigten, die mit ihrer Führungskraft unzufrieden sind, waren in den vergangenen sechs Monaten zumindest einmal krank. Das zeigt der Österreichische Arbeitsgesundheitsmonitor der AK Oberösterreich.

Laut einer Studie der JKU gehen Beschäftigte, die öfter krank sind, auch öfter krank zur Arbeit, weil sie Angst vor negativen Konsequenzen für ihr Berufsleben haben. Dadurch wird eine Abwärtsspirale für ihre Gesundheit in Gang gesetzt: Wer krank zur Arbeit geht, braucht länger, um gesund zu werden, verschleppt Erkrankungen, wird öfter chronisch krank. Das zeigt auch der Arbeitsgesundheitsmonitor: Fast ein Drittel der Beschäftigten, die krank zur Arbeit gegangen sind, hatten dadurch gesundheitliche Nachteile. Die häufigste Folgeerscheinung ist Müdigkeit und Abgeschlagenheit, weit schlimmer sind aber die längere Dauer der Krankheit, Unkonzentriertheit und die Möglichkeit eines Rückfalls. Zudem besteht die Gefahr, chronisch zu erkranken bzw. die Kolleginnen und Kollegen anzustecken. Das alles fällt natürlich auch den Unternehmern auf den Kopf, weil Leistung und Produktivität bei kranken Mitarbeitern/-innen nachlassen bzw. die Fehleranfälligkeit steigt. Die Kosten für die Unternehmen werden dadurch höher, als wenn sich die Beschäftigten im Krankenstand auskurieren würden.

Darum sollte es auch im Interesse der Unternehmen sein, die Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass die Beschäftigten erst gar nicht krank werden. „Körperliche und psychische Belastungen am Arbeitsplatz müssen erkannt und reduziert werden, damit Beschäftigte gesund bleiben und bis zur Pension durchhalten können“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Außerdem muss kranken Menschen genug Zeit gegeben werden, um sich auszukurieren. „Dazu braucht es einen Kündigungsschutz im Krankenstand“, fordert Kalliauer.

Zudem muss für einen gesunden Wiedereinstieg nach langem Krankenstand gesorgt werden, damit die Rückkehr nicht zum Rückfall führt. Genügend Personal bewirkt, dass krankheitsbedingte Fehlzeiten nicht zu Lasten der restlichen Belegschaft gehen und Beschäftigte sich nicht bemüßigt fühlen, aus Pflichtgefühl und Rücksicht auf die Kollegen/-innen krank zur Arbeit zu gehen.

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