• 24.10.2019, 09:45:02
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  • OTS0041

Umfrage: Kinderarmut schadet dem Körper und belastet die Seele

Mehr chronische Krankheiten und geringere körperliche Fitness – Ärztekammer und Volkshilfe schlagen Alarm

Utl.: Mehr chronische Krankheiten und geringere körperliche Fitness
– Ärztekammer und Volkshilfe schlagen Alarm =

Wien (OTS) - Kinder aus armutsgefährdeten Familien leiden häufiger an
chronischen Krankheiten als Kinder aus gut situierten Familien. Sie
sind häufiger übergewichtig und leiden häufiger an mangelnder
körperlicher Fitness sowie an psychosomatischen Symptomen. Das sind
die besorgniserregenden Ergebnisse einer Befragung unter Ärztinnen
und Ärzten zum Zusammenhang zwischen Kinderarmut und Kindergesundheit
in Österreich. ****

Initiiert wurde die Befragung von der Volkshilfe Österreich und
der Ärztekammer für Wien. An den Interviews nahmen mehr als 500
niedergelassene Ärztinnen und Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen
in Wien und Niederösterreich teil, ausgewertet wurden die Antworten
vom Forschungsinstitut SORA. Gefragt wurden die Ärztinnen und Ärzte,
wie sie die gesundheitliche Situation von armutsgefährdeten Kindern
im Vergleich zu nicht armutsgefährdeten Kindern einschätzen und
welche Maßnahmen sie für eine Sicherung der Kindergesundheit in
Österreich für sinnvoll halten.

Die Ergebnisse sind ernüchternd: Knapp die Hälfte der Ärztinnen
und Ärzte nimmt in ihrer beruflichen Praxis wahr, dass Kinder aus
armutsgefährdeten Familien häufiger Arztordinationen besuchen als
Kinder, die in nicht armutsgefährdeten Familien aufwachsen. Eine
deutliche Mehrheit beobachtet auch, dass sich armutsgefährdete Kinder
weniger gesund und leistungsfähig fühlen.

Acht von zehn Befragten erkennen in ihrer täglichen Arbeit, dass
Kinder aus armutsgefährdeten Familien häufiger an mangelnder
körperlicher Fitness leiden. Diese Kinder leiden auch deutlich
häufiger unter psychosomatischen Symptomen, wie zum Beispiel
verminderter Konzentrationsfähigkeit, erhöhter Müdigkeit, Nervosität,
Aggressivität oder depressivem Verhalten.

Es fehlt an Beratung und Aufklärung

Nahezu alle befragten Ärztinnen und Ärzte stellen die Tendenz zu
häufigerem Übergewicht bei Kindern aus armutsgefährdeten Familien
fest. Die Mehrheit der Befragten sieht darin vielfältige Ursachen,
aber etwa jede/r dritte Befragte identifiziert die Ursache mit
mangelnder Information über gesunde Ernährung einerseits und mit den
höheren Kosten für gesunde Ernährung andererseits.

Sechs von zehn Ärztinnen und Ärzten beantworten zudem die Frage,
ob Kinder aus armutsgefährdeten Familien häufiger an chronischen
Krankheiten leiden, eindeutig mit ja. Chronischen Erkrankungen bei
Kindern vorbeugen kann man aus Sicht der Befragten einerseits durch
mehr Beratung der Eltern und Bewusstseinsbildungsprogrammen an
Schulen, wie zum Beispiel mit Kursen zu gesunder Ernährung.
Andererseits hält auch knapp die Hälfte der Befragten eine
ausreichende finanzielle Ausstattung von armutsgefährdeten Familien
für notwendig, um chronischen Krankheiten vorzubeugen.

Gefragt, was es braucht, um Kindergesundheit für alle in
Österreich zu sichern, wurden von den Ärztinnen und Ärzten vorrangig
Beratung und Aufklärung genannt, darunter eine bessere Beratung und
Aufklärung der Eltern, mehr Aufklärung zu Gesundheit, Bewegung und
Ernährung allgemein, verstärkte Aufklärung und Präventionsarbeit in
Schulen und Kindergärten sowie mehr Bewegungs- und Sportprogramme.

Neben dem Ausbau der Beratung dreht sich ein zweites Ideenbündel
um Maßnahmen, die direkt oder indirekt mit finanziellen Ressourcen
zusammenhängen: eine bessere finanzielle Unterstützung und soziale
Absicherung der Familien, kostengünstigere gesunde Ernährung, wie zum
Beispiel die gesunde Jause als Angebot der Schulen,
Ganztagesbetreuung der Kinder sowie kostenfreie Therapien und
kostenfreie Freizeitangebote. Als weitere Maßnahmen werden der Ausbau
von medizinischen Einrichtungen und die Aufstockung von medizinischem
Personal, wie zum Beispiel mehr Kinderärzte, sowie die Ausweitung der
Mutter-Kind-Pass-Untersuchung vorgeschlagen. (hpp)
(Forts.)

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