Das Nachbarschaftsprojekt StoP startet heute eine Bewusstseinskampagne zu Zivilcourage bei Partnergewalt

„Was sagen. Was tun.“ lautet das Motto der neuen Kampagne zu Zivilcourage bei Partnergewalt.

Wien (OTS) - Das Projekt „StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt“ in Wien hat es sich zur Aufgabe gemacht, Nachbarn und Nachbarinnen zu ermutigen bei häuslicher Gewalt und Partnergewalt Zivilcourage auszuüben.

Frauen, die von ihrem Partner misshandelt werden, tun sich oft sehr schwer, Hilfe zu suchen und zu holen. Sie schweigen lange. Das Projekt StoP setzt deshalb auf die, die den Opfern und Tätern am nächsten sind: Ihre Nachbarn und Nachbarinnen. Sie wissen viel und können viel tun. Erfahrungen zeigen, dass Nachbarn und Nachbarinnen auch gerne etwas tun wollen, aber oft nicht wissen, was sie genau tun bzw. wie sie es richtig machen können – im Sinne der Gewaltprävention und des Selbstschutzes.

  • Viele Menschen haben Angst, die Polizei zu rufen, weil sie nicht wissen, was dabei oder danach passiert.
  • Viele glauben, dass es zu gefährlich ist, sich persönlich einzumischen.
  • Manche haben bereits etwas getan, aber dabei negative Erfahrungen gemacht.
  • Andere wiederum sind oder waren verunsichert über die Reaktion der Opfer, weil sie ihre Hilfe nicht oder nicht so wie erwartet angenommen haben.

All diese Befürchtungen sind berechtigt und legitim. Aber je mehr Informationen und Wissen Nachbarn und Nachbarinnen über Methoden der Zivilcourage haben bzw. kennenlernen, desto sicherer können sie werden. Je besser sie „trainiert“ sind, desto besser können sie sich und die betroffenen Frauen und Kinder schützen oder Täter konfrontieren. Gewalt passiert überall, zu Hause, aber auch in vielen anderen Alltagszusammenhängen. Viele Menschen bemerken und erkennen Gewalt und bekommen Gewalt mit, auch wenn es oft im Verborgenen passiert. Es ist wichtig zu wissen, dass nicht alle Gewalttäter sofort Mörder sind und sofort zu Waffen greifen. Oft gibt es schon vorher Anzeichen und Hinweise. Wichtig ist, dass Nachbarn und Nachbarinnen achtsam sind und frühzeitig hinschauen, hinhören und Was sagen. Was tun. bevor schwerere Gewalt passiert. Gewalt ist auch schon, wenn jemand frauenverachtende, diskriminierende Witze erzählt, wenn jemand Gewalt verharmlost und sich darüber lustig macht oder wenn jemand Konflikten ausweicht, lange schweigt, mit niemanden spricht, aber dann bei jeder Kleinigkeit ausrastet und auf 180 ist. Wenn jemand mit seiner Wut andere in Angst und Panik versetzt. Wenn jemand nach außen hin nett und freundlich ist, aber zu Hause seine Frau und seine Kinder anschreit.

Hier kann man bereits handeln und agieren. Was sagen. Was tun.

Was können Nachbarn und Nachbarinnen tun?

  • Sie hören hin. Sie schauen hin. Sie achten darauf, was genau passiert.
  • Nachbar*innen können den Fernseher leiser drehen oder ganz ausschalten, wenn Schreie aus der Nachbarwohnung oder im Haus zu hören sind und agieren.
  • Sie unterbrechen die Gewalt, indem sie an der Nachbarstür oder Haustür klingeln und etwas sagen oder nach etwas fragen.
  • Sie rufen die Polizei 133 oder Euro-Notruf 112
  • Sie informieren sich, was sie als Nachbar oder Nachbarin tun können.
  • Sie rufen z.B. bei der Frauenhelpline gegen Gewalt 0800 222 555 an, wenn sie sich unsicher sind, was sie tun können.
  • Sie können sich auch bei der Polizei unter der Service Nummer: 059 133 unverbindlich erkundigen, was sie tun können.
  • Sie rufen andere Nachbar*innen an, um nicht alleine zu sein.
  • Sie aktivieren andere Nachbar*innen, auch wachsam zu sein.
  • Sie überlegen gemeinsam mit anderen Nachbar*innen, was sie tun können.
  • Sie nehmen eine klare Haltung gegen jede Form der Gewalt ein.
  • Sie konfrontieren Täter – aber achten vorher auf den Selbstschutz/Bauchgefühl.
  • Sie informieren und überzeugen Täter, sich professionelle Hilfe zu holen.
  • Sie bieten Betroffenen konkrete Unterstützung an.
  • Sie informieren Betroffene, wo sie Hilfe bekommen können.
  • Sie signalisieren der Betroffenen und ihren Kindern, dass sie nicht alleine ist/sind.
  • Nachbar*innen können aktiv bei den StoP-Aktivitäten mitmachen.
  • Nachbar*innen können bei den Frauen- und Männertischen in Wien-Margareten teilnehmen, mitgestalten und dabei ihre Erfahrungen, Ideen und Initiativen mit anderen teilen und umsetzen.
  • Nachbarn können Verbündete bzw., sogenannte „Bystander“ gegen Partnergewalt werden.

