Nicht gekennzeichnete Werbung für „kika“ in Tageszeitung „OE24“

Wien (OTS) - Der Senat 1 des Presserats beschäftigte sich mit dem Artikel „Trendige Möbel für das Kinder- und Jugendzimmer“, erschienen am 09.08.2019 in der Tageszeitung „OE24“. Nach Auffassung des Senats verstößt der Artikel gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse.

Im Artikel wird über Möbel für Kinder- und Jugendzimmer bei „kika“ berichtet, wobei insbesondere auf Schreibtische und Sessel eingegangen wird. Dazu sind Zitate von einer „Einrichtungsexpertin“ und einer weiteren Mitarbeiterin der Firma „kika“ angeführt. Weiters werden die „kika Family Days“ und ein dortiges Gewinnspiel beschrieben. Für zusätzliche Informationen wird auf die Webseite „kika.at“ verwiesen. Dem Artikel sind drei Fotos mit Möbeln beigefügt, als Fotocredit ist „kika“ angegeben.

Eine Leserin wandte sich an den Presserat und kritisierte, dass es sich hier um Werbung für „kika“ handle, die jedoch nicht als solche gekennzeichnet sei. Layout und Aufbau würden auf einen redaktionellen Beitrag schließen lassen.

Die betroffene Medieninhaberin gab keine Stellungnahme ab und nahm auch nicht an der mündlichen Verhandlung vor dem Senat teil.

Der Senat verweist zunächst auf seine bisherige Entscheidungspraxis, wonach es den Lesern möglich sein muss, zwischen (bezahlter) Werbung und redaktionellen Beiträgen unterscheiden zu können.

Der Möbelanbieter ist durch das im Artikel beigefügte Logo, die Namensnennung im Text sowie die Anführung seiner Website im Artikel genau identifizierbar. Auf den beigefügten Fotos werden spezifische Möbel der Firma „kika“ gezeigt, die im Bildtext beschrieben werden. Zudem werden dort auch die Preise angeführt. Die Möbel werden wie in einer Werbebroschüre präsentiert; die verschiedenen Ausstattungsmerkmale der Möbel sowie die „kika Family days“ werden angepriesen. Am Ende des Beitrags wird der Weblink der Firma angeführt, wodurch die Leserinnen und Leser augenscheinlich dazu eingeladen werden, sich über die Angebote genauer zu informieren.

Nach Ansicht des Senats ist hier weder eine unbeeinflusste redaktionelle Aufarbeitung noch die erforderliche journalistische Distanz zu erkennen. Der Möbelanbieter wird durchwegs positiv und völlig unkritisch dargestellt. Die Werbesprache überwiegt eindeutig. Da der Beitrag in Hinblick auf die Gestaltung und das Schriftbild wie ein redaktioneller Artikel aufbereitet wurde, hätte eine Kennzeichnung als „Werbung“, „bezahlte Anzeige“ oder dergleichen erfolgen müssen. Dass der Beitrag in der Rubrik „Family Days“ veröffentlicht wurde, reicht als Kennzeichnung nicht aus. Die aus medienethischer Sicht erforderliche Unterscheidbarkeit zwischen Werbung und redaktionellen Inhalten wurde hier missachtet. Der Beitrag verstößt somit gegen das Gebot der Trennung von Werbung und redaktionellen Inhalten (siehe die Punkte 3 und 4 des Ehrenkodex).

Der Senat fordert die Medieninhaberin auf, die Entscheidung freiwillig in der Tageszeitung „OE24“ bekanntzugeben.

Selbständiges Verfahren aufgrund einer Mitteilung einer Leserin

Der Presserat ist ein Verein, der sich für verantwortungsvollen Journalismus einsetzt und dem die wichtigsten Journalisten- und Verlegerverbände Österreichs angehören. Die Mitglieder der Senate des Presserats sind weisungsfrei und unabhängig.

Im vorliegenden Fall führte der Senat 1 des Presserats aufgrund einer Mitteilung einer Leserin ein Verfahren durch (selbständiges Verfahren aufgrund einer Mitteilung). In diesem Verfahren äußert der Senat seine Meinung, ob eine Veröffentlichung den Grundsätzen der Medienethik entspricht.
Die Medieninhaberin von „OE24“ hat von der Möglichkeit, an dem Verfahren teilzunehmen, keinen Gebrauch gemacht.

Die Medieninhaberin von „OE24“ hat die Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats anerkannt.

Rückfragen & Kontakt:

Tessa Prager, Sprecherin des Senats 1, Tel.: 01/21312-1169

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