Ehem. KZ-Gusen Häftlinge: "Wir dürfen die fortschreitende Verwüstung wichtiger Zeugnisse der grausamen Vergangenheit nicht zulassen!"

Appell der ehemaligen Häftlinge des Lagersystems Mauthausen-Gusen an politische Parteien sowie Bundes-, Landes- und Regionalbehörden

Wien (OTS) - Ehemalige Häftlinge des Lagersystems Mauthausen-Gusen appellieren an die österreichischen Behörden, sich für ein würdiges Gedenken des ehemaligen KZ Gusen einzusetzen.

In Anerkennung der bisherigen Bemühungen der österreichischen Bundes-, Landes- und Regionalbehörden und der zuständigen Institutionen um ein entsprechendes Gedenken des KZ Gusen und unter Bezugnahme auf unsere Appelle vom August 2018 sowie vom Mai 2015, appellieren wir, die ehemaligen polnischen Häftlinge des Lagersystems Mauthausen-Gusen sowie unsere Nachkommen, an die österreichischen Behörden auf Bundes-, Landes- und Regionalebene, an alle politischen Parteien und zuständigen Institutionen, dringende und lang erwartete gezielte Entscheidungen über das Gedenken an das ehemalige Konzentrationslager Gusen zu treffen.

Zum Zeitpunkt der uns zutiefst bewegenden Jahrestage: des 80. Jahrestages des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs sowie des nahenden 75. Jahrestages der Befreiung des Lagersystems Mauthausen-Gusen wenden wir uns an die österreichischen Behörden mit dem Appell, die Liegenschaften der Überreste des ehemaligen Lagers Gusen – die SS-Baracken, den Appellplatz, den Schottersilo sowie das Jourhaus von den jetzigen Privatbesitzern zu kaufen. Wir dürfen die fortschreitende Verwüstung dieser wichtigen Zeugnisse der grausamen Vergangenheit nicht zulassen!

Wir rufen dazu auf, an dieser durch übermenschliches Leiden gekennzeichneten Stelle einen würdigen Gedenkort zu errichten.

Wir ersuchen auch um nähere Informationen zu sämtlichen in der ZDF-Dokumentation angeschnittenen Themen zu Gusen II – dem Stollensystem Bergkristall. Bergkristall ist ein kilometerlanges unterirdisches Tunellsystem, getränkt von menschlichen Tränen und von Blut, ein Ort unfassbaren Leidens und mörderischer Arbeit.

Wir hegen große Hoffnung, dass Sie – die Vertreter der österreichischen Gesellschaft, sich in noch stärkerem Maße für die vorstehend erwähnte Angelegenheit engagieren werden. Wir erwarten rasche diesbezügliche Entscheidungen der neuen Regierung der Republik Österreich mit voller Einbeziehung des Nationalrats.

Stanisław Zalewski, Vorsitzender der Vereinigung Ehemaliger Politischer Häftlinge der NS - Gefängnisse und Konzentrationslager

Jacek Tarasiewicz, Vorsitzender des Klubs Ehemaliger Politischer Häftlinge des Konzentrationslagers Mauthausen-Gusen, Stellvertretender Vorsitzender des Internationalen Mauthausen Komitees (CIM)

Am 26. September überreichte der ehemalige KZ Gusen-Häftling Stanisław Zalewski einen entsprechenden Appell dem OÖ-Landtagspräsident KommR Viktor Sigl und würdigte sein persönliches Engagement für das Gedenken der Opfer der ehemaligen NS-Konzentrationslager in Oberösterreich.

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