Zum Kampagnenauftakt „Zivilcourage bei Partnergewalt. Was sagen. Was tun. wird erstmals der neue Spot[1] öffentlich präsentiert, der aufzeigt, wie Zivilcourage bei Partnergewalt aussehen kann. Die beiden Schauspieler*innen Wolfgang Fifi Pissecker und Alena Baich zeigen und sagen, wie es gehen kann. Wir hoffen, dass alle Medien (Print, Online Zeitungen, TV, Kinos und soziale Medien den Spot verbreiten).

Infos zu StoP:

www.stop-partnergewalt.at

https://www.facebook.com/StoPMargaretenWien/

https://mobile.twitter.com/smargareten

https://www.instagram.com/stopwienmargareten/

www.aoef.at

Wir bedanken uns bei allen Schauspieler*innen, die am Spot unentgeltlich mitgewirkt haben:

Martin Niedermair, Dagmar Kutzenberger, Wolfgang Fifi Pissecker, Alena Baich, Markus Draskovits und Gordana Mircioane.

Was ist StoP?

Gewalt in der Partnerschaft und häusliche Gewalt sind weit verbreitete Probleme und kommen überall und in allen sozialen Schichten vor. Die Betroffenen dieser Gewalt sind vor allem Frauen und Kinder. „StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt“ ist ein am Gemeinwesen orientiertes Projekt mit dem Ziel, Partnergewalt und schwere Gewalt an Frauen und Kindern zu verhindern und Nachbarschaften zu stärken. Durch das Aufzeigen von Unterstützungsmöglichkeiten werden Nachbar*innen darin bestärkt, Hilfe zu holen oder zu geben. Sie werden ermutigt, Gewalt nicht zu verschweigen. Die vielen Morde an Frauen zeigen die Notwendigkeit, noch mehr Bewusstsein über Partnergewalt zu schaffen.

Gemeinwesenarbeit ist ein Handlungskonzept Sozialer Arbeit. Sozialarbeiter*innen, die in der Gemeinwesenarbeit tätig sind, unterstützen Menschen darin sich zu organisieren und ihr soziales Umfeld, zum Beispiel die Nachbarschaft, gemeinsam zu gestalten und Veränderungen zu erzielen. Soziale Ungerechtigkeiten oder gesellschaftliche Probleme, wie Gewalt gegen Frauen, werden thematisiert und gemeinsam bearbeitet. In vielfältigen Aktionen wie Gesprächsrunden, Kommunikation mit Medien und Politik oder Infotischen auf Stadtteilveranstaltungen kommen Menschen unterschiedlichster gesellschaftlicher Gruppen zu einem gemeinsamen Handeln.

Der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser – AÖF, seit mehr als 30 Jahren mit Sitz in Wien Margareten, koordiniert seit Anfang 2019 mit dem Projekt StoP ein stetig wachsendes Netzwerk aus Nachbar*innen, sowie institutionellen Akteur*innen, die sich gemeinsam für ein gewaltfreies Miteinander im 5. Bezirk Margareten einsetzen.

Das dahinterstehende, sozialwissenschaftliche Konzept nach Prof.in Dr.in Sabine Stövesand, welches bereits in Deutschland seit vielen Jahren erfolgreich in mehreren Stadteilen und Städten umgesetzt wird, besteht aus acht Handlungsschritten – siehe: https://stop-partnergewalt.org/wordpress/projektpartnerinnen/.

StoP-Förderungen:

  • Bundesministerium Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz
  • Gesundheit Österreich GmbH
  • Fonds Gesundes Österreich
  • WiG – Wiener Gesundheitsförderung
  • IFEP – Institut für Erlebnispädagogik
  • Bezirksvorstehung Wien Margareten
  • RD Foundation Vienna – Research, Development, Human Rights, Gemeinnützige Privatstiftung

StoP-Projektpartner*innen:

  • wohnpartner – Gemeinsam für eine gute Nachbarschaft
  • neunerhaus
  • Bezirksvorstehung Margareten
  • ZARA Zivilcourage & Anti-Rassismus-Arbeit
  • Grätzelpolizei – GEMEINSAM.SICHER
  • Pfarrgemeinde St. Florian
  • IFEP – Institut für Erlebnispädagogik und Outdooraktivitäten, Verein zur Förderung erlebnispädagogischer und erlebnisorientierter Projekte
  • Diakonie Flüchtlingsdienst – INTO Wien
  • Polizei Kriminalprävention
  • MEN – Männergesundheitszentrum Wien
  • Verein Nachbarinnen in Wien
  • RbFZ Wien – RegenbogenFamilienZentrum
  • White Ribbon Österreich
  • Station Wien
  • IKF – Institut für Konfliktforschung
  • ADAMAH Bio Hof
  • FOOTPRINT
  • Frauenhelpline gegen Gewalt 0800 222 555
  • Neustart
  • Filmcasino
  • Miteinander Lernen
  • Beratungsstelle & Praxisgemeinschaft SOZIAL:ARBEITERGASSE
  • Nachbarschaftszentrum 5er Gretl
  • WERK 5
  • Beratungszentrum für Migrantinnen
  • Stadt Wien – Büchereien Wien
  • Junges Volkstheater
  • Volx/Margareten
  • Verein Spielsuchthilfe
  • Verein Augustin

[1] produziert von News on Video Gmbh, Rennweg 97-99, 1030 Wien, www.newsonvideo.at

Rückfragen & Kontakt:

Mag.a Maria Rösslhumer
AÖF – Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser
Gesamtkoordination von StoP
Tel: 0664 793 07 89
maria.roesslhumer@stop-partnergewalt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF0001