Ein Denkmal in Worten: Margret Greiners neue Romanbiografie über das Wiener-Werkstätte-Testimonial Friederike Maria Beer-Monti

Premierenlesung im Rooftop der Wiener Klimt-Foundation

Wien (OTS) - Auf Einladung von Sandra Tretter und Peter Weinhäupl präsentierte am Dienstag die Münchner Autorin Margret Greiner im Stiftungssitz der Klimt-Foundation ihre neue Romanbiografie über Friederike Maria Beer-Monti. Zahlreiche Gäste u.a. Galerist Martin Suppan, Klimt-Expertin Marian Bisanz-Prakken, die Klimt-Nachfahren Gustav Huber und Peter Zimpel, kamen zu dieser exklusiven Lesung, die in Kooperation mit dem Verlag Kremayr & Scheriau stattfand.

Lebendes Wiener-Werkstätte-Testimonial von Hans Böhler, Egon Schiele und Gustav Klimt porträtiert

Friederike Maria Beer-Monti (1891-1980) war die Tochter von Emil und Isabella Beer. Ihre Mutter besaß die populäre Kaiserbar, den "Rendezvousplatz der Theater- und Kunstwelt" in der Wiener Innenstadt (Krugerstraße 3). Sie galt als eigenwillig, wohlhabend und kunstaffin – augenscheinlich war auch ihr Modebewusstsein, trug sie doch ausschließlich Kleider der Wiener Werkstätte.

Gleich drei berühmte Maler der Wiener Avantgarde verewigten Friederike auf Leinwand: Hans Böhler eröffnete den Reigen im Jahr 1908. Ihm stand sie als 17-Jährige Modell für sein Bild Stehender weiblicher Akt. 1914 porträtierte Egon Schiele sie in einem bunten und durch geometrische Formen bestechenden Hemdkleid der Wiener Werkstätte. Schließlich gelang Gustav Klimt im Jahr 1916 der krönende Abschluss mit seinem in nur wenigen Monaten vollendeten Porträt Bildnis Friederike Maria Beer. Sie trägt ein aus dem von Dagobert Peche für die Wiener Werkstätte entworfenen Pongé Marina geschneidertes Seidenkleid. Verdeckt wird das in grüner, blauer und cremefarbener ondulierender Musterung gestaltete Kleidungsstück, dessen Rock durch eine Schnürung zusammengehalten wird, durch eine Pelzjacke. Klimt bestand darauf, die Jacke zu wenden, sodass das buntfarbige, aus dem von Leo Blonder für die Wiener Werkstätte entworfenen Stoff Flora gefertigte Seidenfutter auf dem Porträt verewigt werden konnte.

1916 war auch jenes Jahr, in dem Gustav Klimt seine letzte Sommerfrische im heute noch erhaltenen Forsthaus am Beginn des Weißenbachtales am Attersee verbrachte. Dieser Aufenthalt war besonders produktiv, denn der Jugendstilkünstler malte zumindest fünf vom Attersee inspirierte Gemälde ‒ Unterach am Attersee, Gartenweg mit Hühnern, Gartenlandschaft mit Bergkuppe, Apfelbaum II und Baumlandschaft. Friederike hielt sich in diesem Sommer mit Hans und Erwin Böhler, dem Besitzer der Insel Litzlberg, ebenfalls am Attersee auf. Private Schnappschüsse, die sich im Archiv der Klimt-Foundation befinden, dokumentieren Gustav Klimt und Friederike Maria Beer-Monti in Gesellschaft weiterer Sommerfrischegäste, u. a. mit Emilie Flöge, und beim gemeinsamen Spaziergang.

Nach dem Tod Gustav Klimts arbeitete Friederike von 1918 bis 1920 in der Galerie von Gustav Nebehay, wo sie die Zeichnungen des Klimt-Nachlasses ordnete und stempelte. In den 1920er-Jahren verließ sie Österreich und lebte während der kurzen Ehe mit Emanuele Monti, einem italienischen U-Boot-Kapitän, auf der Insel Procida im Golf von Neapel.

Friederikes zweites Leben in den USA

Nur für kurze Zeit nach Wien zurückgekehrt, übersiedelte sie bereits um 1934 nach New York, wo sie mit der dortigen Kunstszene in Kontakt kam. Schließlich gründete sie 1936 gemeinsam mit Hugh Stix die New Yorker Artists’ Gallery. Vor allem nach 1938 wurde diese Galerie zu einer wichtigen Anlaufstelle für österreichische emigrierte Künstler wie Max Oppenheimer. Auch vielen amerikanischen Künstlern diente sie als Sprungbrett. Willem de Kooning oder Ad Reinhardt waren dort vertreten. Im Jahr 1962 zog sich Beer-Monti aus ihrer Funktion als Galerieleiterin zurück. Um sich ihren Lebensabend finanzieren zu können, verkaufte sie zu Beginn der 1970er-Jahre ihre Porträts an die Londoner Galerie Marlborough Fine Art und übersiedelte nach Hawaii in ein Altenheim. Friederike Maria Beer-Monti nahm sich 1980 in ihrem 90. Lebensjahr in Kaneohe, Hawaii, das Leben. Sie liegt am Evangelischen Friedhof in Wien-Simmering begraben.

„Ich will unsterblich werden!“ – Friederike Maria Beer-Monti und ihre Maler

Margret Greiners umfangreiche Recherche zum Leben der Friederike Maria Beer-Monti machte sich bezahlt. Stets den biografischen Daten und belegbaren Ereignissen treu bleibend, folgt die Autorin mit Verve den Lebenslinien einer emanzipierten, kunstaffinen und modebewussten Frau auf ihrem Weg vom lebensfrohen Künstler-Groupie in Wien zur international angesehenen Galeristin und Förderin avantgardistischer Kunst in New York.

Publikationsdaten:
Margret Greiner: „Ich will unsterblich werden!“ Friederike Beer-Monti und ihre Maler. 304 Seiten, Format 13,5 x 21,5. 1 Auflage, Kremayr & Scheriau 2019. Preis: €24,00 / ISBN: 978-3-218-01185-3. Nähere Infos

Lesung in der Villa Paulick

Eine weitere Möglichkeit gemeinsam mit Margret Greiner in die Welt des kunstaffinen Wirbelwindes Friederike Maria Beer-Monti einzutauchen, bietet sich im kommenden Jahr am Geburtstagswochenende von Gustav Klimt. Die Autorin wird am 18. Juli 2020 auf Einladung der Klimt-Foundation in der historistischen Villa Paulick in Seewalchen am Attersee Anekdoten und bewegende Momente aus dem Leben Beer-Montis zum Besten geben.

Nähere Infos dazu folgen in Kürze auf: https://www.klimt-am-attersee.at/

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