- 12.12.2019, 09:22:11
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Rennerpreis-Verleihung mit Max Zirngast im Wappensaal des Wiener Rathauses
250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Verleihung des renommiertesten Journalistenpreises des Landes

Utl.: 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Verleihung des
renommiertesten Journalistenpreises des Landes =
Wien (OTS) - Das Interesse an der Verleihung des Dr. Karl Renner
Publizistik-Preises war so groß wie nie zuvor. So musste die
Veranstaltung im altehrwürdigen Wappensaal auch in
Nebenräumlichkeiten übertragen werden. Aber die allerbeste Nachricht
war wohl die Anwesenheit von Max Zirngast und seiner Familie. Letztes
Jahr stand die Veranstaltung ganz im Zeichen der Solidarität für Max
Zirngast, welcher damals in einem türkischen Gefängnis inhaftiert
war.
Anwesend bei der Preisverleihung waren unter den Gästen unter anderem
Ivana Červenková, Botschafterin der Tschechischen Republik,
Oleksander Scherba, Botschafter der Ukraine und Franz Schnabl,
Landeshauptfrau Stellvertreter von Niederösterreich, sowie zahlreiche
bekannte Journalistinnen und Journalisten, sowie Vertreter anderer
Journalistenorganisationen.
Bei seiner Begrüßung nahm ÖJC-Präsident Fred Turnheim zu den
aktuellen Anschuldigungen rund um den Renner-Preis Stellung:
„Zerstören allein, meine Damen und Herren, kann nicht Ziel eines
kritischen Journalismus sein“, so Turnheim. Und er bedauerte, dass
gerade in diesen vermeintlich kritischen Berichten jede
journalistische Sorgfalt fehlen würde und auch jede Reflexion bei
jenen, die diese Berichte in den sozialen Medien teilten. Fred
Turnheim formulierte nochmals die 14 Forderungen an die zukünftige
Österreichische Bundesregierung (siehe OTS0038 vom 14. Nov. 2019,
09:23). Die solidarische Umsetzung dieser Forderungen ist wesentlich
wichtiger als die eigenen Interessensvertretungen anzugreifen.
In seiner Dankesrede erzählte Max Zirngast, dass seine Rede zum
Renner-Preis des Vorjahres der einzige Brief war, der von den
türkischen Behörden zensuriert worden war. Er bedankte sich für die
unglaubliche Solidarität und erinnerte daran, dass nach wie vor
zahlreiche Journalistinnen und Journalisten in Gefängnissen sind. Er
berichtete über das heute öffentlich gewordene Verfahren, dass die
Grazer Staatsanwaltschaft auf Basis einer Anzeige des BVT gegen ihn
wegen Terrorismusverdacht eingeleitet hatte. Insgesamt drei
Rechtshilfeansuchen hätten die österreichischen Behörden an das
türkische Gericht gestellt. „Sie sehen, dass so etwas auch in
Österreich passieren kann“, sagte Zirngast, ohne das österreichische
Justizsystem mit dem türkischen gleichzusetzen.
In seiner Festrede mit dem Titel „Ausgezeichneter Journalismus.
Zwischen Anerkennung und Gefährdung“ verkleidete sich
Publizistik-Professor Fritz Hausjell als Message-Control-Mastermind
Gerhard Fleischmann. Dieser Gerhard Fleischmann zitierte dann
auffällig oft Fritz Hausjell und seine medienpolitischen Ansichten.
Und, dieser Gerhard Fleischmann freute sich sehr darüber, dass die
aktuelle Diskussion um Journalismuspreise wichtige medienpolitische
Forderungen überdecken würde.
Der Dr. Karl Renner-Publizistikpreis 2019 in der Kategorie „Print“
erging an den Profil-Journalisten Martin Staudinger. Laudator Rainer
Rosenberg gratulierte allen drei Nominierten, unter ihnen auch Robert
Misik und Martin Tschiderer zu ihren hervorragenden journalistischen
Leistungen. Martin Staudinger beschäftigte sich in seinem
preisgekrönten Beitrag mit der Geschichte einer Überlebenden des
verheerenden Flugzeugabsturzes von Ruanda. Martin Staudinger erklärte
in seiner Dankesrede, dass die ausgezeichnete Geschichte einer dieser
war, die sich von selbst schreibt. Er bedankte sich beim Polizisten
Norbert Katschnik, der ihm diese Geschichte geliefert hatte.
