Weihnachtsgeschäft 2019: Handelsverband und WIFO prognostizieren 1,22 Mrd. Euro netto Mehrumsatz (1,43 Mrd. brutto). Zuwachs von +1,2%.

Gesamtjahresprognose österreichischer Einzelhandel 2019: 76,8 Mrd. Euro brutto (+1,7%). Stationärer Handel wächst um +1,5%, heimischer Distanzhandel um +5,3%.

Wien (OTS) - Das österreichische Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) und der Handelsverband haben heute im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz ihre Prognose zum Weihnachtsgeschäft präsentiert. Demnach kann der österreichische Einzelhandel im Dezember 2019 mit einem weihnachtsbedingten Mehrumsatz von 1,22 Mrd. Euro netto (1,43 Mrd. Euro brutto) rechnen. Dies entspricht einem Zuwachs von etwas mehr als 1%.

Insgesamt wird das Umsatzvolumen heuer im Dezember laut WIFO auf nominell 6,4 Mrd. Euro geschätzt. Im Durchschnitt kann somit jeder fünfte umgesetzte Euro als weihnachtsbedingter Mehrumsatz in den Kassen markiert werden. Die beliebtesten Weihnachtsgeschenke 2019 sind Spielzeug, Kosmetik/Parfum, Bücher, Bekleidung und Süßigkeiten. Der Trend zu Gutscheinen setzt sich ebenso fort wie die Beliebtheit von Reisen und Wellness – letztere sind Ausgaben, die nicht zum klassischen Einzelhandel zählen.

Prognose Weihnachtsgeschäft: leicht positiv, trotz konjunkturellem Schneegestöber

"Unsere Prognose für das heurige Weihnachtsgeschäft fällt mit 1,22 Mrd. Euro netto bzw. +1,2% leicht positiv aus. Optimistisch stimmen uns die nach wie vor hohe Beschäftigungsquote und die stabile Konsumnachfrage. Skeptisch machen uns allerdings die schwachen Umsätze im Herbst und das konjunkturelle Schneegestöber", erklärt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

Generell nimmt die Höhe der Dezember-Umsatzspitzen in vielen Branchen über die letzten Jahre hinweg kontinuierlich ab. "Sonder-Aktionstage im November, etwa der Singles Day und der Black Friday, aber auch der anhaltende Trend zu Gutscheingeschenken, die erst bei Einlösung in den Folgemonaten als Umsatz gezählt werden, verschieben die klassischen Weihnachtsumsätze auf andere Monate. Zumindest der Cyber Monday am 2. Dezember zählt heuer schon zum klassischen Weihnachtsgeschäft", so Will.

Auch trägt das veränderte Konsumverhalten, insbesondere der verstärkte Einkauf bei ausländischen Onlineshops und Marktplätzen dazu bei, dass die Umsatzspitzen im Dezember bei heimischen Händlern niedriger ausfallen. "Die Aktionstage im November sind in den Berechnungen des WIFO zum Weihnachtsgeschäft ebenso wenig berücksichtigt wie die Umsätze von Tankstellen und Kfz-Handel sowie jene Onlineumsätze, die unmittelbar ins Ausland abfließen", bestätigt WIFO-Experte Jürgen Bierbaumer-Polly.

Jahresprognose Einzelhandel 2019: heimischer Handel stagniert

Im Zuge der heutigen Pressekonferenz gab der Handelsverband auch eine erste Prognose für das Gesamtjahr 2019 ab. "Wir rechnen heuer mit einem stationären Bruttoumsatz von 72,8 Mrd. Euro und einem Online-Umsatz in Österreich von rund 4 Mrd. Euro. Die Gesamtjahresprognose 2019 für den österreichischen Einzelhandel liegt damit bei insgesamt 76,8 Mrd. Euro brutto – ein nominelles Wachstum von +1,7%. Aber: Wenn wir von einer Inflationsrate von ebenfalls 1,7% ausgehen, werden wir heuer im Einzelhandel real keine Umsatzsteigerung erzielen. Problematisch dabei ist, dass die Kostenseite stärker ansteigt, weshalb die Schere weiter aufgeht. Daher kommt dem Weihnachtsgeschäft auch für das Gesamtjahr eine große Bedeutung zu", erläutert Rainer Will.

Insbesondere die dramatische Marktkonzentration im eCommerce und der wachsende Abfluss der Online-Umsätze ins Ausland bereiten Sorgen. "Mit 4,1 Mrd. Euro landet mehr als die Hälfte aller Umsätze im Distanzhandel nicht bei den heimischen Händlern. Der österreichische Konsument finanziert dadurch mehr als 25.000 Arbeitsplätze pro Jahr im Ausland. Allein von 2017 auf 2018 ist dieser Auslandsabfluss um fast eine halbe Milliarde Euro gewachsen", so Rainer Will abschließend.

Methodenhinweis / Datengrundlage

Das WIFO definiert das Weihnachtsgeschäft im Einzelhandel als jene Mehrumsätze im Dezember, die ein gewisses "Normalmaß" übersteigen. Als Richtwert wird hier einerseits die durchschnittliche Umsatzentwicklung von Jänner bis November herangezogen, andererseits auch die Trend-/Konjunkturentwicklung im heimischen Einzelhandel der vergangenen Monate berücksichtigt. Kalenderbedingte Effekte (wie beispielsweise die Zahl der Verkaufstage oder deren Verteilung) fließen ebenso gewichtet in die Abschätzung ein. Als Datengrundlage stehen die Umsatzindizes aus der Konjunkturstatistik Handel von Statistik Austria zur Verfügung. Diese beinhalten Netto-Umsätze im Inland umsatzsteuerpflichtiger Unternehmen.

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