Besetzungsaktion an der TU Wien

Studierende der Architektur besetzten das ehemalige Café Nelson's an der Technischen Universität Wien, um auf massiven Arbeitsplatzmangel aufmerksam zu machen.

Wien (OTS) - Am Freitag, den 25.10.2019, besetzten wir Architekturstudierende der TU Wien das ehemalige Nelson’s Café im Hof 2 des Hauptgebäudes. Das Nelson’s steht seit zwei Jahren fast durchgehend leer. Leerstand ist nicht nur ein unverständlicher, sondern auch ein professionell unvertretbarer Zustand für uns zukünftige ArchitektInnen. Nur 4% der Architekturstudierenden haben die Möglichkeit auf einen Arbeitsplatz an der Universität. (in Auftrag gegeben von Studiendekan, 2017, Dossier, Räume für die Architekturlehre, TU Wien, S:15). An der TU Wien kommen auf 27,35 ArchitekturstudentInnen ein Arbeitsplatz. Somit befinden wir uns im internationalen Vergleich mit anderen großen europäischen Universitäten im untersten Bereich. (vgl. ebd.)

Die Möglichkeit an der Universität arbeiten zu können ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Denn gute Architektur kann nur im Austausch untereinander entstehen. Außerdem benötigen wir, um Entwürfe entwickeln zu können, Platz zum handwerklichen Arbeiten. Großformatige Plandokumente, Modelle, Skulpturen und Experimente können nicht im Schlafzimmer vorbereitet werden.

Unsere erfolgreiche Besetzung hat eine Diskussion mit dem Rektorat ausgelöst. Nun wurden uns neue Arbeitsräume zur Zwischennutzung versprochen. Um das konstruktive Finden einer Lösung nicht unnötig zu erschweren, haben wir uns entschlossen auf die Vereinbarung mit dem Rektorat einzugehen und die Besetzung aufzulösen. Wir sind optimistisch, dass dieses Versprechen eingehalten wird.

Durch jahrelange Gespräche mit der Universitätsverwaltung und trotz der Bemühungen unseres Dekanats, wurde bisher nur minimaler Fortschritt erreicht. Unsere Aktion war nicht nur eine Impulshandlung, sondern eine Antwort auf einen schon viel zu lange andauernden Missstand. Uns ist bewusst, dass die Problematik viel tiefer geht, als sie nun oberflächlich wirkt. Die Raumknappheit, die auf jeder österreichischen Universität herrscht, ist nur ein Symptom einer systematischen Unterfinanzierung des Hochschulsystems. Trotz der ab Montag (04.11.2019) temporär zugesprochenen Zwischennutzung einiger Räume bis Mitte Dezember, ist diese Art der Symptombekämpfung keine langfristige Lösung, auch weil die genauen Ausmaße dieses Versprechens für uns bislang noch nicht abzuschätzen sind.

Um langfristig politisch etwas verändern zu können, sind wir auf Unterstützung aller Studierenden und deren VertreterInnen angewiesen. Die Politik ist aufgefordert die entsprechenden Mittel dem universitären Bereich zukommen zu lassen und die Zustände an Österreichs Universitäten mehr in den Fokus der öffentlichen Debatte zu rücken. Zehn Jahre nach „Uni Brennt“ zeigt sich, dass studentischer Aktivismus ein durchaus wirkungsvolles Mittel ist, um etwas zu verändern.

Wir solidarisieren uns mit allen Studierenden jeder Universität, die unter ähnlichen Bedingungen zu leiden haben und sich zu konstruktivem Aktionismus bekennen.

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