„kreuz und quer“- und „Menschen & Mächte“-Dokus zum „Bewusst gesund“-Schwerpunkt „Leben mit Demenz“

„Unvergessliche Nonnen – Glaube, Sinn und Demenz“ und „Glück und Vergessen. Leben trotz Demenz“ am 15. Oktober ab 22.35 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Es ist eine überraschende Erkenntnis, die eine amerikanische Untersuchung an mehr als 600 Nonnen aus dem Bundesstaat Minnesota zeigt: Viele der Klosterschwestern zeigen zwar altersübliche Veränderungen im Gehirn, die auf die Alzheimererkrankung hinweisen – doch wirklich erkrankt an Alzheimer sind überraschend wenige. Im Rahmen der ORF-„Bewusst gesund“-Initiative „Leben mit Demenz“ (Details unter presse.ORF.at) zeigt die „kreuz und quer“-Dokumentation „Unvergessliche Nonnen – Glaube, Sinn und Demenz“ von Andrea Eder und Kurt Langbein am Dienstag, dem 15. Oktober 2019, um 22.35 Uhr in ORF 2 in der Wissenschaft vieldiskutierte Erkenntnisse darüber, wie stark Glaube, Lebenssinn und Gemeinschaft das menschliche Leben beeinflussen. In der „Menschen & Mächte“-Dokumentation „Glück und Vergessen. Leben trotz Demenz“ (23.35 Uhr) wirft Peter Liska einen ungewohnten Blick auf die Volkskrankheit.

„Unvergessliche Nonnen – Glaube, Sinn und Demenz“ – Ein Film von Andrea Eder und Kurt Langbein

Eine Studie zeigt: Klosterschwestern im hohen Alter wurden nicht dement, obwohl ihr Gehirn die für Alzheimer typischen Merkmale massiv aufwies. Offenbar hat ihr Gehirn sich mit neuen Verknüpfungen regeneriert. Was hat dies ermöglicht? Der Glaube, das sinnerfüllte Leben in der Sozialarbeit, Regeln und Rückzug neben Kooperation und praktizierter Nächstenliebe – oder alles zusammen?

Kurt Langbein und Andrea Eder begleiten den Alltag im Orden der Barmherzigen Schwestern in Wien und gehen der Frage nach, was man aus den sensationellen Ergebnissen der Nonnenstudie mit 600 Klosterschwestern in den USA lernen kann. „Die vorherrschende Denkmeinung in Bezug auf Alzheimer sagt, dass es zu Ablagerungen im Hirn kommt. Nervenzellen sterben ab, die ganze Forschung konzentrierte sich auf diese Ablagerungen“, erklärt Hirnforscher Gerald Hüther die Bedeutung. „Und jetzt kommt auf einmal eine Studie und sagt: Man kann solche Ablagerungen und Abbauprozesse im Hirn haben, und zwar ziemlich ausgeprägt, und man hat trotzdem keine Symptome für eine Demenz.“ Nach den neuen Erkenntnissen der Neurobiologie sei das Hirn bis ins hohe Alter in der Lage, neue Verbindungen zu schaffen. Nonnen mit ihrem Gemeinschaftsleben, ihren Aufgaben, ihrem Glauben und dem ruhigen Tagesablauf haben da offenbar gute Voraussetzungen. Aber dies ist nicht aufs Klosterleben beschränkt: Vor allem sinnerfülltes Leben und positive Herausforderungen im Alter tragen dazu bei, „dass wir diese Vernetzungen wieder erweitern können“, so Hüther: „Und spätestens an der Stelle müssten Politiker wach werden, müssten auch Mediziner wach werden, denn das heißt doch, dass, wenn man sein Älterwerden anders gestalten kann, dass man dann auch glücklicher und gesünder älter wird.“

„Glück und Vergessen. Leben trotz Demenz“ – Ein Film von Peter Liska

Es betrifft uns alle. Das Älterwerden. Der Körper verändert sich. Mitunter auch das, was uns ausmacht. Unser Denken. Unsere Artikulation. Unsere Gedankenwelt. Unser Erinnern. Unser Verstand. Das Vergessen – eine Volkskrankheit unserer Zeit. Demenz – ein Schreckgespenst, vor dem sich viele fürchten. Geprägt von Bildern verwirrter, pflegebedürftiger Menschen. Aber was ist vor der letzten Phase dieser Krankheit? Gibt es da noch Glück? Auch dann noch, wenn das Vergessen bereits seinen Lauf nimmt? Die „Menschen und Mächte“-Dokumentation „Glück und Vergessen. Leben trotz Demenz“ von Peter Liska wirft einen bisher ungewohnten Blick auf diese Krankheit:
Demenz und Lebensfreude – das muss nicht unbedingt ein Widerspruch sein.

