Wie steht es um den digitalen Museumsraum in Österreich?

Der Museumsbund Österreich hat eine Erhebung zum Status quo der österreichischen Museen im digitalen Raum durchgeführt. Die Ergebnisse sind nun in einer Publikation zugänglich.

Graz, Wien (OTS) - Befragt wurden rund 800 registrierte Museen, wovon mehr als die Hälfte überwiegend ehrenamtlich betrieben werden. 67 % aller angeschrieben Museen haben die rund 90 Fragen aus 12 Themengebieten wie bspw. Digitale Strategie, Digitale Vermittlung oder Sammlung von Digital-born Objects beantwortet.

Zusätzlich hat NOUS Wissensmanagement seine Expertise in Form von qualitativen Interviews miteingebracht, die Publikation wird dadurch um Einblicke in die tägliche Museumsarbeit erweitern. Das Team von NOUS Wissensmanagement gestaltet nicht nur den digitalen Wandel, sondern erforscht ihn auch an der Seite der Museen. Interviews mit den Teams von Österreichische Galerie Belvedere, Wien, Universalmuseum Joanneum, Graz, inatura Dornbirn und Museum Retz zeigen den täglichen Umgang mit digitalen Herausforderungen.

Die Studie zeigt, dass österreichische Museen dem digitalen Zeitalter gegenüber grundsätzlich sehr aufgeschlossen sind. Auch wenn das Objekt im Zentrum aller Überlegungen steht, sind digitale Elemente aus dem Vermittlungs- und dem kuratorischen Bereich nicht mehr wegzudenken. Präsenz in den Sozialen Medien sowie das Vorhandensein einer (meist eigenen) Webseite ist fast schon obligatorisch.

Etwas zurückhaltender sind die Ergebnisse, wenn es um das Thema Online Collection geht. Nur 18 % der befragten Museen haben ihre Sammlung ganz oder teilweise digital repräsentiert. Der erweiterte digitale Museumsraum bietet vor allem eine gute Gelegenheit, das in den Museen bewahrte Natur-, Kultur- und Kunsterbe für weitere Kreise nicht nur barrierefrei und zeit- wie ortsunabhängig zugänglich, sondern auch das Arbeiten daran transparent zu machen.

Die Gründe für die zurückhaltende digitale Repräsentation der Sammlungen sind vielfältig: Zwar führen über zwei Drittel der befragten Museen ein digitales Inventar, aber nicht alle eingepflegten Daten entsprechen den heutigen Standards bzw. sind zur Gänze auf- und eingearbeitet. (Digitale) Sammlungspflege ist eine der aufwendigsten Aufgaben der Museumsarbeit, die Ressourcen sind nicht selten aber im Ausstellungswesen und den damit einhergehenden öffentlich präsenteren Aufgaben gebunden. Qualitativ hochwertiges Datenmaterial ist jedoch das Fundament jeglicher Repräsentation oder Anwendungsweise im World Wide Web.

Hinzu kommt, dass das Urheberrecht in seiner aktuell geltenden Fassung die digitale Repräsentation der museumseigenen Sammlungsobjekte vor allem aus dem Bereich der zeitgenössischen Kunst erschwert bzw. mit hohen Kosten verbindet. Werke im Eigentum von öffentlich finanzierten Sammlungen sollten – zugunsten der Freiheit der Wissenschaft und um dem Bildungsauftrag umfassend nachkommen zu können, unbeschränkt genutzt werden können.

Der rechtliche Rahmen dafür ist nicht mehr zeitgemäß und zu eng. Rechtsunsicherheit und in nicht seltenen Fällen sogar die Unmöglichkeit, allenfalls erforderliche Rechtseinräumungen für nicht durch freie Werknutzungen gedeckte Nutzungen zu erlangen, stehen dem Vermittlungsauftrag der Museen entgegen und verhindern eine zukunftsgerichtete Entwicklung der Kunst- und Kulturvermittlung im europäischen Raum.

Daher appellieren wir gemeinsam mit unserem Kooperationspartner Bildrecht GmbH | Gesellschaft zur Wahrnehmung visueller Rechte an den Unionsgesetzgeber und an den nationalen österreichischen Gesetzgeber, jenen Freiraum zu schaffen, der Rechteinhaber/innen und Werknutzer/innen gleichermaßen Rechtssicherheit bietet. Gleichzeitig möchten wir festhalten, dass uns an einer finanziellen Absicherung von Kunstschaffenden gelegen ist und wir uns für faire Rahmenbedingungen und Vergütungen für Künstlerinnen und Künstler aussprechen!

Digitale Transformation bedeutet in erster Linie Innovation und daraus folgend Investition. Den Museumsraum ins Digitale zu erweitern, fordert von den Institutionen, den Einsatz deutlich zu erhöhen – personell wie monetär. Dazu brauchen die österreichischen Museen Partner in der Kulturpolitik, die sie auf ihrem Weg unterstützen. Kulturpolitischer Wille und entsprechende Förderpolitik sollten Initialprojekte anregen, um die digitale Transformation in den österreichischen Museen weiter voranzutreiben.

Die Publikation Österreichs Museen im digitalen Raum. Zum Status Quo in Österreich können Sie in der Geschäftsstelle des Museumsbunds Österreich bestellen oder online auf www.museen-in-oesterreich.at einzusehen.

Der Museumsbund Österreich bedankt sich herzlich bei den Fördergebern des Projekts: Bundeskanzleramt und Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung.

Rückfragen & Kontakt:

Museumsbund Österreich
Sabine Fauland
Mariahilferstraße 2, 8020 Graz
+43 676 635 324 8
info@museumsbund.at
www.museumsbund.at
www.museumspraxis.at

www.facebook.com/Museumsbund.at
www.twitter.com/dingwelten
www.instagram.com/museumsbund

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | MUB0001