Netzwerken im Beruf: Wie Fahrradfahren mit Rückenwind?

LinkedIn-Studie: Netzwerk als Absicherung in einer Zeit des rapiden Wandels / Österreicher netzwerken engagierter als Deutsche (FOTO)

München (ots) - Mehr als 70 Prozent der Österreicher fühlen sich dank ihres beruflichen Netzwerks besser gegen die Schnelllebigkeit, Komplexität und Unsicherheit unserer Zeit abgesichert. Netzwerken macht den meisten Österreichern zudem Spaß - etwas mehr als zwei Drittel (67 Prozent) bauen ihre Kontakte gerne aus. So lauten die Ergebnisse einer Umfrage der Marktforschung Toluna im Auftrag von LinkedIn*, dem weltweit größten Netzwerk für beruflichen Austausch, unter 1.001 Arbeitnehmern in Österreich. Zum Vergleich: Unter deutschen Arbeitnehmern gab nur weniger als die Hälfte (47 Prozent) an, Spaß am Netzwerken zu haben. Kein Wunder, dass Österreicher beim Netzwerken auch deutlich engagierter und zielstrebiger vorgehen als ihre Nachbarn. Neben der persönlichen Absicherung spielt beim Netzwerken auch die eigene Entwicklung eine große Rolle: Netzwerker wollen Neues lernen und sich von Menschen inspirieren lassen - und sie versprechen sich mehr Erfolg in der Karriere. Netzwerkforscher Prof. Dr. Christian Stegbauer rät Arbeitnehmern, auch mal über den Tellerrand der eigenen Branche hinauszusehen und glaubt an die Wirksamkeit von "Weak Ties".

"Arbeitnehmer in Österreich erkennen immer mehr, wie wichtig ein Netzwerk heutzutage ist. Im Vergleich zu Deutschland haben Österreicher eine etwas positivere Einstellung zum Netzwerken und tun sich deshalb leichter damit", sagt Barbara Wittmann, Country Managerin DACH bei LinkedIn. "Mein Rat ist es, sich Zeit zu nehmen, die beruflichen Kontakte zu pflegen und auszubauen. Wie unsere Umfrage zeigt, erschließen sich dadurch nicht nur berufliche Möglichkeiten, sondern auch neue Perspektiven und Orientierung. Wir haben die Thematik zudem global untersucht und bestätigt bekommen, dass Menschen mit einem starken Netzwerk zufriedener mit ihrer Karriere (83 Prozent) und ihrem Gehalt (72 Prozent) sind**."

Einstellungssache: Vergnügen oder Arbeit?

Dem Großteil (82 Prozent) aus der Gruppe, die gerne netzwerkt, fällt das auch besonders leicht. Einige von ihnen beschreiben es "wie Fahrradfahren mit Rückenwind" (21 Prozent) oder spüren einen "Energieschub" dabei (23 Prozent). "Arbeit außerhalb der Arbeit" (33 Prozent) oder "ein notwendiges Übel" (31 Prozent) wählen hingegen vor allem diejenigen als Beschreibung, denen das Netzwerken nicht so leicht fällt. Trotzdem bemühen sich 20 Prozent der Menschen aus dieser Gruppe darum, regelmäßig neue Kontakte zu knüpfen. Das weist auf die Bedeutung hin, die dem Netzwerken unter allen Befragten zugemessen wird: 82 Prozent aller Arbeitnehmer finden Netzwerken im beruflichen Kontext "sehr wichtig".

Netzwerk-Aufbau: Der Zufall mischt mit

Der Aufbau des eigenen Netzwerks erfolgt meist nicht zielgerichtet und strategisch (21 Prozent) - und doch ist die Quote der Netzwerk-Strategen im Vergleich zu deutschen Arbeitnehmern hoch: Im Nachbarland gehen nur 12 Prozent mit Plan ans Netzwerken. In beiden Ländern netzwerkt man überwiegend zufällig und in der Komfortzone des eigenen Bekanntenkreises. 47 Prozent der Österreicher bauen ihr Netzwerk außerdem nicht aktiv aus, sondern lassen es sich von allein entwickeln.

Prof. Dr. Christian Stegbauer, Netzwerkforscher an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, sieht diesen Ansatz nicht negativ: "Ein heterogenes Netzwerk, in dem sich auch private Kontakte finden, erhöht die Chancen auf verschiedene Perspektiven und neues Wissen. Arbeitnehmer wissen, dass die schnellen Veränderungen in Technologie und Wirtschaft eine höhere Flexibilität voraussetzen als früher. Persönliche Kontakte helfen enorm bei der Anpassung, aber auch beim nächsten Karriereschritt. Viele Arbeitsplätze werden ohne Ausschreibung vergeben. Der persönliche Kontakt in ein Unternehmen erhöht die Chancen auf eine erfolgreiche Bewerbung."

Networking-Spezialist Christian Stegbauer: Drei Erfolgsfaktoren für Netzwerker

Branchen-Netzwerk nutzen: Auf Tagungen oder Messen stehen Trends im Vordergrund, Teilnehmer können sich über das austauschen, was alle gemeinsam bewegt. Wichtig: Online vernetzen für einen Austausch auch nach dem Event.

Vielfalt macht den Unterschied: Neue Ideen entwickeln Netzwerker auch gut mit Personen, die anders sind als sie selbst, in anderen Branchen arbeiten. Menschen, mit denen man weniger gemein hat, dürften über ein anderes, für einen selbst neues Wissen und neue Perspektiven verfügen.

Weak Ties ausbauen: Lose Bekannte sind oft hilfreicher als Freunde und Kollegen. Die "schwächeren Kontakte" oder "Weak Ties" verfügen über Informationen, die im direkten Umfeld nicht verfügbar sind. Im engeren Freundeskreis haben alle dieselben oder zumindest ähnliche Informationen.

* LinkedIn-Studie durchgeführt vom unabhängigen Marktforschungsinstitut Toluna. Die Antworten wurden in einer Online-Befragung ermittelt, an der 1.001 österreichische Arbeitnehmer, Studenten, Auszubildende, Selbständige sowie Personen, die aktuell Arbeitslosengeld I oder Elterngeld / Erziehungsgeld beziehen, teilnahmen. Die Befragung lief vom 28. Oktober bis zum 6. November 2019. In Deutschland wurde dieselbe Umfrage vom unabhängigen Marktforschungsinstitut YouGov in einer Online-Befragung unter 1.028 deutschen Arbeitnehmern, Studenten, Auszubildenden, Selbständigen sowie Personen, die aktuell Arbeitslosengeld I oder Elterngeld / Erziehungsgeld beziehen, vom 22. bis zum 25. Oktober 2019 durchgeführt.

** LinkedIn-Studie durchgeführt von Ipsos, vom 29. April bis 13. Mai 2019 in den USA und vom 25. Juli bis 4. August 2019 in Asien und Europa. Für die Umfrage wurde eine Stichprobe von 6.614 Erwachsenen im Alter von 18+ Jahren, die Teil der Erwerbsbevölkerung sind, online befragt (Australien n=500, China n=501, Indien n=600, Japan n=501, Singapur n=500, Frankreich n=503, Deutschland n=500, Niederlande n=502, Vereinigtes Königreich n=500 und USA n=2.007).

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