Kinderarmut 2: Fast 400.000 Kinder in Österreich armutsgefährdet

Arme Kinder von heute sind chronisch Kranke von morgen – Eindringlicher Appell von Ärztekammer und Volkshilfe an neue Regierung

Wien (OTS) - „Im 21. Jahrhundert sollte Kinderarmut in Österreich kein Thema mehr sein. Doch leider ist dem nicht so. Kinderarmut verschwindet nicht, vielmehr ist es umgekehrt, sie wächst, und damit auch die schlechteren gesundheitlichen Voraussetzungen“, kommentiert der Präsident der Wiener und der Österreichischen Ärztekammer, Thomas Szekeres, die Ergebnisse der aktuellen Befragung zum Zusammenhang zwischen Kinderarmut und Kindergesundheit in Österreich. ****

Allein die Tatsache, dass fast 400.000 Kinder und Jugendliche in Österreich als armutsgefährdet gelten, sei ein Warnsignal, allen voran an die Politik. Szekeres: „Die armen Kinder von heute sind die chronisch Kranken von morgen. Kinder, die in Armut leben, erkranken öfter, zeigen vermehrt Störungen in ihrer Entwicklung, erkranken häufiger psychisch, neigen durch schlechtere Ernährung vermehrt zu Adipositas und anderen Folgeerkrankungen wie Diabetes oder Haltungsschäden, sterben um fünf bis acht Jahre früher als die Durchschnittsbevölkerung und sind stärker suizidgefährdet.“

Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich, ergänzt dazu:
„Die Volkshilfe beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Kinderarmut. In Armut aufwachsen bedeutet nicht nur, dass es Kindern an materiellen Dingen mangelt. Es bedeutet auch, mit einem geringeren Geburtsgewicht zur Welt zu kommen, bei Schuleintritt eine geringere Körpergröße zu haben und häufiger in Unfälle verwickelt zu sein. Das wissen wir aus unterschiedlichen Studien. In der gemeinsamen Umfrage mit der Ärztekammer wollten wir erfahren, welche Beobachtungen Ärztinnen und Ärzte in ihrer täglichen Praxis in Österreich dazu machen.“

Mehr in Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung investieren

„Die Ärztinnen und Ärzte haben in der Umfrage neben Prävention und Beratung besonders die finanzielle Unterstützung von Familien als wichtigstes Instrument zur gesundheitlichen Stärkung von Kindern genannt. Das bestätigt uns in unserer Forderung nach einer staatlichen Kindergrundsicherung, die eine flächendeckende Gesundheitsförderung aller Kinder garantiert, unabhängig vom Einkommen der Eltern“, betont Fenninger.

Der Appell von Ärztekammerpräsident Szekeres an die künftige Bundesregierung lautet daher: „Bei den Gesundheitsausgaben pro Kopf läuft Österreich vergleichbaren Ländern wie der Schweiz oder Deutschland hinterher. Im Sinne eines sozialen Gesundheitssystems für alle, insbesondere für jene von Armut und Ausgrenzung betroffenen Österreicherinnen und Österreicher, ist die Politik gefordert, mehr in Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung zu investieren.“ (hpp)
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