Isabella Ertlschweiger etwa bietet über die Volkshilfe Burgenland mobiles Gedächtnistraining an. Sie kommt zu den Betroffenen nach Hause, ins vertraute Umfeld. Dort wird gesungen, gelacht, Ball gespielt. Puzzles werden gelegt, Rätsel gelöst, Fotos bestaunt und Erinnerungen aktiviert. Sie zaubert Fähigkeiten ihrer Patientinnen und Patienten hervor, die man kaum mehr für möglich hält. Schöne Stunden für die Betroffenen und eine Entlastung für die Angehörigen.

Die Tagesbetreuungsstätte „Regenbogen“ in Linz setzt hingegen auf ungewöhnliche Aktivitäten. Klettern mit Demenz steht da am Programm. Betagte, vergessliche Menschen erleben Glücksmomente bei körperlicher Betätigung. Mancher der Betroffenen macht dadurch sogar wieder unglaubliche Fortschritte. Bei Demenzkranken, die durch Alkohol ihr Gedächtnis ruiniert haben, ist – im Unterschied zu anderen Demenzformen – sogar eine Verbesserung möglich.

Die Verunsicherung bezüglich Demenz ist groß. Prof. Elisabeth Stögmann von der Gedächtnisambulanz des Wiener AKH kann das bestätigen. Viele, die vermuten, dass da was nicht stimmen könnte, kommen zu ihr. Meist sind es die unmittelbaren Angehörigen, die darauf drängen, Gewissheit zu bekommen. Elisabeth Stögmann ist eine medizinische Expertin mit unglaublicher Empathie. Einige ihrer Patientinnen und Patienten erleben trotz fortschreitender Alzheimer-Demenz noch etliche Glücksmomente. Wenn das familiäre Umfeld Zeit und Geduld aufbringt, ist sogar noch Golfspielen möglich.

Hilfe annehmen ist wichtig. Denn ohne Hilfe wird die Krankheit schnell zur psychischen Belastung der unmittelbaren Betreuungspersonen. Meist sind es Ehefrauen und Töchter, manchmal auch Söhne, wie Herr Muhr. Seine Mutter hat Probleme mit dem Zeit-und Orientierungsgefühl. Dann verlässt sie ihre kleine Wohnung und geht los. Ohne Unterstützung wäre an ein Leben daheim nicht mehr zu denken. Und ohne Unterstützung droht ein Teufelskreis. Ausgelaugte, gereizte, überforderte Angehörige sind dann mit Menschen konfrontiert, die mitunter bereits in einer ganz anderen Welt leben. Und deshalb hat Gerald Muhr sich um Hilfe umgesehen. Auch zum Selbstschutz.

Viel wird über sie geredet, über die Menschen mit Demenz. Doch wer redet mit ihnen? Mit jenen, die direkt betroffen sind, die eine Diagnose haben. Jene, die wissen, dass das Vergessen naht. Unzählige Selbsthilfegruppen für Angehörige gibt es in Österreich. Aber nur eine, in der sich regelmäßig Menschen mit Vergesslichkeit treffen. „Promenz“ nennt sie sich – „mit Geist“. Denn „ohne Geist“, so die eigentliche Bedeutung von Demenz, werden sie nie sein. Davon sind die Mitglieder von Promenz überzeugt. Irgendwas wird immer noch da sein, in ihrem Kopf. Auch wenn für andere nur mehr die Vergesslichkeit wahrnehmbar ist. Ein Film über Menschen und die Macht des Vergessens. Und des Glücks. Ein Film über Lebensfreude, Selbstbestimmung und Hilfsangebote in einer schwierigen Lebensphase.

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