Der Dr. Karl Renner-Publizistikpreis 2019 in der Kategorie „Radio“
erging an die Ö1-Journalistin Natasa Konopitzky. Laudatorin Susanne
Ayoub betonte die hohe Zahl der hochqualitativen Einreichungen und
bezeichnete das Wiener Funkhaus in der Argentinierstraße als
unverzichtbaren Ort der Kommunikation und Kreativität. Natasa
Konopitzky erhielt ihre Auszeichnung für die zweiteilige
Hörbilder-Geschichte über ihren Großvater mit dem Titel „Mein Glück
ist, dass mich mein Glück nicht verlässt: Imre Kormos, Held und
Halunke“. Natasa Konopitzky bedankte sich in ihrer Rede unter anderem
bei ihrer Mutter, die ihre Interviews in letzter Minute dann doch zur
Veröffentlichung freigegeben hatte. Und sie hatte auch einen
Vorschlag für den ORF: „Bitte lieber ORF, schaffe die Strukturen für
tiefgreifende und zeitaufwändige Recherchen.“
Der Dr. Karl Renner-Publizistikpreis 2019 in der Kategorie
„Fernsehen“ erging an ORF-Journalist Benedict Feichtner. Laudator
Oswald Klotz erklärte, dass der Jungjournalist seine Auszeichnung für
einen Beitrag über das Bürgerkriegsland Libyen. Benedict Feichtner
betonte in seiner Dankesrede, dass heute Nachrichten in Sekunden
verbreitet aber in einer Woche auch schon wieder vergessen sind und
betonte die Bedeutung von Hintergrundberichterstattung.
Der Dr. Karl Renner-Publizistikpreis in der Kategorie „Online“ erging
an Barbara Wimmer von futurezone.at. Laudator Helmut Kletzander lobte
die umfassende Recherche rund um den Beitrag zur
Gesichtserkennungssoftware der Polizei. Im Gespräch mit dem Laudator
bekannte Barbara Wimmer: „Schreiben ist meine Lieblingsaufgabe.“ Und
in ihrer Dankesrede sagte sie: „Netzthemen sind die Themen, die
unsere Zukunft entscheiden und sie kommen im Diskurs oft zu kurz.“
Daher sei diese Auszeichnung so wichtig.
Für sein „Lebenswerk“ - für langjährigen hervorragenden Journalismus,
erhielt Otmar Lahodynsky vom Profil Dr. Karl Renner Publizistikpreis
2019. In seiner Laudatio bezeichnete ihn Herbert Gartner als einen
„stillen Proponenten der Branche, der etwas zu sagen hat“ und zuhören
kann. Viele namhafte Persönlichkeiten hat Lahodynsky interviewt und
einige von ihnen haben dabei mehr erzählt, als sie eigentlich geplant
hatten. Otmar Lahodynsky berichtete über die prekäre Situation der
Pressefreiheit in Ungarn und appellierte an die Solidarität mit den
Kolleginnen und Kollegen.
Auch einige Preisträgerinnen und Preisträger nahmen auf
unterschiedliche Weise zu der Debatte rund um den Dr. Karl
Renner-Publizistikpreis Bezug. Für den Österreichischen Journalisten
Club ist jedenfalls klar: Der Verein wird mit allen Menschen einen
Dialog führen, die an einer ernsthaften und konstruktiven Diskussion
interessiert sind.
Moderiert wurde die Veranstaltung von Heilwig Pfanzelter und
musikalisch begleitet von der Little Big Family. Alle Ausgezeichneten
erhielten neben einer Urkunde und Blumen, die Skulptur „Spirit“ der
burgenländischen Bildhauerin Ulrike Truger sowie eine Silbermünze
„Wiener Philharmoniker“.
Der Österreichische Journalisten Club (ÖJC) engagiert sich seit 42
Jahren für Pressefreiheit und Qualität im Journalismus. Der Verein
mit rund 6.500 Mitgliedern ist Herausgeber des österreichischen
Medienmagazins [Statement], betreibt das Vienna International Press
Center in der Wiener Innenstadt sowie eine eigene Lehrredaktion. Der
ÖJC verleiht mit dem Prof. Claus Gatterer-Preis für sozial
engagierten Journalismus, dem New Media Journalism Award und dem Dr.
Karl Renner-Publizistikpreis die wichtigsten journalistischen
Auszeichnungen des Landes. Mit Solidaritätskampagnen für Max
Zirngast, Mesale Tolu oder Deniz Yücel engagiert sich der
Österreichische Journalisten Club über die Grenzen Österreichs hinaus
für die Meinungs- und Pressefreiheit.
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